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Herzblatt-Geschichten Christiansen gedopt!

22.07.2007 ·  Wer freut sich allabendlich über helle „Orangenschnitzel“? Bei wem müssten mal ein paar Teile gewechselt werden? Und wer mag es, hinter verschlossenen Türen nackt herumzulaufen? Diese und andere Fragen beantworten die neuen Herzblatt-Geschichten.

Von Anke Schipp
Kolumne Bilder (9) Lesermeinungen (5)

Der Sommer ist für den Boulevard eine fiese Jahreszeit. So gut wie keine Rosenkriege, Scheidungen werden auf den Herbst verschoben, überall glückliche Paare, die sich am Strand gegenseitig mit Sonnencreme einschmieren oder wie träge Flusspferde auf den Decks ihrer Yachten dösen. Das macht selbst ausgebuffte Profis wie Paul Sahner mürbe.

Unter der Sonne von Capri ist er zum Schmuse-Reporter geworden und hat für Bunte weichgespülte Zitate der schwangeren Kristall-Erbin Fiona Swarovski mitgebracht, die nur auf eine Überdosis Hormone zurückzuführen sind: Sie schwärmt von dem Mond, der allabendlich wie ein „Orangenschnitzel“ über dem Meer aufgehe und so hell scheine, „dass du glaubst, die Straße mit Diamanten, die er auf das Wasser zeichnet, gehört allein dir“.

Letztmals so glücklich mit der ersten Kugel Vanilleeis

Ähnlich benebelt scheint die mit Eigen-Endorphinen gedopte Sabine Christiansen zu sein. Bei der Berliner Fashion Week zeigte sie sich mit ihrem neuen Freund und im Paris-Hilton-Look. Sie blickte so trunken vor Glück in die Kameras, als hinge der ganze Himmel voller Orangenschnitzel. Kein Foto, auf dem sie nicht ihren Jeans-Hersteller Norbert Medus befummelte. Revue gestand sie: „Ich bin sehr, sehr glücklich. Ich glaube, das letzte Mal war ich so glücklich, als ich meine erste Kugel Vanilleeis gegessen habe.“

Die Talk-Lady scheint zum Teenager mutiert zu sein, und wir stellen uns die Frage, ob die beiden sich vielleicht beim Flaschendrehen auf einer Flatrate-Party kennengelernt haben. Doch eigentlich machen wir uns ernsthaft Sorgen, schließlich haben wir im Archiv noch einmal nachgelesen, wie eiskalt unsere Talk-Lady seinerzeit von ihrem Mann verlassen wurde und fortan mir ihrem Friseur in Urlaub fahren musste. Skeptisch stimmt uns nämlich, wie wenig leidenschaftlich der französische Kavalier von unserer Sabine spricht: „Sie ist eine meiner besten Kundinnen.“ Im nächsten Jahr will er einen Flagship-Store in Berlin eröffnen. Wir befürchten, bald diese Schlagzeile lesen zu müssen: „Französischer Jeans-Hersteller benutzte Talk-Masterin, um den deutschen Markt zu erobern.“

„Kein Lippenstift, kein Rouge, keine Mascara“

Denn leider kennen wir die hässlichen Seiten der Liebe zu gut, Anette F. wird ja auch einmal Horst Seehofer geküsst und sich an ihr erstes Vanilleeis erinnert haben. Jetzt aber muss sie sich fühlen wie eine Diabetikerin. Lange haben wir uns gefragt, wie Anette F. wohl aussieht. Revue hat sie zu Gesicht bekommen und berichtet die ungeschminkte Wahrheit: „Sie hüllt sich in Schwarz. Mitten im Juli. Schwarze Hosen, schwarze Jacke. Im Gesicht ist sie schneeweiß. Kein Lippenstift, kein Rouge, keine Mascara.“

Das lässt keinen kalt. Auch nicht Armin Zipzer, Mitglied der Revue-Chefredaktion. Er fordert, Seehofer in eine Kfz-Werkstatt zu bringen: „Bei ihm müssten ein paar Teile gewechselt werden. Die Teile des Herzens, die zuständig sind für Liebe und Treue. Und die Teile seines Kopfes, die zuständig sind für Anstand und Verantwortung.“ Aber was bleibt dann noch übrig? Die freundliche Mimik des Herrn Seehofer vielleicht? Aber auch da kennt Zipzer keine Gnade: „Knipst dieses Dauergrinsen aus!“

„Michael steckt voller Elan und Schaffenskraft“

Den Job hat das ZDF bei Marianne und Michael übernommen, dem sympathischen Volksmusik-Duo. Ihr Vertrag ist nicht verlängert worden: zu alt! Das Goldene Blatt will das nicht hinnehmen und ruft zur Kampfabstimmung auf - schreiben Sie an den Programmchef! Schließlich haben sie das Ehepaar einem Fitness-Test unterzogen und herausgefunden: „Jeder weiß, wie fit und aktiv Marianne ist. Wie glockenklar ihre Stimme, wie ansteckend ihre gute Laune. Auch Ehemann Michael steckt voller Elan und Schaffenskraft.“

Aber leider ist das der Lauf der Dinge, liebes Goldene Blatt, überall werden die Staffeln übergeben. Beispiel Bayreuth. Dort wird möglicherweise bald die junge Katharina Wagner (29) das Sagen haben. Aber noch muss sie sich einen Namen machen und klagt in Gala: „Ich werde immer wieder mit Wagner Pizza verwechselt.“

Statt Orangenschnitzeln nur dunkle, graue Wolken

Ähnlich hart trifft es Victoria und David Beckham, die in Amerika verzweifelt um Aufmerksamkeit kämpfen. Die Doku-Soap „Victoria Beckham: Coming to America“, eigentlich als Serie geplant, wurde von NBC auf eine Stunde zusammengekürzt, obwohl David Beckham vielversprechend angekündigt hatte: „Wir lieben es, abends die Türen zu verschließen und nur noch nackt herumzulaufen.“

Weniger sexy dürfte es hinter den Türen von Downing Street 10 zugehen, dort residiert seit kurzem das Ehepaar Brown mit dem Glamourfaktor einer Büroklammer. Der Guardian vergleicht Sarah Brown mit ihrer Vorgängerin wenig schmeichelhaft: „Der Wechsel der beiden Damen ist ein wenig so, als setze sich in das Körbchen eines überdrehten Chihuahua plötzlich ein ausgeglichener, gut abgerichteter Schäferhund.“ Den Sommer verbringen Mr. und Mrs. Brown vermutlich in ihrer schottischen Heimat. Keine Bikinibilder, keine Yacht - und statt Orangenschnitzeln nur dunkle, graue Wolken.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.07.2007, Nr. 29 / Seite 52
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Jahrgang 1966, Redakteurin im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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