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Herzblatt-Geschichten Das ist so peinlich

04.12.2011 ·  Eine Woche der Verbote: Jenny Elvers-Elbertzhagen darf ihren Familientanz nicht mehr praktizieren. Und Bushido muss sich abschminken, den niedlichen Musical-Drachen zu spielen.

Von Jörg Thomann
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© dpa Wenn Jenny Elvers-Elbertzhagen tanzt, sagt ihr Sohn: „Nein, Mama, bitte nicht den Tanz! Das ist so peinlich“

„Maffay bricht mit Bushido“ – als wir am Freitag diese Bild-Schlagzeile lasen, dachten wir erst, die beiden migrationshintergründigen Musiker hätten es bei einer Zechtour übertrieben. Dabei ist es dramatischer: Maffay, der den Kollegen kürzlich als mustergültig integriert würdigte, ist sauer, weil Bushido „seinen Worten leider keine Taten folgen“ ließ – soll heißen: Drei Wochen nach der Bambi-Verleihung ist er noch immer nicht in die Plattenläden gestapft und hat alle seine Scheiben mit bösen Wörtern drauf persönlich eingesammelt. Sollte Bushido darauf spekuliert haben, in Maffays „Tabaluga“-Show den niedlichen Drachen spielen zu dürfen, so kann er sich das jetzt abschminken. Einzig eine Rolle als fieser Schneemann Arktos dürfte noch drin sein.

Nach all den Jahren in Köln noch immer nicht richtig integriert ist der Wiener Hans Mahr, früher Chefredakteur bei RTL. „Das erste, was meine zehnjährige Tochter Marie-Therese sagte, war: ,Wien besser‘“, offenbart Mahr Frau im Spiegel. Selbst wenn am Kern der Aussage nicht zu rütteln ist – klar ist Wien besser als Köln –, von einer Zehnjährigen sollte man doch schon etwas ausgefeiltere Sätze erwarten dürfen. Andererseits ist bei RTL ja insgesamt eher der restringierte Code üblich.

Eloquenter ist Paul, ebenfalls zehn und der Sohn von Jenny Elvers-Elbertzhagen, welche in Bunte ihre „herrlich verrückte“ Familie vorstellt. Die pflege als Ritual, so Jenny, „den tollen Elbertzhagen-Tanz“, worauf Paul ruft: „Nein, Mama, bitte nicht den Tanz! Das ist so peinlich.“ Gatte Goetz erläutert: „Unser Familientanz ist für Paul die größte Strafe.“

Nach Glos und Huber fragt keiner

Schwer zu glauben, dass Paul den Eltern die erlittenen seelischen Grausamkeiten einmal verzeihen kann. Also dürfen die Elbertzhagens nicht auf einen Deal hoffen, wie ihn Lady Gaga mit ihrem Papa Joe Germanotta abgeschlossen hat. Stolze fünfzig Prozent ihrer Einnahmen gewährt sie ihm, der ihr laut Bunte ein Vorbild in Sachen Exzentrik ist: „Einer, der ihr als ,erste Klavierlehrerin eine Stripperin‘ vorsetzte“ (was uns nicht völlig uneigennützig scheint) und der „Sex auf der Strandpromenade hatte, bevor er zum Springsteen-Konzert ging“. Da freilich fragen wir uns: Muss so etwas wirklich sein und muss man das noch öffentlich rumerzählen – dass man zu einem Springsteen-Konzert geht?

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© dpa Maffay (r.) bricht mit Bushido - aber nicht nach einer gemeinsamen Zechtour

Übrigens gibt es uns, anders als Bunte, gar kein „beruhigendes Gefühl“, dass Christian Wulff „seiner Frau Bettina total erlegen zu sein scheint“. Wie wollen wir unser Land durch die Krise steuern, wenn unser Präsident unter der eigenen Frau zum Erliegen kommt? Klar, dass da wieder nach Guttenberg gerufen wird, und sei es nur in Bunte von Lothar Matthäus („Und wenn einem Guten gewisse Fehlerchen passiert sind, sollte man das nicht so hochkochen“).

Verkehrsminister Ramsauer findet Guttenberg wohl weniger gut, bringt aber ein irritierendes Argument: „Wer fragt denn, ob Michael Glos oder Erwin Huber wiederkommen?“ Natürlich keiner, aber das hat ja auch Gründe. Die Debatte beenden möchte Hans-Hermann Tiedje in Bild: „Was aus Guttenberg wird, bestimmen nicht irgendwelche Schwadroneure in Talkshows oder selbst ernannte Moralapostel. Was aus ihm wird, bestimmt der Freiherr ganz allein.“ Das mag nicht jedem passen, aber so ist das nun mal in der absolutistischen Monarchie.

Henrs Hübchen glaubt an die Sterne

Die Krise nimmt uns selbst die Freude an unserem 7 Tage-Jahreshoroskop „Beruf & Geld“. Die lobenden Worte, Fische erster Dekade verstünden es, „mit Euros umzugehen“, lassen uns bangen: Was ist, wenn es keine Euros mehr gibt? Wir haben gleich noch im Horoskop der Europäischen Zentralbank nachgeguckt, gegründet am 1. Juni 1998 und also ein Zwilling: In ihr „steckt eine Spielernatur. Dabei haben Sie Glück, aber auch mal Pech. Setzen Sie nicht zu viele Euros aufs Spiel, nur das, was Sie verschmerzen können.“ Na großartig!

Vielleicht sollten wir es mit Daniela Katzenberger halten, die an solchen Hokuspokus nicht mehr glaubt: „Mir hat ein Kartenleger einen Mann für Juli prophezeit, den ich angeblich im Ausland treffe“, klagt Katzenberger im Echo der Frau: „Ich war zu der Zeit auch in Dubai, aber da kam keiner, nicht mal ansatzweise.“ Abgesehen von der Frage, wie wohl ein ansatzweiser Mann aussieht: Vielleicht haben sich die Männer in Dubai auch die Karten legen lassen und sich im Juli in Sicherheit gebracht.

An die Sterne hingegen glaubt Schauspieler Henry Hübchen, ein Fisch wie wir und nur dann nicht entscheidungsschwach, „wenn alles glasklar vor mir liegt. Ich muss nicht lange überlegen, ob ich in 24 Grad warmes Südseewasser oder in eine Jauchegrube springen möchte“, so Hübchen zur Frau im Spiegel. Beneidenswert, wir könnten uns da nicht so schnell festlegen, aber zum Glück sahen wir uns vor so eine Wahl auch noch nie gestellt. Jetzt aber müssen wir uns erst mal unserer älteren Tochter (6) widmen. Sie weigert sich, die Hälfte ihrer Einnahmen (Taschengeld) an uns abzutreten, und die neue Klavierlehrerin gefällt ihr auch nicht. Da müssen wir wohl schwere Geschütze auffahren. Wo stecken nur unsere Tanzschuhe?

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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