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Herzblatt-Geschichten Ein Stück weit Schicksal

Bei Lothar Matthäus muss ein Mann Entscheidungen im Leben treffen. EU-Energiekommissar Günther Oettinger will an der Seite seiner 24 Jahre jüngeren Freundin Englisch „by doing“ lernen. Da kann ja nichts mehr schiefgehen.

© dpa Vergrößern Beerbt Heidi Klum bald Thomas Gottschalk?

Das war wieder eine gute Woche für uns Normalsterbliche, denen die Unzulänglichkeiten Prominenter dabei helfen, sich mit der eigenen Mediokrität zu versöhnen. Dank Bild wissen wir jetzt, dass John Travolta ein Echthaar-Toupet trägt, das „bombenfest auf die Kopfhaut geklebt“ wird. „Nach drei bis fünf Wochen muss das Haarteil im Haarstudio gereinigt und neu verklebt werden. Travoltas Haar ist also gerade in der Reinigung.“ Drei bis fünf Wochen sind, finden wir, eine großzügige Spanne zwischen zwei Haarwäschen, zumal bei dem Grease, den Travolta im Haar herumträgt.

Michael Schumacher wiederum, der den Glauben an seine Übermenschlichkeit auf der Piste bereits gründlich zerstört hat, gibt nun in der Gala noch zu, sich die Haare zu färben. Dafür sagt er einen nachdenklich stimmenden Satz, den wir zu den großen Sportler-Weisheiten der Neuzeit zählen wollen: „Leben ist ein Stück weit Schicksal.“

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Da schließt sich nahtlos Lothar Matthäus an, dessen Statement zur Guttenberg-Affäre uns gerade noch gefehlt hat. „Ein Mann muss im Leben Entscheidungen treffen. Ob die dann richtig sind, stellt sich oft erst hinterher heraus“, sagt er der Bunten, was uns ins Grübeln bringt, ob das nicht bei allen Entscheidungen so ist – ausgenommen vielleicht Matthäus’ Entscheidungen zu heiraten, von denen man stets vorher weiß, dass sie falsch sind. „Wenn man in Deutschland keine Probleme hat, macht man sich welche“, sagt er noch. „Und wer was Gutes für Deutschland tut, kriegt als Dank meistens was aufs Maul.“

Berlinale 2011 - sophie thomalla © dpa Vergrößern Hält zu Guttenberg, jetzt erst recht! Sophie Thomalla, Guttenberg-Fan

„Ich finde ihn trotzdem, und jetzt erst recht, gut.“

Während der gute Lothar hier aus eigener, leidvoller Erfahrung spricht, rätseln wir über die Empathie der jungen Sophia Thomalla, 21, die ebenfalls in Bunte die „Medien“ dafür schilt, „unsere eigenen Wunderkinder in Skandale zu ziehen“, und zu Guttenberg ihre uneingeschränkte Solidarität versichert: „Ich finde ihn trotzdem, und jetzt erst recht, gut.“

Jetzt erst recht? Als Uni-Professor würden wir nun hellhörig, wollte Frau Thomalla uns zu ihrem Doktorvater machen. Hellhörig macht uns auch unser Frau-im–Spiegel-Horoskop: „Ein Mensch, der ganz anders ist als Sie, übt eine seltsame Faszination aus. Obwohl Sie seine Überzeugungen eigentlich nicht teilen, so können Sie sich doch in puncto Krisenmanagement einiges von ihm abschauen.“ Damit ist dann wohl wieder zu Guttenberg gemeint.

Günther Oettinger, kein Doktor, aber laut Bunte „der mächtige EU-Energiekommissar“, 57, stellt uns im selben Blatt Freundin Friederike, 33, vor. Beide geben sich innig, wenn auch die Romantik aus dem Kommissar erst herausgekitzelt werden muss: „Dann sind Sie noch in der Schmetterlingsphase?“ – „Ja, ich bin absolut in der Schmetterlingsphase.“ – „Sie auch, Herr Oettinger?“ - „Ja, schon.“

Dann erfahren wir, ohne es wirklich gewollt zu haben, dass der Politiker seine Unterwäsche allein wäscht und Friederike, wie Oettinger glaubt, „mich noch ein bisschen mehr liebt als ihr Pferd. Aber nur ein bisschen.“ Einen Englischlehrer übrigens hat sich Oettinger, anders als angekündigt, nicht genommen: „,Learning by doing‘ ist die beste Form“, sagt er. Könnte in seinem Fall auch heißen: Learning by doing mistakes.

1000 echte, enge Freunde

Haben Sie übrigens Post von den Sachsen-Coburg-Gothas bekommen? Wenn nicht, dann wird das nichts mehr mit dem Mitfeiern bei Williams und Kates Hochzeit. Die Einladungen der Windsors, die, wie Gala weiß, bis 1917 den Namen Sachsen-Coburg-Gotha trugen, sind verschickt worden, unter den 1900 Adressaten sind laut Gala „1000 enge Freunde und Verwandte“. 1000 echte, enge Freunde: da sieht man, was der alte Adel der Facebook-Generation voraushat.

Ob auch Ex-Model Tasha de Vasconcelos geladen ist, wissen wir nicht; ihre in Gala aufgestellte Behauptung, Prinz Charles sei für sie „nach wie vor der perfekte Mann“, sollte ihre Chancen nicht geschmälert haben. Weniger nette Worte findet sie für eine Kollegin: „Naomi Campbell ist ein Albtraum, das weiß inzwischen ja jeder“, sagt sie. „Sie ist die Pest.“

Heidi Klum wiederum will bei „Wetten, dass ... ?“ Gottschalk beerben, behauptet OK!, „hinter den Kulissen scheint die Entscheidung längst gefallen zu sein“. Für ebenso „abstrus“ (Guttenberg) halten wir, dass Neue Welt die Fernsehgärtnerin Andrea Kiewel ins Spiel bringt; für sie immerhin spricht, dass sie sich mit Schleichwerbung auskennt.

Gedichte-Recycling?

Kommen wir nun zur Sorge der Echo-der-Frau-Leserin Marina K. (29): „Ich bin eigentlich nicht eifersüchtig, aber es irritiert mich, dass mein Ehemann nach drei Jahren Ehe im Internet Kontakt zu anderen Frauen hat. Als wirklich verletzend empfinde ich, dass er seinen Brieffreundinnen Gedichte schickt, die er mal für mich geschrieben hat. Was soll das?“ Ratgebertante Cornelia antwortet: „Diese Frage sollten Sie nun wirklich Ihrem Mann stellen.“

Wir hingegen meinen: Wäre es Ihnen so viel lieber, Frau K., wenn Ihr Gatte seinen Bekanntschaften neue Gedichte geschrieben hätte? Aber fragen Sie ihn ruhig mal selbst. Wir wüssten schon, was wir an seiner Stelle antworten würden: dass es sich bei sämtlichen Damen um Literaturkritikerinnen handle.

Quelle: F.A.Z.

 
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