Haben Sie am Donnerstag „Gottschalk Live“ im Ersten gesehen? Natürlich nicht, das sieht ja fast keiner. Am Donnerstag sogar überhaupt niemand, denn da hat die ARD statt Gottschalk den Zapfenstreich für Christian Wulff gezeigt - und siehe da: Wulffs Quote war dreimal so hoch wie die von Gottschalk. Wenn wir die ARD wären, wir würden schleunigst mit Wulff in Verhandlungen treten, um ihn dauerhaft auf Sendung zu schicken; von hohen Honorarforderungen sollte sie sich nicht schrecken lassen. Und für Wulff wäre die Aussicht, als Talkmaster zu reüssieren, eine kleine Genugtuung gegenüber Gauck, der als solcher gescheitert war.
Können wir, hören wir jetzt imaginäre Leser entnervt rufen, in dieser Kolumne jetzt nicht endlich mal auf Wulff verzichten? Die Bild-Zeitung schafft das ja auch. Die allerdings vermag es längst, ihr Blatt praktisch komplett mit Berichterstattung über sich selbst zu füllen. Der Beschluss, die barbusigen Bild-Girls künftig nicht mehr auf Seite1 zu drucken, wird breit debattiert, vom Rapper Sido („Eine Super-Entscheidung“) bis zum Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz („Immer, wenn ich am Kiosk war, habe ich als Erstes aufs Bild-Girl geguckt. Und wenn das gut war, hab’ ich mir die Zeitung gekauft“). Pardon, jetzt haben wir die beiden Zitate falsch zugeordnet, tatsächlich war es genau andersherum.
„Gemobbt“ von der „begeisterten Förderin“
Bilds Seite-2-Boy Franz Josef Wagner rügt den eigenen Chefredakteur als „verrückt“ („Wie kann er das Mädchen der Träume verbannen?“). Vollends verzweifeln wohl würde Wagner, wenn er wüsste, dass er auf der Facebook-Seite seiner „Post für Wagner“ als „JournalistIn“ vorgestellt wird, mit großem I. Wir jedenfalls rechnen nun fest damit, dass die Bild-Busenfreundin Alice Schwarzer dem Blatt für seinen emanzipatorischen Akt den Emma-Journalistinnenpreis überreicht. Für die jungen Damen aus Ostdeutschland hingegen haben sich die Perspektiven mit dem Bild-Bann noch mal deutlich verdüstert; „Seite-3-Girl“ klingt fast schon wie HartzIV. Leider können wir ihnen hier auch keine Stelle mehr als Redaktionsassistentin anbieten.
Kummer hatte auch Herzogin Catherine, weil ihr Gatte William fern auf den Falkland-Inseln weilt, berichtet Das Goldene Blatt: „,Kate verbrachte mal wieder einsame Tage im Kensington-Palast‘, verrät ein Butler. ‚Doch dann klingelte es plötzlich an der Tür, und ein kleiner schwarzer Wirbelwind verjagte alle Traurigkeit im Nu...‘ Denn ein Studienfreund von William überreichte Kate einen großen Korb mit den Worten: ‚William bat mich, dich mit diesem Geschenk nach seiner Abreise aufzumuntern.‘“ Rührende Story, Goldenes Blatt. Komisch nur, dass alle anderen Blätter schon im Dezember von dem Köter berichteten, es gibt sogar Fotos, wie William und Kate mit ihm am Strand spazieren gehen. Was sagen denn der Butler und der Studienfreund dazu?
Und klar, Bunte, dass aus Kate jetzt Catherine geworden ist, das ist nicht leicht zu merken. In deinem Artikel über Englands „Super-Prinzessin“ aber immerzu „Catherine-Kate“ zu schreiben, ist dann doch affig. Du schreibst ja auch nicht William-Bill oder Diana-Di. Während Bunte meint, in der Queen habe Kate eine „begeisterte Förderin“ gefunden, behauptet Intouch, sie würde von der Königin übelst gemobbt - unter anderem, weil sie „nicht wusste, dass die berühmten Fabergé-Eier nicht mehr hergestellt werden“. Peinlich, sind die prachtvollen Fabergé-Vögel doch vor hundert Jahren ausgestorben.
Wer therapiert uns?
Nicht eben liebevoll von ihrem Ex-Mann spricht im Echo der Frau Christine Kaufmann, 67: Er „war fünf Jahre jünger als ich. Aber das sah man ihm nicht an.“ Außerdem erzählt sie: „Bei der Geburt von Allegra habe ich erfahren, dass mein Geist aus dem Körper herausgetreten ist. Eine ungeheure Erfahrung.“ Könnte es sein, dass bei diesem Interview ihr Geist aus dem Kopf herausgetreten ist? Diese ungeheure Erfahrung scheint auch Anne Hoffmann gemacht zu haben, im Aktuelle-Editorial nämlich schreibt sie: „Stellen wir uns doch mal einen Baum vor. Wenn der uns fragen würde, was er tun kann, um glücklich zu sein, was würden wir antworten? Vermutlich würden wir sagen: ‚Sei einfach nur ein Baum. Du machst uns beide glücklich, wenn du einfach nur ein Baum bist.‘“ Wir hingegen, Frau Hoffmann, würden vor Schreck erst mal gar nichts sagen, wenn uns plötzlich ein Baum anquatschen würde.
Wir glauben auch nicht so recht an die Delfinphobie, an der Supermodel Tyra Banks laut Intouch angeblich leidet: „Ich träume nachts davon, dass ich in einem Pool schwimme und von Delfinen verfolgt werde. Sie warten nur darauf, mich zu rammen.“ Eine Delfintherapie scheint in einem solchen Fall nicht empfehlenswert, doch genau die hat Banks gemacht - und ließ sich von einem Fernsehsender dabei filmen. Wir halten das ja für vorgeschoben, vermutlich wollte sie nur mal kostenlos mit den süßen Tümmlern kuscheln. Da fällt uns ein: Wir selbst leiden seit langem schon an einer Supermodel-Phobie, wir haben da seit Jahren ganz schlimme Swimmingpoolträume. Wer therapiert uns?