26.09.2009 · Es wird schwer werden für Frank-Walter Steinmeier, einem Steinbock der zweiten Dekade. Das sagt zumindest sein Horoskop. Frau Merkel, einem Krebs der dritten Dekade, sind die Sterne dagegen hold.
Von Jörg ThomannEs wird schwer werden für Frank-Walter Steinmeier, sehr schwer. Sicher wird er hoffen, heute bei der Wahl noch etwas zu reißen, doch er hat einen übermächtigen Gegner: Die Sterne sind gegen ihn. Und wenn Steinmeier, Steinbock der zweiten Dekade, seine Herzblatt-Horoskope gelesen hat, dann weiß er das auch. „Nicht immer läuft es im Leben so, wie wir es wollen. Doch es hilft nichts, mit dem Schicksal zu hadern“, unkt Das Goldene Blatt. Und Frau im Spiegel präzisiert: „Versuchen Sie nicht, mehr zu bekommen, als momentan erreicht werden kann. Im Grunde spüren Sie selbst sehr deutlich, wenn Sie an eine Grenze stoßen. Diese gilt es jetzt zu akzeptieren.“ Was aber prophezeit Das Goldene Blatt dem Krebs der dritten Dekade Angela Merkel? „Die Sterne sind Ihnen hold. Egal, was Sie jetzt anfangen, es gelingt Ihnen.“ Noch Fragen?
Nachdem das geklärt wäre, können wir uns wichtigeren Themen zuwenden. Zum Beispiel dem Rauschmittelmissbrauch unter Journalisten. Wenn etwa der Bild-Kolumnist Norbert Körzdörfer über die Sängerin Shakira schreibt, dann fragt man sich, was der Mann genommen hat. „Sie ist zu klein. Ihr Mund zu breit. Ihre Augen zu tief“, hebt er an und lässt den rätselhaften Halbsatz folgen: „Ihr Busen zu bescheiden.“ Bescheidenheit kommt bei Bild gar nicht gut an, schon gar nicht bei Busen: Die sollen sich bitte hübsch selbstbewusst und offen zeigen. Zum Glück hat Shakira noch anderes zu bieten: „Ihre Musik ist eine Droge der Lebenslust. Dein Kopf wird zur Disco, deine Seele tänzelt“, deliriert Körzdörfer und behauptet: „Shakira ist heiß wie ein glühender Grill.“ Hoffen wir, dass da kein Kolumnistenwürstchen verkohlt worden ist.
Robbie Williams im Seidenpyjama
Als eher unbescheiden gilt der Sänger Michael Wendler, der sich in seiner Heimatstadt Dinslaken eine Villa errichten lässt und vor der Baustelle das Schild plaziert hat: „Hier baut Michael Wendler sein Märchenschloss.“ Er sei eben, sagt Wendler im Goldenen Blatt, „ein positiv Verrückter“. Wir, die wir eher zu den negativ Normalen zählen, lesen gerührt, dass auch Wendlers Mama einziehen darf. Ein sehr enges Verhältnis mit seiner leider schon verstorbenen Mutter hatte auch Franz Beckenbauer, der in Das Neue erklärt: „Sie war eine liebenswürdige Person, von einer Güte, mit einer Ausstrahlung, die dem Papst sehr nahekommt!“ Am Tag, als Beckenbauers Weihnachtsfeier-Seitensprung mit süßen Folgen bekannt wurde, dürfte es bei Kaisers daheim dann zugegangen sein wie in Canossa.
Eine seltsamer Kauz muss Flavio Briatore sein. Wie Bunte meldet, hat er Michael Schumacher bei einer Kenia-Safari einst eine Überraschung beschert: „Flavio knetete aus Elefantenmist eine Geburtstagstorte, die er mit Schokoladenguss überzog.“ Trotz seines Rauswurfs aus der Formel 1 wird Briatore nicht darben müssen, besitzt er doch „Privatjet, 63-Meter-Yacht, Immobilien rund um die Welt“. Im Längenvergleich unterliegt er indes Roman Abramowitsch, dessen Yacht laut Gala 170 Meter misst und „gepanzerte Wände, einen Securitytrupp aus Fremdenlegionären, ein Mini-U-Boot und einen Paparazzi-Abwehrlaser“ bietet. Auf Abramowitschs Spuren wandelt Robbie Williams, den Gala zeigt, wie er im Seidenpyjama mit einem „Star-Wars-Leuchtschwert“ durch eine Hotellobby spaziert; er ist aber trotzdem fotografiert worden.
Zu viel Höhenluft
Neues vom „Denver“-Biest Joan Collins, 76, und ihrem Partner Percy Gibson, 43. Bei ihnen, berichtet 7 Tage, sei „Küssen derzeit verboten“, da Collins enorme Angst vor der Schweinegrippe habe. Ehrlich gesagt: Wären wir Percy Gibson, so hofften wir, dass die Grippe noch möglichst lang grassierte. Nichts gegen eine Vorliebe für junge Kerle: Aber muss dies gleich, wie bei Ingrid van Bergen, mit einer Diskriminierung älterer Herren einhergehen? Männer in ihrem Alter, lästert die Schauspielerin, 78, in Das Neue, kämen für sie nicht in Frage: „Die muss man meist von vorne bis hinten bedienen. Dazu habe ich keine Lust. Ein Partner muss lebendig und mobil sein.“ Van Bergen sollte mal mit ihrer Kollegin Mariella Ahrens, 40, reden, die in der Frau im Spiegel von einem Besuch im Altersheim berichtet: „Ein 100-Jähriger bestellte Eierlikör, wir spielten zusammen Skat. Zum Abschied gab er mir einen Klaps auf den Po. Das nenne ich Lebensfreude.“
Nun wird es noch einmal mysteriös. Der im Allgäu geborene Herbert Knaup erzählt in der Bunten von seiner Heimat, als sei er vom Körzdörfer-Syndrom befallen: „Für mich war das Allgäu die steinerne Gebärmutter. Ein enges Tal, und gleich gehen die Berge hoch.“ Im Allgäu, so der Schauspieler, habe er als Kind auch „eine Vision“ gehabt: „Ich hab' ein Einhorn gesehen.“ Auf die Bunte-Nachfrage, ob er anderen davon erzählt habe, antwortet Knaup: „Na klar! Dieses Flirren - in Hellblau und Weiß. Wahrscheinlich ist das ein Ausdruck der Unschuld, die man verliert.“ Uns scheint das eher ein Ausdruck für zu viel Höhenluft zu sein. Als wir einst unsere Unschuld verloren, haben wir jedenfalls kein Einhorn gesehen.
Die Welt des Boulevards
Jörg Thomann Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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