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Herzblatt-Geschichten Alberts heiliger Eid

24.07.2005 ·  Von der Moral in Monaco, den Parteispielen der Modeschöpfer und Friseure bis hin zu neuen Erkenntnissen über den Hautcrememarkt. Neues aus der Welt der Promis. Die aktuellen „Herzblatt“-Geschichten.

Von Patrick Bahners
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Unverzeihlich, daß wir diesen Abend verpaßt haben! In letzter Minute hatten wir abgesagt und sind dann doch lieber zur Hautkrebs-Benefiz-Gala mit Uschi Glas gegangen. Und jetzt berichtet Udo Walz der Bunten: „Wolfgang Joop hatte mal ein Dinner für Westerwelle gegeben, der an diesem Abend fantastische Sachen sagte.“

Was mag Joop wohl dem Lachsschaumsüppchen beigegeben haben? Wenn wir Westerwelle erleben, sagt er nur Sachen wie: „Die rot-grünen Socken sind gezählt.“ Oder er fordert den halbierten Mehrwertsteuersatz für Reitstiefel und Gleitcreme. Da ist ja noch interessanter, was Udo Jürgens am Ende eines Arbeitstages nach Ablegen des weißen Bademantels von sich gibt. Über den gereiften Schlagersänger steht im „Medizinreport“ der Bunten ein Satz mit drei Wörtern: „Udo Jürgens schnarcht.“ Die EU-Gesundheitsminister warnen.

Die Moral in Monaco

Sollte auch dem Prinzen von Wales im Schlaf „Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch“ entfahren, dann bekommen Mitreisende im Flugzeug davon zum Glück nichts mit. Prinz Charles hat immer eine Luftmatratze dabei, die er im Mittelgang ausbreitet, wenn er Lust auf ein Nickerchen hat. Für das fürstliche Schläferstündchen wird die ganze First Class gesperrt. Laut der Bunten ist dieses feudale Platzhirschgehabe wieder „in“.

Nur beim Vetter in Monaco wird Charles nicht mehr landen können. Albert, dreißigster Fürst aus dem Geschlecht der Grimaldis, legte nämlich, Echo der Frau kann's beschwören, am Grab seines Vaters den „heiligen Schwur“ ab, „daß die Moral in Monaco wieder großgeschrieben wird“. Sogar der monegassische Kultusminister hat schon zugestimmt. Und auch du, Boris Becker, solltest dir aufschreiben, was der Sportsfreund gesagt hat, der mit deinen Steuern die Trinkgelder für Stephanies Bodyguards zahlt. „Böser Krach mit Barbara“: Schlagzeilen wie in Das neue Blatt wird Albert auch nicht lieber sehen als die Fotostrecke in der Bunten, auf der sich seine Ex-Geliebte Nicole Coste, die in Togo Tossoupke, deutsch: Rippchen, hieß, „in einem Salon, der an das fürstliche Leben in Monaco erinnert“, als Model präsentiert, wobei sie immerhin ihre Rippchen züchtig verhüllt läßt.

Der Wink von Walz an Westerwelle

Wo Albert schon beim Schwören war, soll er dem toten Papa gleich noch versprochen haben, „daß es blühende Landschaften gibt“ (Beratervertrag mit Kohl liegt schon beim Notar in Liechtenstein) „und Menschen, die endlich wieder stolz auf ihre Heimat sind“. Geht der Peter Hahne unter den Monarchen mit gutem Beispiel voran? Was für Das neue Blatt noch eine Frage ist, bejahen wir aus vollem Herzen. Gestern galt Albert noch als schwul, heute hat er den ersten Bastard anerkannt, und zwei weitere Mätressen ohne Titel haben die Fotos ihres Nachwuchses bei der Neuen Revue schon eingereicht. Von einer solchen Neuerfindung kann Westerwelle nicht einmal träumen!

Und damit zurück zu Udo Walz, dem König der Friseure. Er schneidet Schröder die Haare und Frau Merkel und hätte Horst Köhler ein Vorbild sein sollen, der leider weder dem einen noch der anderen den Kopf gewaschen hat. Wir haben die Wahl, hat der Bundespräsident gesagt, und Udo Walz ist jetzt der CDU beigetreten, obwohl er um ein Haar Freidemokrat geworden wäre an diesem Abend, als Westerwelle fantastische Sachen sagte. „Ich wollte mehr wissen, bekundete dem Guido auch mein Interesse an einem Parteieintritt. Er hat den Wink nicht verstanden.“ Edmund Stoiber mag beruhigt sein: Der Guido verkehrt nicht in Leichtmatrosenkneipen, wo fürs Einverständnis ein Wink genügt.

Keine Genesung des Hautcrememarkts

Wer verweigert sich der großen Koalition im Salon von Udo Walz? Maria Hellwig (85). Neue Welt liefert den Fotobeweis: „Bei Margots Frisur-Talenten spart Maria sogar den Friseur.“ Nach einem Bauchmuskelriß unternimmt die Künstlerin schon wieder erste Jodelversuche im Garten. Wenn „die Mami nichts von ihrer Vitalität verloren hat“, wie Margot Hellwig (64) wissen läßt, wie soll es dann je zur Genesung des Hautcrememarkts kommen? Wir werden immer älter, klagte Köhler. Wir sehen aber nicht danach aus.

Trotzdem will Claudine Wilde, wie Das neue Blatt erfuhr, eine Gesichts- und Körperpflegeserie herausbringen, die von Herbst an über einen Verkaufssender vertrieben wird. Wie das Verfassungsgericht den Eingang der Klage von Werner Schulz bestimmt kaum abwarten kann, so freut man sich bei der „Stiftung Warentest“ schon auf die Pröbchen der Schauspielerin.

Guidosan

Der wahre Test für die Verbraucherschützer kommt indes erst nach dem 18. September. Wenn Westerwelle den Posten des Staatsministers im Auswärtigen Amt unter Wolfgang Gerhardt ausgeschlagen hat, wird ihm nichts anderes mehr übrigbleiben, als sein Guidosan auf den Markt zu bringen.

Bis dahin wird er aber auf dem Flug von Tegel nach Köln/Bonn noch ein paarmal die erste Klasse absperren lassen. Das ist ja jetzt in.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.07.2005, Nr. 29 / Seite 54
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Jahrgang 1967, Redakteur im Feuilleton.

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