02.04.2006 · Die Herzblatt-Geschichten über bellende Männer, Joschka Fischers Schmerbauch und warum es früher in Restaurants regelmäßig zu stehenden Ovationen für Prinz Frederic von Anhalt kam.
Von Peter LückemeierMänner, werden Sie gelegentlich von einer irren Lust getrieben, in wildes Bellen auszubrechen oder das Bein zu heben? Dann steht es möglicherweise schlecht um ihre Partnerschaft. Gelernt haben wir das aus dem stern. In einem Beitrag über Rache beschreibt das Blatt die Gefühle der Lektorin Claudia Seemann (36). Sie sitzt dann neben ihrem Mann und denkt: „Wohl bekomm's, das Hundefutter.“ Meist mischt sie ihm die Marke „Rinti“ mit der Geschmacksrichtung „Wild“ heimlich ins ungarische Gulasch, mit Innereien und Muskelfleisch. „Ich will Gerd ja gar nicht richtig schaden“, sagt sie, „es ist mehr eine klammheimliche Freude, ihm eins auszuwischen, ihm, der alles besser weiß, alles besser kann, der nichts oder nur wenig dabei findet, mich herabzusetzen.“
Ist das nicht furchtbar? Aber wie schön, daß diese fiese Methode noch nicht Schule gemacht hat. Joschka Fischers in Bunte gnadenlos abgebildeter Schmerbauch (der Ex-Außenminister soll inzwischen „etwa 130 Kilo“ wiegen) ist sicherlich vollkommen hundefutterfrei zustande gekommen. Und gottlob klappt auch die Ehe der betagten Schauspielerin Zsa Zsa Gabor (87) mit Prinz Frederic von Anhalt (61) offensichtlich aufs beste. Der adoptierte Adelige, ein geborener Saunaclub-Besitzer, hat das Herz auf dem rechten Fleck: „Manchmal lege ich heimlich eine DVD mit einem ihrer Filme ein und erzähle ihr dann: Guck mal, das Fernsehen bringt einen deiner Filme. Dann ist sie sehr glücklich.“
„Ich habe den Typen am Kragen gepackt“
Im übrigen kann der deutsche liberale Softi vom Prinzen noch viel lernen. Einmal beispielsweise, berichtet er in Revue, hatte in einem Restaurant jemand mit seiner Zsa Zsa geflirtet, Küßchen hier, Küßchen da. Das aber ließ sich der Rolexträger nicht bieten: „Ich habe den Typen am Kragen gepackt, über den Tisch gezogen und geschrien: Was soll das? Laß meine Frau in Ruhe! Dann habe ich meine Frau genommen und gesagt: Feierabend! Wir gehen jetzt nach Hause! Die Leute im Restaurant haben vor Begeisterung geklatscht.“ Wir aber wollen dem Prinzen für eine andere Äußerung Beifall zollen. Im Umgang mit Frauen darf der Mann nie langweilig sein: „Frauen schmeißen Langweiler entweder raus oder sie gehen fremd.“
Andererseits wird ein allzu offensives Vorgehen der Männer von manchen Frauen auch als nicht so angenehm empfunden. Senta Berger etwa beanstandet in ihren in Bild besprochenen Memoiren das Verhalten eines namentlich nicht genannten deutschen Filmproduzenten, der lieber Masseur hätte werden sollen. Sie war erst sechzehn, als er sagte: „Würden Sie sich bitte ausziehen, Senta, damit ich Ihre Figur begutachten kann.“ Als sie im Badeanzug vor ihm stand, wollte er mehr und keuchte wie von Sinnen: „Babyfett, Baby, Babyfett.“ Irre, oder? Jedenfalls schrie Senta, und der böse Babyfett-Fan ließ von ihr ab: „Zieh dich an, du blödes Stück. Du bist nichts für eine Karriere beim Film.“
„Rauchen finde ich ganz furchtbar“
Ob die junge, hübsche Französin Marie Cavallier (30) Karriere als dänische Prinzessin machen wird, ist unsicher. Ganz unbefangen hat die Freundin des Prinzen Joachim Interviews gegeben und unter anderem gesagt: „Rauchen finde ich ganz furchtbar.“ Leider aber ist die mögliche Schwiegermutter Königin Margrethe Kettenraucherin.
Ja, man sollte sein Wort sorgsam wägen. Wenn Silvio Berlusconi im stern mit den Worten zitiert wird „Nur Napoleon hat noch mehr getan als ich. Aber ich bin größer als er“, dann klingt das doch etwas eingebildet. Und wenn Der Spiegel Edmund Stoibers Wortfindungsschwierigkeiten aufs Korn nimmt (“in die gludernde Lot, in die gludernde Glut, in die lodernde Flut“) und den Beitrag mit „Gestammelte Werke“ überschreibt, dann ist das ja auch etwas spitz.
„Warum immer reiche Männer“
Na egal, interessanter ist es, wie die unterschiedlichen Blätter mit dem Umstand umgehen, daß Sabine Christiansen wieder einen neuen Freund gefunden hat, einen Jeans-Produzenten aus Paris (“Er hat Charme, Erfolg und Geld“). Revue fragt: „Ist der Jeans-König endlich der Richtige?“ Eine berechtigte Frage. Bild aber grummelt irgendwie vorwurfsvoll: „Sabine Christiansen - Warum immer reiche Männer?“ Na, hört mal, Leute von Bild, ihr wäret doch die ersten, die Frau Christiansen an den Pranger stellten, hätte sie was mit einem Kraftfahrzeugmechaniker, die Schlagzeile sehen wir doch schon vor uns: „Sabine Christiansen - diesmal will sie einen Kerl. Tagsüber Ölwechsel, abends Champagner neben der Talk-Lady.“
Ihnen aber, Männer, raten wir zu höchster Vorsicht vor Nachahmungstäterinnen. Seien Sie in der nächsten Zeit besonders lieb zu Ihrer Partnerin, zeigen Sie sich großzügig, spendieren Sie Blumen und Geschmeide, vor allem sagen Sie bitte um Himmels willen nichts Herabsetzendes. Sonst sind Sie reif für ein Gulasch mit „Rinti Bio + Geflügelherzen“.
Herrin und Hund
Thomas von Gottberg (tvg1)
- 02.04.2006, 19:17 Uhr
Herrin und Hund
norbert hoffmann (nobby56)
- 06.04.2006, 15:25 Uhr
Die Welt des Boulevards
Peter Lückemeier Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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