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Herzblatt-Geschichten Da bin ich auch mal frech

 ·  Angela Merkel führe ein „unbekanntes Doppelleben“, berichtet Das Neue Blatt. So auch Til Schweiger, der neben seiner Karriere als Schauspieler auch philosophiert: „Glaubt an das, an das ihr glaubt.“

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Die Europaschlacht ist geschlagen, gewonnen hat, wie jetzt alle immer schreiben, „Merkozy“ („Sarkel“ schreibt keiner, klingt aber auch bescheuert). Wieder hat sich die Kanzlerin kühl kalkulierend gezeigt, obwohl sie laut Neuem Blatt ein „unbekanntes Doppelleben“ führt. Das bezieht sich auf eine Story im Spiegel, der recherchiert hat, ob Merkel auch mal weine - eine Frage, die ein Regierungssprecher tatsächlich, wenn auch eigenwillig, beantwortet hat: „Es gibt das gesamte Spektrum emotionaler Ausdrucksweise.“

Glücklich das Land, das keine anderen Sorgen kennt als emotionale Ausdrucksweisen seiner Kanzlerin. Dabei ist für Gefühle an unserer Staatsspitze doch der Präsident zuständig, der seine Frau auf dem Presseball so innig gebusselt hat, dass eine Benimmexpertin in Frau im Spiegel ein „Zuviel des Guten“ attestiert. Wir aber finden das rührend und sind sicher, dass sich Wulff auch öffentlicher Tränen nicht schämen würde, wenn es mit Bettina mal nicht so gut läuft.

„Da wird ganz geschickt gearbeitet“

Die Schweden müssen neidisch aufs deutsche Präsidentenglück schauen. Ihr König hat derart abgewirtschaftet, dass bei einer Charity-Auktion, wie Frau im Spiegel weiß, sein Foto lumpige 110 Euro einbrachte; für Tochter Victoria wurden 13.000 Euro gezahlt. Einen gewissen Marktwert aber hat er noch immer, soll es laut Bunte doch „eine Internetseite geben, auf der man den König für 2,90 Euro pro Minute bewundern kann - angeblich in sehr intimen Posen“. Dafür freilich würden wir keine fünf Cent ausgeben. Gebeichtet hat Carl Gustaf etwaige Sünden nicht, was Bunte zum Urteil veranlasst, er habe mit seiner „Antwort auf die Frage ‚Gibt es noch etwas, was Sie dem schwedischen Volk sagen wollen?‘ sein Volk glatt belogen“.

Das sehen wir anders: Ist doch logisch, dass er so etwas dem Volk nicht sagen will. Skandalös auch, was Volksmusik-Pate Karl Moik laut Bild bei „Markus Lanz“ über Stefan Mross und Stefanie Hertel sagte: Deren Manager „hat die beiden zusammengebracht und natürlich auch zur Ehe gebracht. Das ist ein Prozess, der geht über Jahre. Da wird ganz geschickt gearbeitet.“ Wie lang werden jetzt andere Musikantenpaare wie Florian Silbereisen und Helene Fischer, Marianne und Michael oder die Wildecker Herzbuben zusammenbleiben müssen, um jeglichen Verdacht zu zerstreuen?

Als Fake-Veranstaltung gilt vielen auch „Bauer sucht Frau“, obzwar da geheiratet wurde: „Bauer Josef (50) muss sich immer noch kneifen: 48 Jahre war er allein, dann wirbelte Thailänderin Narumol (48) in sein Leben“, so Das neue Blatt. Wir wussten ja, dass es hart ist auf dem Lande, aber dass sich schon Zweijährige auf Freiersfüße begeben müssen, um eine abzukriegen: traurig. In den festen Händen Hubert Burdas ist Maria Furtwängler, berufsbedingt bisweilen in anderen. Mit Frau im Spiegel spricht sie über Liebesszenen: „Ich sage vorher meinem Partner genau, wo und wie er mich anfassen darf.“ Als Mann ist man für so klare Vorgaben dankbar, man kommt ja so leicht durcheinander.

Sich selbst zu helfen weiß Ossi-Urgewalt Achim Mentzel: Gattin Brigitte kauft er „gerne was Schickes zum Anziehen. Da bin ich auch mal frech und lasse Verkäuferinnen in Boutiquen, die ungefähr die Figur von meiner Gitti haben, Klamotten anprobieren“, so Mentzel im Echo der Frau. Ob das auch bei Dessous klappt? Und ob Gitti das genauso macht? Verkäufer mit Achims Figur dürften freilich schwer zu finden sein.

Soziales Pflichtjahr für Philosophen?

Echt gemein übrigens, Bunte, wie du die Besetzung des Films „Happy New Year“ aufzählst: „Robert De Niro, Halle Berry, Ashton Kutcher, Sarah Jessica Parker, 13 weitere Topschauspieler - und Til Schweiger!“ Hoffentlich nimmt sich Til die Ausgrenzung nicht so zu Herzen, dass er Wein mit Medikamenten mischt wie damals, als ihm, wie Frau im Spiegel berichtet, der „Querdenker-Ehrenpreis“ verliehen wurde. Auf der Bühne gab der Leertrinker und Verquerdenker dann Weisheiten von sich wie: „Glaubt an das, an das ihr glaubt.“

Hätte Schweiger geschwiegen, wäre er Philosoph geblieben. Einer wie Richard David Precht, der aber auch lieber redet. Mit seiner Idee eines sozialen Pflichtjahrs für Rentner zieht er die Wut der Bild-Zeitung auf sich. „Sie geschniegelter, hübscher Klugscheißer-Philosoph, glaube ich, haben niemals gearbeitet“, schäumt Franz Josef Wagner, der Precht auch dessen gepflegtes Haar und die Klavierspieler-Hände vorhält - alles Dinge, die er, Wagner, selbst nicht hat. Precht in die Produktion also? Soziales Pflichtjahr für Philosophen?

Noch längst keine Rentnerin ist das 80 Jahre alte Model Carmen Dell’Orefice, das Frau im Spiegel ein Interview gibt. Die Nachteile eines Models ihres Alters? „Mein Bart! Ich muss ihn jeden Tag zupfen.“ Auf die Frage, ob sie schon als Mädchen Model werden wollte, entgegnet sie: „Mein liebes Kind, nach dem Krieg gab es den Beruf noch gar nicht. Da konnten Sie als Frau entweder Lehrerin, Schauspielerin oder Hure werden.“

Wer eine Mutter oder Großmutter aus Frau Dell’Orefices Generation hat, der kann sie ja mal fragen, ob sie Lehrerin oder Schauspielerin war. Falls nicht, dann weiß er nun Bescheid.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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