09.07.2007 · Was eigentlich macht Doris Schröder-Köpf? Gehören ältere Herren aufs Land oder besser in die Stadt? Und wie nennt man heute jene früher als „Partygirls“ bezeichneten Damen, die sich mit bekannten Männern schmücken? Antworten in den Herzblatt-Geschichten.
Von Jörg ThomannVon wegen, in der Klatschpresse steht nur Blödsinn drin. Manches ist einfach wahr, etwa unser Horoskop. „Die Ereignisse überschlagen sich. Im Job kommt eine neue Aufgabe auf Sie zu, die viel Spaß macht“, prophezeit uns 7 Tage, und das Goldene Blatt sekundiert: „Das lange Warten und Darben hat nun endlich ein Ende. Diese Woche wendet sich das Blatt, und es tun sich ganz neue Chancen auf.“ Wie recht sie beide haben - dürfen wir doch endlich wieder die Herzblätter durchstöbern. Sorgen macht uns nur unser Horoskop aus dem Neuen Blatt: „Was vor Ihnen liegt, scheint unüberwindlich.“ Unser Bunte-Horoskop allerdings meint: „Keine Angst vor einer Blamage: Kritiker sollen es erst einmal besser machen (und können Ihnen den Buckel runterrutschen).“ Besser, liebe Bunte, hätten wir es selbst nicht ausdrücken können.
Und auch dies ein schöner Bunte-Ausdruck: Nicht mehr „Partygirls“, sondern „Alphajägerinnen“ nennt sie jene jungen Damen, die ihre Karriere an der Seite eines bekannten Mannes beginnen. Zum Beispiel Sara Schätzl (19), die den ganz normalen Weg einer Frau eingeschlagen hat, welche als Berufswunsch „Moderatorin und Schauspielerin“ angibt: Sie brach die Schule ab, sie ließ Nacktfotos machen, sie suchte „Prominentendiscos“ auf. Und sie ließ sich dabei erwischen, wie sie neben dem frisch von der Gattin verlassenen Schauspieler Bernd Herzsprung (65) im Bademantel auf der Sonnenliege döste (die „Herzblatt-Geschichten“ berichteten). Zum Wesen der Alphajägerin gehört, dass sie ihre Beute bald fallenlässt. „Der Mann ist dreimal so alt wie ich“, sagt Schätzl heute hart über Herzsprung. „Das ist doch utopisch, dass da was zwischen uns läuft.“
Tosen bei Doris
Von der Alphajägerin kommen wir auf Doris Schröder-Köpf, doch einzig deshalb, weil der Artikel über sie nur ein paar Seiten später folgt. „Was macht eigentlich Doris?“, fragt seine Überschrift, und Schröder-Freund Klaus Uwe Benneter antwortet: „Sie wird mit der Erziehung der Kinder beschäftigt sein.“ Die Bunte hat das verifiziert: „Ruft man die Gattin des Ex-Kanzlers in Hannover an, wo die Schröders wohnen, ist im Hintergrund tosendes Kindergeschrei zu hören.“ So tosend offenbar, dass nicht zu verstehen war, was Doris gesagt hat; ein Zitat von ihr findet sich im Bunte-Text nicht.
Chris Andrews (67) - den kennen Sie nicht? Es ist, laut Goldenem Blatt, der „Weltstar aus England“ - der nicht dreimal, sondern nur gut doppelt so alt ist wie seine Frau Alexandra (31), der zuliebe er jetzt von London nach Fischerhude bei Bremen zieht. Ein Liebesnest auf dem Lande sei ihr größter Traum, lassen sie wissen. Sängerin Helen Schneider und ihr Lebensgefährte George hingegen ziehen von Südfrankreich nach Berlin, weil sich Frau Schneider auf dem Lande langweilte, wie sie Echo der Frau mitteilt. „Außerdem ist George viel älter als ich, über 70, und braucht die Großstadt-Medizin.“ Da sollte sich auch Chris Andrews (67) das mit Fischerhude besser noch einmal überlegen.
Armer Al Bano
Das Echo der Frau wirbt übrigens auch für eine ganz scheußliche „Lady Diana Puppe“, 46 Zentimeter groß, mit klimpernden Augen und einer Perücke aus Echthaar, freilich nicht von der Prinzessin selbst. Das Stück - die Auflage ist auf immer noch zu viele 999 limitiert - kostet 189 Euro und dürfte somit für Al Bano viel zu teuer sein. Der Sänger (64), der schon seit langem keine Power mehr hat, klagt im Neuen Blatt über seine Finanznöte: „Ich muss für alle zahlen. Den Unterhalt, den ich abgeben muss, verdiene ich allein mit meiner Musik. Ich kann mir deshalb noch nicht mal eine Halsentzündung leisten.“ Dann, so können wir ihm nur zurufen, verzichten Sie doch einfach darauf.
Oder Sie zaubern sich ein wenig Geld. „Auch Sie haben das Zeug zur Magierin - wir verraten Ihnen, wie es geht!“, verspricht eine Echo der Frau-Serie, die aber zunächst beim Basispaket anfängt, nämlich wie wir im Kraftstrom des Mondes schwimmen: „Pflanzen sollten Sie als erfahrene Magierin nie bei zunehmendem oder gar bei Vollmond schneiden, sie verlieren dann zu viel Säfte.“ Da haben wir sofort mit der Schnippelei aufgehört und im Internet auf den Mondkalender geschaut. Dort ist zu erfahren, dass der heutige Sonntag im Zeichen des Widders steht und insofern günstig ist für „Augengymnastik“, „Hornhaut entfernen“ und „Operation Geschlechtsorgane“. Aus dem häuslichen Bereich empfehlen sich „Marmelade einkochen“ oder „Holztreppe einbauen“. Doch nicht nur der Mond, auch die Oma steckt voller Weisheiten. Zumindest die von Wladimir Klitschko, die er in der Bunten zitiert: „Meine Großmutter hat gesagt: Ein Mann muss nicht hübsch sein. Es reicht, wenn er ein bisschen besser als ein Affe aussieht.“ Ein Kriterium, das Klitschko heute verfehlen könnte, hat er doch in der Nacht einen Boxkampf absolviert.
Wir aber wollen, wo unsere Sterne so günstig stehen, uns nun aufmachen zu neuen Taten. Mal schauen, ob wir nicht irgendwo eine Holztreppe einbauen können.
Die Welt des Boulevards
Jörg Thomann Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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