23.04.2011 · Die Woche war groß: Von William und Kates 22-Seiten-Einladung bis zum verbalen Schlagabtausch zwischen den Ehepaaren Becker und Pocher. Dem Größenwahn gänzlich verfallen scheint Vitali Klitschko, der sich nicht nur in sportlicher Hinsicht als „der Beste der Welt“ bezeichnet.
Von Jörg ThomannNur fünf Tage noch bis zum Fest, noch immer ist keine Einladung gekommen, also müssen wir uns darauf einstellen, die Hochzeit von William und Kate im Fernsehen zu verfolgen. Und eigentlich sind wir auch ganz froh, dort nicht hinreisen zu müssen. 22 DIN-A4-Seiten mit Benimmregeln nämlich sind laut Neuem Blatt an die Gäste verschickt worden, was für eine entspannte Party nicht die beste Voraussetzung scheint. Beim Dinner etwa sollte man, was vom hintersten Tisch schwierig sein dürfte, stets die Queen im Auge behalten: „Wenn sie die Gabel weglegt, darf keiner mehr essen.“ Da steht zu befürchten, dass beim Festmahl fürchterlich geschlungen wird.
Und auch die Königsfamilie beneiden wir nicht um das bevorstehende Ereignis. Nicht nur, dass die arme Kate immer dünner wird, auf Kleidergröße XXS geschrumpft ist und sich ihr Brautkleid, wenn das so weitergeht, aus der Kinderabteilung von H&M liefern lassen muss. Es tauchen auch, wie Bild reportiert, „immer mehr peinliche Verwandte“ Kates auf – jene junge Dame etwa, die das Blatt als „Sex-Ferkel“ vorstellt: Katrina Darling, 20, die offenbar wirklich so heißt, zeigt sich als Strip-Tänzerin gern im Schweinchenkostüm mit Rüssel und Ringelschwanz – ein Angebot für alle, denen Miss Piggys Auftritt immer zu zugeknöpft war. Mrs Darling soll indes weder zu den Gästen der Feier zählen noch zum Unterhaltungsprogramm.
Pocher, der Reste-Esser?
Ärger gab es zudem um 50.000 Porzellanteller, die man mit den Initialen Williams und Catherines versehen hatte, bis jemand die anrüchige Konnotation der Buchstabenkombination bemerkte. Laut Neuem Blatt wurden die Teller vernichtet, was wir für Verschwendung halten: Als edle Behältnisse für Trinkgeld wären sie für Sanitärunternehmer ideal gewesen. Leider fällt von dort der Übergang nicht schwer zu den Ehepaaren Becker und Pocher, die einander mit Begriffen bedenken, die wir hier zur Osterzeit unmöglich wiedergeben können.
Nachdem der stets subtile Spaßvogel Oliver Pocher im Radio Boris Becker mit etwas verglich, das am Ende des menschlichen Stoffwechsels steht, entgegnete Beckers Gattin Lilly auf Twitter: „Ich glaube, Oliver ist immer noch sauer auf Boris, weil er zuerst was mit Alessandra hatte. Wie schmeckt es, Reste zu essen?“ Es folgt ein Wort, das wir wiederum zensieren müssen. Boris selbst immerhin gratulierte den Pochers ganz freundlich zu den Zwillingen, die sie erwarten. Damit hätte das junge Paar dann auch schon drei Kinder, während Becker, sofern wir uns nicht verzählt haben, deren vier zeugte: Womöglich steckt auch hier wieder ein Wettstreit dahinter, allerdings ein äußerst fruchtbarer.
Karels Gott-Komplex
Zwei Kinder, zwei und vier Jahre jung, hat Karel Gott, 71, mit seiner Ivana, 35. Dem Neuen Blatt gibt der Sänger ein denkwürdiges Interview über seine Ehe: „Ist Ivana Ihre große Liebe?“ – „Große? Ja, wir leben seit zehn Jahren zusammen.“ – „Also ist sie Ihre Traumfrau?“ – „Ähm . . . ich habe mich auch verändert. Ich war früher so ein richtig freier Mann.“ Was sich noch nicht wirklich liest wie eine Liebeserklärung, wird dann doch zu einer, allerdings zu einer von Karel Gott an sich selbst.
Er habe von Frauen bewundert werden wollen, so Gott: „Wer nicht? Glauben Sie, dass das hier Menschen mit Komplexen machen? Das Publikum spürt das. Da kommt ein Sieger, verdammt noch mal! Wieso sollen wir immer so brav tun?“ Kommt Ihnen der Tonfall, das Vokabular auch so vertraut vor? Genau: Ganz ähnlich hat sich Charlie Sheen angehört, bevor er komplett irre wurde und seine „Torpedo der Wahrheit“-Tour startete. Von Karel Gott, den wir längst abgeschrieben hatten, scheint also noch einiges zu erwarten zu sein.
„Günther Bauch“
Wobei er zweifellos recht hat mit der Feststellung, dass manche Berufe aufs weibliche Geschlecht anziehender wirken als andere: „Als Elektro-Installateur lief das nicht so glatt.“ Auch Boxer kommen bei Frauen erstaunlich gut an, weshalb Vitali Klitschko, 39, in Gala ein Selbstbewusstsein demonstriert, das es mit dem Karel Gotts problemlos aufnehmen kann: „Ich bin, ehrlich gesagt, zu überzeugt von mir selbst, um eifersüchtig zu sein. Ich weiß, meine Frau kann keinen besseren Mann als mich auf der Welt finden. Ich bin der beste der Welt.“ Während man darüber gewiss streiten kann, klingt völlig einleuchtend, was er dann hinzufügt: „Außerdem will sich wahrscheinlich kein Mann dem Risiko aussetzen, mich zum Feind zu haben.“
Ebenfalls gefürchtet, und zwar als Gegendarstellungskönig, ist bei den bunten Blättern Günther Jauch, dem sich trotzdem auch diese Woche eine Titelstory widmet: „Sorgen um seine Gesundheit – Schmeckt ihm sein eigener Wein zu gut?“, raunt Freizeitspass. Stellt die Schlagzeile den Jungwinzer indirekt unter Alkoholikerverdacht, sorgt man sich im Heftinneren lediglich um dessen Körpergewicht: Der Moderator, bei dem „sich deutlich ein Wohlstandsbauch“ wölbe, werde von Kollegen scherzhaft „Günther Bauch“ genannt. Da sind wir gespannt, ob Herr Bauch, Pardon, Jauch auch in diesem Fall wieder vor Gericht geht – oder vielleicht lieber mal ins Fitnessstudio.
Die Welt des Boulevards
Jörg Thomann Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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