14.01.2012 · Politische Zeiten: Sky du Mont ist unzufrieden mit Philip Rösler, während George Clooney Angela Merkel spielen will. Nur Peter Zwegat würde gerne mal wieder zum Fußball.
Von Jörg ThomannDas ist nun wirklich mal eine überraschende Nachricht: Lothar Matthäus wird, wie Bild meldet, von Detektiven gesucht. In einem Justizstreit, dessen Inhalt noch unbekannt ist, ließ „das Landgericht Wuppertal die Benachrichtigung über eine Klage gegen Matthäus öffentlich aushängen - weil er angeblich seit Monaten nicht auffindbar ist!“ Tja, liebe Detektive, da hättet ihr mal besser in Bild oder Bunte geschaut, da finden wir ihn jede Woche.
Aufpassen sollte auch Michael Gwisdek. In Bild nämlich droht der Schauspieler, der gestern siebzig wurde, eine Straftat an: „Wer mir zum Geburtstag gratuliert, dem haue ich eine rein.“ Da sollte man heute mal vor Gwisdeks Haustür nachsehen, ob er sein Versprechen gehalten hat. Wäre übrigens ein netter Titel für einen neuen Film: „Gratulanten pflastern seinen Weg“. Übrigens teilt er dann noch mit: „Ich mache noch Handstand und habe zweimal Sex am Tag.“ Typischer Fall von Altersangeberei; beeindrucken könnte er uns nur, wenn er beides gleichzeitig täte.
Dass auch er ein flotter Siebziger ist, hat Fritz Wepper bewiesen, indem er (wir berichteten) jetzt noch mal Vater geworden ist. „Das Baby ist da!“, freut sich Die Aktuelle auf ihrer Titelseite, um sogleich zu mäkeln: „Aber Familien-Glück sieht anders aus...“. Da mag Die Aktuelle ausnahmsweise recht haben; vor allem nämlich sieht Familien-Glück anders aus als auf dem Foto, das sie dort präsentiert. Es zeigt Wepper mit einem Kind auf dem Arm, das den Kopf für ein Neugeborenes erstaunlich aufrecht hält. Für die Info, dass es sich hier um ein Filmbild aus der Komödie „Baby frei Haus“ von 2009 handelt, war auf der Titelseite des Heftes dummerweise kein Platz mehr.
Nachwuchs wird mal wieder William und Kate angedichtet. „Ein Baby im Sommer! Jetzt ist es offiziell“, schwindelt Neue Welt, während Echo der Frau sogar noch mehr weiß: „Ein Mädchen! Es soll Diana heißen.“ Anlässlich von Kates Dreißigstem listet Bild unbekannte Fakten über sie auf. So sagt sie etwa „Dinge, die bei Königs verpönt sind (z.B. ‚toilet‘)“ und „neckt William gerne, nennt ihn ‚Big Willie‘“ - was in der Bild-Übersetzung nicht halb so charmant klingt: „großer Zipfel“. Ob Big Willies Baby wohl mit einem großen Zipfelstreich begrüßt werden wird?
Gute Nachrichten für die Fans von Stefan Mross und Stefanie Hertel: „Versöhnung! Stefanie und Stefan werden wieder ein Paar“, frohlockt Das neue Blatt. Seine Quelle, Wahrsagerin Edda von Järten, hat noch mehr herausgefunden: „Sie müssen in einem früheren Leben schon einmal zusammengewesen sein. Ihr jetziges Leben ist eine Wiederholung.“ Dann freilich wundert es uns nicht, dass das Paar sich getrennt hat: Wer will schon immer Wiederholungen sehen?
Geheime Träume hegt Schuldnerberater Peter Zwegat: „Ich würde gern einmal unbeschwert auf einem Fußballplatz sitzen. Aber das geht nicht, ohne dass ich die Pranke irgendeines Möbelpackers ins Kreuz kriege und nicht zurückreagieren kann“, gesteht er der Neuen Welt. Vielleicht, Zwegat, ist der Möbelpacker auch nur ein Ordner, der Sie vom Platz trägt, damit das Spiel endlich anfangen kann? Und ob der FDP-Chef Rösler endlich „zurückreagiert“? Etwa auf diesen Satz in Frau im Spiegel: „Politisch ist Rösler sehr gut und hochbegabt, doch ihm fehlt jegliche Macho-Ausstrahlung, um sich die entsprechende Autorität zu verschaffen.“ Hat Patrick Döring schon wieder ein Interview gegeben? Nein, es war Sky du Mont, Schauspieler und FDP-Mitglied.
Dass sich du Mont mit seinen klaren Worten nicht immer Freunde macht, zeigt ein Bericht seiner Gattin Mirja im Echo der Frau: „Wir lagen in einem Hotelzimmer im Bett. Das Licht war schon aus, und dann fragte er mich, ob ich heiraten möchte. Das ist doch unromantisch.“ Stimmt, er hätte zumindest das Licht wieder anmachen können. Doch zurück zur FDP: „Laut BBC sind wir Deutschen das beliebteste Volk der Welt“, behauptet FDP-Minister Dirk Niebel in Bunte. „Solche Erfolge fallen nicht vom Himmel. Es gibt sie nicht trotz, sondern wegen der FDP.“ Soll heißen: Wegen der FDP sind die Deutschen in der Welt so beliebt? Herr Niebel?
Ein Sympathisant der deutschen Politik ist auch George Clooney: „Wenn ich mir aussuchen dürfte, welches politische Oberhaupt ich mal spielen will, würde ich Angela Merkel wählen“, sagt er in Emotion. „Ich wollte immer gern eine kleine deutsche Frau sein.“ Nun schnappt sich in Deutschland die interessantesten Frauenrollen ja Matthias Schweighöfer, aber einen Hollywood-Film „Angie’s Eleven“ würden wir schon gern sehen, mit Clooney als Merkel, Brad Pitt als Ursula von der Leyen und Matt Damon als Kristina Schröder. Julia Roberts könnte dann ja Christian Wulff spielen. Dessen Frau hat für Aufsehen gesorgt, als sie sich auf den Empfang eines Springer-Blattes wagte - für Gala „ein Liebesbeweis, für den ihr der Ehemann eigentlich das Bundesverdienstkreuz ans Revers heften könnte“. Verehrte Gala: Bring den Mann bloß nicht auf dumme Gedanken, das gibt nur wieder böse Schlagzeilen.
Die Welt des Boulevards
Jörg Thomann Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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