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Veröffentlicht: 23.12.2012, 14:44 Uhr

Herzblatt-Geschichten Ein Herz auf zwei Beinen

Carmen Nebel wartet noch immer auf eine Jeans aus dem Westen, Brooke Mueller ist vielleicht süchtig nach Entzügen und Prinz Daniel ziemlich verliebt in seine Victoria. Und Kristina Schröder hat wohl zu viel getwittert.

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© dpa Wenn der Mann immer so daherredet, dürfte das auf Dauer ganz schön anstrengend sein: Prinz Daniel hat seiner Victoria eine Liebeserklärung gemacht

Da staunen Muslime, Juden und Buddhisten: Es ist Weihnachten, und die Christen schlagen sich die Köpfe ein. Nachdem gerade erst, wir berichteten, der Papst höchstpersönlich Ochs und Esel samt Stall aus der Weihnachtsgeschichte verbannte, ist es nun die bis dato im Amt kaum aufgefallene Familienministerin, die einen weiteren Grundpfeiler des Glaubens umschmeißt: Sie hat dem lieben Gott seinen langen weißen Bart abgeschnitten. Ihr argloser Satz, man könnte, weil Gott weder Mann noch Frau sei, auch „das liebe Gott“ sagen, hat laut Bild einen wahren „Christ-Storm“ ausgelöst und ist ein Schock für die Union - vor allem für jene Teile von ihr, die sich bis heute nicht daran gewöhnt haben, dass sie „Die Kanzlerin“ sagen müssen.

Jörg Thomann Folgen:

Kann man Kristina Schröder tatsächlich, wie es ein hoher Kirchenmann nun tut, „religiösen Analphabetismus“ vorwerfen, oder ist es doch nur eine leichte Grammatikschwäche? Sollte man künftig beten zu „Vater oder Mutter oder irgendwas im Himmel“? Müssen wir das liebe Gott ein gutes Etwas sein lassen? Kann man noch unbefangen „Der heilige Geist“ sagen - oder auch hier besser geschlechtsneutral „Das Gespenst“? Wir vermuten freilich, dass der Spuk sich bald gelegt haben wird, sofern sich Kristina Schröder nicht noch an einer weiteren urchristlichen Gestalt vergreift - dem Weihnachtsmann. Oder muss der bald glattrasiert als Weihnachtsmensch durch den Schnee stapfen?

Alter Schwede!

„Das liebe Gott“ dürfte derweil Hans Zehetmair als Beleg für seine These werten, dass digitale Spielwiesen wie Twitter und SMS unsere Sprache verflachen lassen. Der Vorsitzende des Rechtschreibrats fordert daher, dass Jugendliche iPad oder Twitter erst dann nutzen sollten, wenn sie über 14 seien und sich ihre Sprachkenntnisse gefestigt hätten. Frage: Müsste man nach dieser Logik Boris Becker nicht das Twittern verbieten, obwohl er schon 45 ist?

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder Im Auge des Christ-Storms: Bundesfamilienministerin Kristina Schröder © dpa Bilderstrecke 

Einer, der garantiert nicht twittert, ist Prinz Daniel. Sonst hätte er seiner Gattin Victoria niemals eine solche Liebeserklärung machen können, wie sie Die Aktuelle dokumentiert: „Wir erfahren in unseren Herzen die Anziehungskraft der Sterne, das Feuer der Sonne, den Anfang und das Ende der Welt. Es ist, als seien wir trunken vor Liebe gestorben - und im Körper des anderen wiedergeboren worden. Unsere Seelen sind verschmolzen und für immer eins . . .“ Alter Schwede! Wenn der Mann immer so daherredet, dürfte das auf Dauer ganz schön anstrengend sein.

Ungleich prosaischer äußert sich in Bunte Sabine Postel über ihren Partner Christian: „Er ist ein Herz auf zwei Beinen.“ Das ist sicher liebevoll gemeint, ruft uns aber komische Bilder vor Augen. Wär’ halt schon nicht schlecht, wenn am Herz auch noch ein Hirn dranhinge. Vielleicht aber meint sie auch nur Christians herzförmigen Körperbau - sehr breites Kreuz bei extrem schmalen Hüften? Wir selbst jedenfalls haben so ein Herz auf Beinen noch nie gesehen, dafür allerdings zahlreiche Lebern auf zwei Beinen, zuletzt auf unserer Betriebsweihnachtsfeier.

Versuchen Sie’s doch mal mit richtigen Geschenken

Zu dieser Spezies scheint auch Brooke Mueller zu gehören, die laut Intouch stolze 19 Aufenthalte in der Entzugsklinik hinter sich hat und ihren Ex-Mann Charlie Sheen (sechs Entzüge) ganz schön nüchtern aussehen lässt. Kann man süchtig nach Entzügen sein? Jenny Elvers-Elbertzhagen geht es derweil offenbar besser - jedenfalls tritt sie wieder im Fernsehen auf: Im Februar zeigt RTL das einstündige Special „Die Alkoholbeichte! Jenny Elvers - Die ungeschminkte Wahrheit“. Den Suff scheint sie überwunden zu haben, jetzt muss sie nur noch von RTL loskommen.

Über die ZDF-Frau Carmen Nebel titelt Echo der Frau: „Ihre Hoffnung wurde bitter enttäuscht“. Erhofft hatte sich Nebel eine echte West-Jeans, aber die war in der DDR kaum zu kriegen: „Ich warte heute noch auf meine . . .“, sagt sie. Vielleicht sollte ihr mal jemand mitteilen, dass sie inzwischen ausreisen darf. Als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk indes darf jener Diätkonzern die zwei Bunte-Interviews betrachten, in denen Oliver Kahn und Katarina Witt dessen Abspeckmethoden preisen. Dass er übergewichtig war, will zumindest Kahn erst gar nicht bemerkt haben: „Denn ich habe das Glück, dass ich vom kleinen Zeh bis in die Haarspitzen zunehme. Ich trage keine Kugel vor mir her.“ Wir haben das Pech, dass bei uns kaum noch Haarspitzen vorhanden sind, da setzt sich das ganze Fett komplett im kleinen Zeh fest.

Seine eigenen Wege, dem Familienstress zu entgehen, hat Friedrich von Thun. Als Großvater von 70 Jahren „wird man leichter nervös, wenn drei Burschen anfangen zu brüllen. Wenn das vorbei ist, komme ich wieder“, so der Schauspieler zum Goldenen Blatt. Danach befragt, ob er den Kindern öfter was mitbringe, sagt er: „Selbstverständlich! Ich finde schwarzes Vulkangestein faszinierend, genauso wie Muscheln oder kleine Steine!“ Jetzt ahnen wir, wieso die Burschen so brüllen: Versuchen Sie’s, Herr von Thun, statt mit Steinen und Muscheln doch mal mit richtigen Geschenken. Frohe Weihnachten!

Quelle: F.A.S.

 

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