Sehr geehrte Medienaufsicht! Hiermit reichen wir Beschwerde ein gegen den Fernsehsender RTL wegen Vorgaukelung falscher Tatsachen. Nein, es geht uns nicht um die ominösen Nachmittags-„Doku“-Soaps, in denen krasse Trash-Typen nach abstrusen Drehbüchern noch krassere Trash-Typen spielen, sondern um die Sendung „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“, die am 13. Januar wieder anläuft.
Alle paar Tage sickert jetzt via Bild ein neuer Name durch, dessen Träger ins Dschungelcamp zieht. Gerade noch ein Begriff ist uns die Stallone-Ex Brigitte Nielsen, die seit zehn Jahren ihren ersten Wohnsitz in Reality-Shows hat. Komplett unbekannt aber sind uns die anderen Kandidaten, die überhaupt nie etwas anderes gemacht zu haben scheinen als Casting-Shows: Micaela Schäfer (8. Platz bei „Germany’s Next Topmodel“ 2006), Daniel Lopes (7. Platz bei „Deutschland sucht den Superstar“ 2003), Kim Debkowski (4. Platz bei „Deutschland sucht den Superstar“ 2010). Wir fordern daher die Medienaufsicht auf, RTL vor die Wahl zu stellen: Entweder der Sender verzichtet auf den ersten Teil des Titels und zeigt die Show nur als „Holt mich hier raus“, oder er strahlt noch im Dezember eine Casting-Show mit allen Kandidaten aus, um diese bis zum Dschungelcamp-Start halbwegs bekannt zu machen.
„So fleißig ist der Adel“
Nicht in den Dschungel, aber auch ganz hübsch herum kommen Christian und Bettina Wulff: Bunte und Frau im Spiegel zeigen viele tolle Fotos ihrer Reise durch „1001 Nacht“ (vom Morgen danach war den Blättern noch nichts bekannt). Frau im Spiegel berichtet, dass die Wulffs auf dem Markt in Nizwa (Oman) „Vanilleschoten, Rosenwasser und Weihrauch“ erwarben, Dinge also, die der Präsident für seine Reden gut gebrauchen kann, und dass sie auf Einladung des Sultans „in einem Beduinenzelt in der Wüste“ übernachteten. Da fragt man sich natürlich, ob sie nicht besser selbst bezahlt hätten, so viel wird so ein Zelt schon nicht kosten. Doch scheint unser Präsident noch immer etwas knapp bei Kasse zu sein und also angewiesen auf befreundete Finanziers, sogar bei der Anschaffung eines Polizeiautos für sein Söhnchen: „Ich habe ihm gesagt“, so Wulff zur Bunten, „dass sich der Papa so ein großes Auto nicht leisten könne, das müsse der Weihnachtsmann bringen.“
Apropos Weihnachten: 7 Tage präsentiert uns „Verpackungen mit Pfiff“, die nicht viel kosten. Zeitungen als Packpapier, „eine gesäuberte Konservendose“ als Gefäß, eine Obstkiste als Geschenkkorb – sowie, besonders apart, zum Einwickeln „Geschirrhandtücher – bei Sonderangeboten zugreifen!“ Haben wir gleich gemacht und nun eine zauberhafte Überraschung für die Schwiegermutter: einen Satz Geschirrhandtücher, eingepackt in ein hübsches Geschirrhandtuch.
Einer Gesellschaftsschicht, deren Ruf zuletzt gelitten hat, springt Das Goldene Blatt mit einer Imagekampagne zur Seite: „So fleißig ist der Adel“ heißt seine neue, auf acht Teile angelegte Serie. Den Auftakt macht Nikolaus Prinz von Ratibor, der auf seinem Schloss Unterriexingen „Deutschlands einziges Tierschlosshotel“ (nicht Türschlosshotel) betreibt. Dort können die Vierbeiner im eigenen Pool planschen und werden dreimal täglich im Schlosspark Gassi geführt. „99,9 Prozent der Adligen liegen nicht auf der faulen Haut und schwimmen auch nicht im Geld“, sagt der emsige Edelmann. „Ich muss oft ganz schön auf die Spartube drücken.“ Das würden wir auch gern mal probieren, wenn wir nur wüssten, wo man sich solche Spartuben besorgen kann.
Ob auch Nadja Anna Gina-Lisa Prinzessin von Anhalt, Herzogin zu Sachsen und Westfalen, Gräfin von Askanien in der Serie auftauchen wird? So heißt jetzt Gina-Lisa Lohfink (12. Platz bei „Germany’s Next Topmodel“ 2008) nach ihrer Adoption durch den gleichfalls adoptierten Prinz Frédéric von Anhalt. „Mein Kopf muss das erst mal alles realisieren“, sagt die Neu-Adlige der Frau im Spiegel, die zum Dank zwanzig Prozent ihrer Einnahmen ihrem „Hollywoodberater“ Frédéric abtritt und richtig durchstarten möchte. Da möchten wir alles Gute wünschen. Wir sehen uns im Dschungelcamp!