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Herzblatt-Geschichten Ballack in der „Rappelkiste“

15.08.2010 ·  Wer bei „Kultblondine“ Daniela Katzenberger einbrechen will, sollte damit noch ein halbes Jahr warten. Danach gilt es, sich an Tapeten zu orientieren. Wenn Guido Westerwelle hingegen navigiert, kann mitunter ein ganzes Krisengebiet verschwinden.

Von Jörg Thomann
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Glücklich ist das Herzblattgewerbe, denn Nachwuchssorgen kennt es nicht: Das Personal, über das sich berichten lässt, wächst stetig nach. Selbst der Abschied von Lothar Matthäus, der nun tatsächlich auswandern will - freilich nicht, wie hier zuletzt nahegelegt, nach Nordkorea, sondern nach England -, sollte zu verkraften sein.

So durften wir in dieser Woche Daniela Katzenberger kennenlernen, für Bunte „die neue Kultblondine aus dem Fernsehen“, die mit ihren 23 Jahren auf eine beachtliche Dokusoap-Karriere zurückblickt und dafür einiges investiert hat, unter anderem in „Doppel-D-Silikonbrüste (350 Gramm auf jeder Seite à 2500 Euro)“. Bunte sieht in Katzenberger eine neue Verona Pooth, und zumindest sprachlich haut das hin: „Mathe fand ich immer ganz schlimm, da hatte ich nie besser als 'ne Vier“, bekennt das Nachwuchstalent im Interview.

Guido im Krisenkeller

Für Politik, etwa für die Bundespräsidentenwahl, interessiert sich Daniela Katzenberger nicht besonders („Joachim wen?“). Auch der aus der Bunten bekannte Karl-Theodor zu Guttenberg sagt ihr wenig: „Nee, der ist zu alt. Der könnte ja mein Papa sein.“ - „Na ja, der ist 38.“ - „Ach so, vielleicht verwechsele ich den auch.“ Dafür lässt sie uns wissen, dass sie auf den Kosenamen „Vulvel“ hört, weil einst der Arzt ihrer schwangeren Mutter mitgeteilt habe, dass man schon deutlich die Vulva sehe, womit die Mutter aber nichts habe anfangen können und, tja, so war das also. Relevantere Informationen hat sie auch zu bieten: „Ich habe mein Geld da, wo ich es sehen kann, am liebsten im Schuhschrank und unterm Kopfkissen.“ Einen Tresor besitzt sie ebenfalls: „Der ist in der Wand drin, sieht aus wie Tapete.“ Vielen Dank dafür, nun braucht man gar kein Google Street View mehr. Allen Einbrechern raten wir gleichwohl, mindestens noch ein halbes Jahr zu warten; bis dahin dürfte Frau Katzenberger Millionärin sein.

Die Seiten vor dem Katzenberger-Porträt widmet Bunte Guido Westerwelle, dem alten Kultblonden aus dem Fernsehen. Das Gespräch mit ihm ist nur an einer Stelle originell („Aber ich habe auch immer wieder große Erfolge feiern dürfen und viel Zustimmung erfahren“), bemerkenswert jedoch ist das Foto: Westerwelle sitzt im „Krisenkeller“ des Außenministeriums auf einem Schreibtisch, auf dem eine Landkarte ausgebreitet ist. Man erkennt, dass es eine des Sudan ist, und Westerwelles Hand verdeckt die Stelle, wo sich Darfur befindet. Schwupps, ist eine Krisenregion verschwunden: Wieder ein großer Erfolg für unseren Außenminister.

Immer dieser Michel

Eine Schlagzeile, die uns an eine Kinderserie erinnert, hat sich Gala ausgedacht: „Vicky und ihr starker Mann“ steht auf dem Titelbild mit Prinzessin Victoria und ihrem Gatten, wahrscheinlich weil beide als Schweden ja praktisch auch Wikinger sind. Hübsch fänden wir es, ließe sich Gala noch häufiger vom Kinderfernsehen inspirieren, etwa bei Artikeln über das Insel-Lokal Sansibar („Ferien auf Syltkrokan“), den Volksmusikanten Stefan Mross („Herr Mrossi sucht das Glück“), Verona Pooth („Neues aus Feldbusch“) oder die soeben vollzogene Hochzeit von Robbie Williams („Willi will's wissen“).

Und dann ist da noch die von Bunte ausführlich ausgebreitete Geschichte um Michael Ballack, seinen Profi-Kollegen Christian Lell und dessen schwangere Freundin Daniela (nicht Katzenberger!), welcher, wie Lell andeutet, Ballack allzu nahe gekommen sein soll. So eine unschöne Sache möchte man gar nicht mit Kindersendungs-Titeln verniedlichen, obgleich uns gerade hierzu allerlei einfiele: „Immer dieser Michel“ etwa oder „Lellek und Ballak“. Oder auch „Rappelkiste“.

Rosen für einen Unbekannten

Wie eine Kinderserie klingt auch „Anton Zetterholm“, aber der Musical-Darsteller, den uns Echo der Frau vorstellt, heißt wirklich so. Er ist ein Jungdynamiker, der prahlt: „Ich muss immer alles auf einmal machen. Ich mach beim Zähneputzen Kniebeugen, sonst wäre die Zeit einfach verschenkt.“ Bei welcher Beschäftigung er wohl Liegestütze macht? Wir selbst machen übrigens auch oft mehrere Sachen auf einmal, so drehen wir beim Arbeiten gern Däumchen.

Eine Nachricht, die „zurzeit ganz England“ erschüttert, verkündet Das Goldene Blatt: „Prinz William - Hochzeit geplatzt!“ Auf dem Beweisfoto hält ein in der Tat ziemlich betreten blickender William eine rote Rose in der Hand: „Der Prinz ist verzweifelt, dass sein Liebesglück der Vergangenheit angehört.“ Das Bild wirkt so, als hätte der Rosenkavalier gerade eine Abfuhr erhalten. Wir haben rasch mal im Internet nachgeschaut und können Entwarnung geben: Das Foto ist vom Januar, als William in Neuseeland ein Kriegsdenkmal besuchte. Die Rose legte er am Grab des Unbekannten Soldaten nieder.

Der aktuelle Mode-Tipp kommt von der heißen Megan Fox (24), die oft in engen, bauchfreien T-Shirts mit Star-Wars-Motiven auftritt. Gala verrät nun und zeigt im Bilde, woher sie die Stücke hat: aus dem Schrank ihres achtjährigen Stiefsohns Kassius. Davon haben wir uns gleich anregen lassen und unserer Tochter (fünfeinhalb) ihr coolstes Hello-Kitty-T-Shirt stibitzt. Bei uns sitzt es extrem bauchfrei. Kann uns mal bitte jemand heraushelfen?

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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