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Herzblatt-Geschichten Den Hals gestrafft

Gleich zu Beginn des neuen Jahres möchten wir unseren reiferen Leserinnen Mut machen. Wenn Sie, liebe Leserinnen, nämlich denken, das Leben halte keine romantischen Überraschungen mehr für Sie parat, so irren Sie.

© F.A.Z. Vergrößern

Gleich zu Beginn des neuen Jahres möchten wir unseren reiferen Leserinnen Mut machen. Wenn Sie, liebe Leserinnen, nämlich denken, das Leben halte keine romantischen Überraschungen mehr für Sie parat, so irren Sie. Jedenfalls zitiert in Neue Welt die Hollywood-Reporterin Frances Schoenberger die Schauspielerin Shirley MacLaine mit den Worten: "Ich hatte meine aufwühlendste Liebesaffäre, als ich 60 war - er war 30." Damit es auch für Sie, Leserinnen, zu solchen Höhepunkten kommt, sollten Sie vielleicht auf Kontaktanzeigen antworten. Die Formulierungen "tolerant", "Tagesfreizeit" und das besonders hübsche Wort "finanzinteressenlos" kommen Ihren Wünschen dabei entgegen. Vorsicht aber ist geboten, wissen die Eheanbahner von Neue Welt, wenn von "Einsamkeit und Enttäuschung" die Rede ist: "Solche Menschen erwarten, daß mit Ihnen bitte sofort das Glück Einzug hält."

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Ach, was ist Glück? Torwart Olli Kahn definiert es in Bunte so: "Mein Glück ist es, daß ich einen privilegierten Job habe, der mir viele Dinge eröffnet, die anderen verschlossen sind." Genauso geht es uns auch. Wer kann schon Woche um Woche elf Knallblätter studieren und dabei auf so wunderbare Geschichten stoßen wie die vom Schönheitschirurgen Mang in Neue Revue. Eines Tages entstieg vor seiner Klinik "eine schlanke Frau mittleren Alters" dem Fond eines Mercedes, sie trug eine dunkle Sonnenbrille, das Kopftuch war tief ins Gesicht gezogen, sie war eine bekannte Moderatorin, "sie hat sich die Schlupflider korrigieren und den Hals straffen lassen". Ihr Name wird von Neue Revue nicht verraten, weil die Moderatorin bestimmt wieder ihren Anwalt alarmiere. "Das tut sie immer, wenn sie in Zeitungen etwas findet, was ihr nicht paßt." Aber so schwer zu erraten ist es ja auch nicht. Welche schlanke TV-Moderatorin mittleren Alters mit überraschend glattem Hals kennen Sie schon? Na also. Wir selber haben übrigens auch Post vom Anwalt bekommen.

Allerbeste Puddingumsätze

Und natürlich verpflichten wir uns hiermit ausgesprochen gern gegenüber Herrn Dr. h. c. August Oetker, künftig bei Meidung einer im Fall der schuldhaften Zuwiderhandlung von Herrn Dr. h. c. August Oetker nach billigem Ermessen festzusetzenden Vertragsstrafe es zu unterlassen, über Herrn Dr. h. c. August Oetker böse Knallpresse-Nachrichten aus seinem Privatleben zu verbreiten. Das wollen wir nie mehr wieder tun, wie wir überhaupt Herrn Dr. h. c. August Oetker zum neuen Jahr allerbeste Puddingumsätze wünschen und nach Möglichkeit noch einen weiteren Ehrendoktortitel.

Aber um noch einmal auf Schönheitsoperationen zurückzukommen - wir verstehen nie, warum insbesondere Frauen so giftig auf vermeint- oder tatsächliche chirurgische Eingriffe reagieren, etwa wenn Cora Schumacher über ihre Schwägerin sagt: "Für ihr Alter hat Corinna eine gute Figur, wie immer sie das gemacht hat." In Frau im Spiegel enthüllt die Rennfahrer-Gattin, die ganz klar unter den Atombusenkontrollvertrag fällt: "Ich kann an nichts vorbeigehen, was Pink ist. Ich hätte am liebsten vom Badezimmer über die Küche bis hin zum Auto alles in Pink. Mein Mann bremst mich da ein bißchen."

Ja, es ist schon manchmal ganz gut, daß Männer und Frauen unterschiedlich sind. Obwohl Schopenhauer, Loriot und jetzt auch der Schauspieler Richard Chamberlain finden, daß sie schlecht zueinander passen. Chamberlain hat zwar als Priester in "Dornenvögel" die arme Rachel Ward bis zum Irrsinn geliebt, sagt aber in Neue Welt: "Ich glaube, daß Männer und Frauen im Grunde nicht für die Ehe gedacht sind, weil sie so verschieden sind. Wir sprechen und handeln nach dem Prinzip der Logik, Frauen nach ihrem Gefühl."

Männer und Verstand?

Naja, ob Männer immer nach Verstand, Folgerichtigkeit und Vernunft handeln, mag bezweifelt werden. Hat es nicht etwas leicht Irritierendes, wenn Heiner Lauterbach, der früher keinem Schnaps aus dem Wege ging, in Bild der Frau strahlt: "Ich liebe Viktorias Möhren-Apfel-Sellerie-Ingwer-Cocktail"? Ist es nicht seltsam, daß der dicke Volksmusiker Wolfgang Schwalm von den Wildecker Herzbuben eine neue Frau liebt, die praktisch genauso aussieht wie seine alte? Ist es nicht ein wenig übertrieben, wenn Maximilian Schell mit seinen 75 Jahren in Neue Revue über seine neue Liebe sagt: "Elisabeth ist wunderbar, sie macht mich glücklich. Kinder wären die Krönung." Oder denken Sie an den netten Schauspieler Horst Janson, "der auch mit 70 noch wirkt wie der ewige große Junge". Leider hat der Junge, wie die Insolvenzverwalter von Neue Revue ausgerechnet haben, 800 000 Euro Schulden. Ost-Immobilien. Zwei Wohnhäuser in Sachsen-Anhalt. "Er hat sich die Häuser nie angesehen, nicht mal auf Fotos." Tja, Pech. Nun aber Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, von Herzen ein gutes neues Jahr. Es möge so zart und freundlich über Sie kommen, wie heimlicherweise ein Engelein leise mit rosigen Füßen die Erde betritt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 01.01.2006, Nr. 52 / Seite 60

 
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Veröffentlicht: 01.01.2006, 15:50 Uhr