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Gruß aus Schlumpfhausen: Viktoria und Heiner Lauterbach. Bild: dpa

Herzblatt-Geschichten : Papa Schlumpf und der dicke Mops

Martin Walser ist mit 91 noch aktiv genug, um sich gegen die „Bunte“ zu wehren. Guido Maria Kretschmer hätte mit zwei Jahren gerne mehr Sport gemacht. Und Heiner Lauterbach ereilt zum 65. Geburtstag die Höchststrafe.

          Fische-Geborene wie wir erhalten in dieser schweren Woche etwas Aufmunterung durchs „Gala“-Horoskop: „Schönheitsplanet Venus verleiht Ihnen ein geradezu magnetisches Charisma“, dürfen wir lesen. „Kosmischer Tipp: Cheerleading? Synchronschwimmen? Teamsportarten steigern Ihre Laune.“ Einerseits ist es nett vom Kosmos, dass er auch mal Randsportarten bedenkt, andererseits würden wir beim Versuch, im Synchronschwimmen oder Cheerleading zu reüssieren, ganz gewiss einen Gutteil unseres magnetischen Charismas einbüßen.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Den Sport für sich entdeckt hat auch Guido Maria Kretschmer, der sich für seine Hochzeit im Herbst fitmachen möchte: „Ich habe seit kurzem einen Personal Trainer“, sagt er „Frau im Spiegel“. „Damit hätte ich schon vor 50 Jahren anfangen sollen.“ Seinerzeit war Kretschmer zwei und hatte fahrlässigerweise sein Hochzeitsfest noch nicht im Blick. Keinen Gedanken an seine siebte, achte oder neunte Hochzeit verschwendet offenbar Joschka Fischer, denn der, rügt „Bunte“, ist längst wieder „deutlich übergewichtig“ und geht nicht mehr joggen, wegen der Hüfte. Fischers einstiger Lauftrainer Herbert Steffny bereitet das Verdruss: „Sein Anblick tut mir weh. Joschka Fischer hat in seinem Buch geschrieben, dass er nie mehr ein dicker Mops wird, das hat er nicht durchgehalten.“ Hoffen wir, dass sich Fischer über diese Despektierlichkeit gegenüber einem Außenminister a. D. nicht allzu sehr mopst, pardon, grämt.

          Höchst aktiv hingegen ist, auch mit 91, Martin Walser: Kniebeugen, Spaziergänge, und „abends mache ich 40 Minuten selbstausgedachte Übungen“, berichtet Walser „Bunte“. Ja, wo andere Personal Trainer verpflichten oder auf sportwissenschaftliche Methoden vertrauen, denkt sich ein kreativer Geist wie Walser einfach Übungen aus. Ansonsten wehrt er sich im Interview gegen den Verdacht der „Altersgeilheit“ („Bunte“), um hernach zu konstatieren: „Die Wirtschaft beutet die weibliche Erscheinung aus. Wir sind von steilen Brüsten umgeben. Ein Bekannter meiner Romanfigur nennt diese Frauen ,Anmacharmee‘.“ Wohlgemerkt, nur ein Bekannter seiner Romanfigur, Walser selbst würde solche steilen, ähm, Thesen nie wagen.

          Harry und Meghan auf einem ihrer Verlobungsbilder: In der Phantasie der Klatschpresse droht ihnen Schlimmes.

          Jedenfalls können wir uns nun vorstellen, wie Walsers selbstausgedachte Übungen aussehen mögen: Slalomlauf um ausgestellte weibliche Erscheinungen, Selbstverteidigung gegen lüsterne Anmachsoldatinnen. Rainer Brüderle übrigens macht Walser zum „ehemaligen FDP-Chef“, was der nie war, aber auch das ist letztlich ja wieder Ausdruck der Kreativität.

          Eher einfallslos finden wir es, wie „Das neue Blatt“ noch im Jahr 2018 zu schreiben, Joachim Gauck und Daniela Schadt lebten in „wilder Ehe“. In wilder Ehe schließlich leben auch viele Verheiratete, manchmal aber auch in äußerst müder. Goldie Hawn meint im selben Heft zum Thema: „Mit jemandem ohne Trauschein zusammenzuleben ist wie, auf Zehenspitzen zu gehen. Es kann morgen zu Ende sein. Deshalb gibt man sich große Mühe.“ Verheiratete hingegen trampeln plattfüßig durch die Wohnung, ohne sich auch nur die Straßentreter auszuziehen.

          Den angehenden Eheleuten Harry und Meghan droht laut „Freizeit total“ Schlimmes: „Schock-Nachricht – Krebs-Drama – Zerplatzt der Traum vom Baby-Glück?“ Erkrankt freilich ist keiner der beiden, allerdings hätten mehrere Mitglieder der Königsfamilie mal an Darmkrebs gelitten, darunter Queen Mum, die sich „deswegen sogar einer sehr schweren Operation“ habe unterziehen müssen. Queen Mum starb 2002 im Alter von 101 Jahren. Traurig: Sämtliche Mitglieder der Königsfamilie müssen also damit rechnen, ihren 102. Geburtstag nicht zu erleben.

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          Gerade erst seinen Fünfundsechzigsten gefeiert hat Heiner Lauterbach, dem dafür, die Höchststrafe, in „Bild“ Norbert Körzdörfer gratulierte. „Sonne ergießt sich über den Starnberger See“, schreibt er. „Kühe kauen, Pferde grasen und Fahrräder überholen.“ Wen: die Kühe? Die Pferde? Körzdörfer? Lauterbach selbst „wartet und winkt vor dem weißen Bauernhaus – ein bisschen wie ,Papa Schlumpf‘ – mit grauem 5-Tage-Bart und Filzpantoffeln“. Papa Schlumpf ist ein Zwerg mit blauer Haut, weißem Vollbart und Zipfelmütze, der in einem Fliegenpilz wohnt, und falls jemand meint, Körzdörfer habe einen solchen Pilz geraucht – der Mann schreibt immer so.

          Und nicht nur Pilze können einen Rausch auslösen: „Als er – beschwipst mit Kaugummi – seine Frau Viktoria in einer Kneipe kennenlernte, hat er sich neu erfunden.“ Wie viele Kaugummis muss man für einen ordentlichen Schwips denn einwerfen? Und weiter im Text: „Lauterbach lächelt mit seinen Gletscher-Zähnen“, welche offenbar eiskalt sind oder schon weitgehend abgeschmolzen und auf jeden Fall etwas können, was bei anderen nur die Lippen hinkriegen: lächeln. Außerdem macht Lauterbach, der einstige Lebemann, nun viel Sport, wie Körzdörfer schreibt: „Raus an die Luft – zum Joggen und Überleben.“ Nach dem Motto: Schatz, ich bin mal eben draußen, eine Runde Überleben.

          Ebenfalls gesund lebt Status-Quo-Sänger Francis Rossi, der „Bild“ mitteilt: „Ich bin kein Trinker, kein Raucher. Ich bin gar nichts. Das ist scheiße langweilig.“ Nun, wenn das so ist, Herr Rossi: Dann fangen Sie doch einfach mit dem Rauchen und Trinken an.

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