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Herzblatt-Geschichten Ein direktes Verhältnis

13.12.2009 ·  Die Klum-Kinder sind für die Presse tabu. Auf Heidis Homepage findet sich jedoch das ein oder andere Bild. Weihnachtlich geht es bei Prinz William zu, er schenkt seiner Liebsten einen Welpen. Tiger Woods muss da schon etwas tiefer in die Tasche greifen.

Von Jörg Thomann
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Die Zeit vor Weihnachten dient vielen als Anlass, sich mal wieder bei alten Freunden zu melden. Auch bei uns ist Weihnachtspost einer guten alten Bekannten eingetrudelt, nämlich der Heidi Klum GmbH & Co. KG, Geschäftsführer Günther Klum. Sicher sei uns bekannt, schreibt Herr Klum, dass Heidi wieder Nachwuchs bekommen habe, und bittet uns, „keine Bilder zu veröffentlichen, auf denen die Kinder erkennbar sind“, um deren Persönlichkeitsentwicklung und -entfaltung nicht zu gefährden. Gegen Rechtsverstöße werde man vorgehen: „Bitte helfen Sie, solche Streitigkeiten im Interesse aller zu vermeiden.“ Gerade zur Weihnachtszeit helfen wir natürlich gerne und verzichten in dieser Kolumne ausnahmsweise auf den Abdruck eines Klumkindfotos. Herrn Klum freilich legen wir ans Herz, sich mal die Internetseite www.heidiklum.com vorzuknöpfen: Dort zeigt eine Frau, bei der es sich angeblich um Heidi Klum persönlich handelt, mehrere Porträts ihrer jüngsten Tochter, die sämtliche Herzblätter prompt nachdrucken.

Früher hätten die Hefte in solchen Fällen der Heidi flugs ein fremdes Baby in den Arm montiert - eine Praxis, die ein wenig aus der Mode gekommen scheint. Bei Tieren hingegen kennen sie keine Skrupel. Gleich zwei Titelblätter der Woche zieren im wahrsten Wortsinn hundsmiserable Collagen von Prinz William, seiner Freundin Kate und einem Welpen, den er ihr zu Weihnachten schenkt (Das Goldene Blatt) oder geschenkt hat (7 Tage). Es ist eine Abschiedsgabe: Kate und William werden einander mehrere Monate nicht sehen, weil die Queen, wie 7 Tage weiß, „ihren Lieblingsenkel als Botschafter in ferne Länder“ schickt, vielleicht aber auch, wie Das Goldene Blatt meint, weil William „seine Ausbildung als Rettungshubschrauber-Pilot in Nordwales“ fortsetzt, was nicht gar so fern ist. Das Hündchen ist ein „schokofarbener Labrador-Welpe“, prophezeit Das Goldene Blatt und lässt es auf vielen Fotos schokofarben wuseln. 7 Tage hingegen zeigt einen weißen Welpen mit braunen Ohren, mag sich bei der Rasse indes nicht festlegen und schreibt neutral vom „Fellbündel“ und vom „Wuschel auf vier Pfoten“. Wir aber fragen uns, was die Zurschaustellung süßer kleiner Hunde, die brutal ihrer natürlichen Umgebung entrissen wurden, mit deren Persönlichkeitsentwicklung und -entfaltung anrichtet.

Selbst Kühltruhen können sich als gefährlich erweisen

Zu Weihnachten tiefer in die Tasche greifen als William muss Tiger Woods, der nach Affären mit - bei Redaktionsschluss - mindestens neun Damen seiner Gattin Elin laut Bunte 35 Millionen Euro dafür zahlt, dass sie zwei weitere Jahre bei ihm bleibt, darunter ein sofortiger Abschlag von fünf Millionen. „Abschlag“ ist etwas doppeldeutig bei einem Golfprofi, wie überhaupt der „Sex-Skandal des Jahres“ (Bunte) zu etlichen schlechten Golf-Wortspielen einlädt (Platzreife, Putten, Einlochen), die wir uns hier besser verkneifen wollen. Nachdem Frau Woods dem Gatten mit dessen Golfschläger die Heckscheibe zertrümmert haben soll, worauf dieser gegen einen Hydranten fuhr, raten wir Sportsmännern auf Abwegen jedenfalls dazu, keine Geräte unbeaufsichtigt herumliegen zu lassen; Fechter sollten hier noch vorsichtiger sein als Federballer. Doch selbst Kühltruhen können sich als gefährlich erweisen: So zog sich der Sänger Paul Anka, wie Bunte berichtet, eine Platzwunde zu, als seine Frau ihn mit Eiswürfeln bewarf.

Tief beeindruckt lesen wir, dass es beim vermeintlichen Altherrensport Golf offenbar richtig zur Sache geht. So hat Frau im Spiegel Natascha Ochsenknecht, 45, mit ihrem neuen Begleiter, dem türkischen Fußballspieler Umut, 25, bei einem „Charity-Golfturnier“ aufgespürt, und auch Patrick Lindner soll, wie Das Goldene Blatt behauptet, „bei einem Golf-Kurs“ den feschen „Marine-Soldaten Falk B.“ lieben gelernt haben. In diesen Liebesreigen reiht sich scheinbar sogar Roland Koch ein, wenn er auf die Bunte-Frage, ob er Kristina Köhler auf deren Facebook-Seite gratuliert habe, antwortet: „Wir haben ein direktes Verhältnis, da müssen wir nicht über eine Internet-Seite arbeiten.“ Tatsächlich scheint die Neu-Ministerin eine Frau mit recht eigenem Geschmack zu sein: „Die anderen Mädchen schwärmten für Pferde, ich für Helmut Kohl“, zitiert sie die Frau im Spiegel, derzufolge die kleine Kristina überdies „I like Birne“-Sticker auf dem Schulranzen trug.

Eine ganz besondere Art, seine Zuneigung auszudrücken, hat auch Kristinas Kollege und Namensvetter Horst, der der Bunten nach seiner Papst-Audienz über Benedikt XVI. mitteilt: „Wir Deutschen wollen, dass es ihm gutgeht, wir denken positiv an ihn.“ Vor allem aber wollen wir, dass es unseren Liebsten gutgeht, etwa unserer kleinen Tochter: Um ihre Karriere etwas zu beschleunigen, haben wir ihr Hello-Kitty-Poster überm Bettchen durch eines von Angela Merkel ersetzt. Seitdem schreit sie leider wie am Spieß. Dumm, zumal unsere Ehefrau ohnehin gerade negativ an uns denkt: In unserer Tasche hat sie die Anmeldung für den Golfclub entdeckt.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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