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Herzblatt-Geschichten Der Papst ist trendy

07.08.2005 ·  Warum geht Angela Merkel mit drei Jacketts ins Büro? Wer schläft mit Promifriseur Gerhard Meir in einem Bett? Warum muß man gute Männer teilen? Die Antworten gibt es in den neuen Herzblatt-Geschichten.

Von Peter Lückemeier
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Manchmal, wenn wir so auf der Couch im Wohnzimmer liegen und sehnsüchtig auf das Angela-Merkel-Poster blicken, denken wir, Frau Merkel muß doch ein tolles Leben führen: hier mal den Stoiber austricksen, dort mal im rosa Fummel nach Bayreuth.

In Wahrheit aber hat sie es ziemlich streng, denn raten Sie mal, mit wie vielen Jacketts sie ins Büro geht. Mit dreien! Weil sie sich halt, wie sie in Bunte verrät, immer auf etwas Neues einstellen muß: „Wie ist der Hintergrund im Fernsehstudio? Welche Farbe hat der Sessel? Das sind Dinge, auf die ich dann achten muß.“ Und „etwas Neutrales“ hat sie zusätzlich dabei, falls etwas Trauriges passiert.

Der „schwere Mampf-Rückfall“

Das könnte sie dann auch bei einem Besuch des Ehepaars Schrempp tragen, denn es ist doch schon arg traurig, unter welchen Umständen der Daimler-Chrysler-Boss seinen Zylinder nehmen muß. Die Analysten von Bunte vermuten ja, daß auch Schrempps junge Gattin Lydia, genannt „Hexle“, ihren Anteil daran hatte. „Was ihr besonders angekreidet wurde: Sie fuhr Porsche.“

Oder Angela Merkel könnte in ihrem neutralen Outfit der dicken Susanne Fröhlich einen Mitleidsbesuch abstatten. Hatte Frau Fröhlich mit ihrem Bestseller „Moppel-Ich“ vergnüglich verraten, wie sie 23 Kilo abnahm, so hat sie sich mit eiserner Disziplin nach Bild-Schätzungen von 67 Kilo (Mai 2004) wieder auf 79 Kilo (Juli 2005) heraufgemoppelt, was von Bild gnadenlos als „schwerer Mampf-Rückfall“ bezeichnet wird. Außenminister Fischer dagegen scheint nach dem jüngsten Foto in Bild ordentlich abgenommen zu haben. Glückwunsch. Wahrscheinlich hat er das „Moppel-Ich“ gelesen.

Gerhard Meir und sein Teddy

Wem Frau Merkel in ihrem neutralen Kondolenzgewand auch einen mitfühlenden Besuch abstatten könnte, das wären Jude Law und Sienna Miller, „das schönste Paar der Kinowelt“. Die beiden haben derzeit Beziehungsstress, weil Jude Law es mehrwöchig mit dem Kindermädchen Daisy getrieben haben soll, das in Bunte fröhlich behauptet: „Wir hatten wilden Sex auf dem Billardtisch.“ Vielleicht könnte Frau Merkel ein wenig mäßigend auf Jude Law einwirken und ihm als Vorbild den Promifriseur Gerhard Meir empfehlen, der in Bunte auf die Frage „Wer teilt derzeit Ihr Bett?“ heiter antwortet: „Ein 30 Jahre alter zerrupfter Teddybär namens Moppi. Beißt nicht, schreit nicht, quengelt nicht.“

Rein gar nichts zu quengeln gibt es über die äußere Erscheinung unseres deutschen Papstes an seinem Urlaubsort am oberitalienischen MontBlanc, mit der er die Merkelsche Eleganz womöglich übertrifft. Keine Ahnung, ob Benedikt sich selbst einkleidet oder ob ihm sein Assistent die Sachen morgens immer rauslegt - jedenfalls ist er auf dem Foto in Frau im Spiegel absolut trendy: Baseballcap von Nike, weiße Steppjacke von Barbour, Uhr von Cartier „aus der Familie Pasha de Cartier, ab 3100 Euro“. Schon rätselt das Blatt, was der Heilige Vater beim Weltjugendtag in Köln tragen wird.

„Gute Männer muß man teilen“

Wir würden auch gerne miträtseln, müssen uns aber jetzt vordringlich mit Boris Becker und seiner Trennung von Caroline Rocher (28) befassen. In Bild am Sonntag stellt der vorbestrafte Ex-Tennisspieler alles recht harmlos dar: schmerzlicher Prozeß, zu wenig Zeit füreinander, Liebe verloren, aber „einen Freund gewonnen“. Die Knallpresse sieht das einhellig anders und bewertet den Flattersinn des Frauenschwarms negativ, allen voran Neue Revue: „Vielleicht kann ein Mensch, der seit zwanzig Jahren hört, daß er eine Ikone ist, auch gar nicht lieben und sich nicht für eine vertraute Beziehung öffnen.“

Mag sein, aber vielleicht ist Herr Becker ja „ein guter Mann“ im Sinne Ruth Maria Kubitscheks (74), nämlich selbstbewußt, aber nicht selbstherrlich. In Das Neue Blatt sagt sie aber auch eiskalt: „Gute Männer muß man teilen. Ich bin mein Leben lang betrogen und verletzt worden.“

Das Sein und Wirken von Michel Friedmann

Bei guten Männern denken wir automatisch an Michel Friedman, und nach der Lektüre des Interviews mit ihm in Frau im Spiegel muß man einfach zu der Erkenntnis kommen, daß er ein grundguter, ein sensibler und reizender Mensch ist, der in den vergleichsweise wenigen Zeilen schnell mal auf sein neues Buch und seine Sendung bei N24 hinweisen muß. Gewiß nicht aus egoistischen Motiven, sondern um andere Menschen teilhaben zu lassen an seinem extrem wichtigen Sein und Wirken. Eitel? Doch nicht Michel Friedman! Der Hinweis „Ich habe es geschafft, meine journalistische und publizistische Tätigkeit erfolgreich weiterzuführen“ ist ja nun wirklich rein sachlicher Natur.

Wenn Sie jetzt nach dem Unterschied zwischen „journalistischer“ und „publizistischer“ Tätigkeit fragen, nichts einfacher als das. Wenn wir die Erscheinung unserer supersüßen neuen Redaktionsassistentin Angelina aus Moldau schildern (gerader Wuchs, herrliche Proportionen, megaglückliches Lächeln, aber ein scheußlicher Hosenanzug), ist das publizistisch. Journalistisch wird es, wenn wir erkunden, warum sie sich als modisches Vorbild ausgerechnet Angela Merkel ausgesucht hat.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 07.08.2005, Nr. 31 / Seite 54
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Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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