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Grande Dame von Hollywood: Helen Mirren findet die gesellschaftlichen Veränderungen, die die Filmwelt gerade überrollen, großartig. Bild: Reuters

Interview mit Helen Mirren : „Ich habe jeden Tag Erniedrigung erlebt“

  • -Aktualisiert am

In ihren neuen Film jagt die Schauspielerin Helen Mirren Geister. Ein Gespräch über Metaphysik, den amerikanischen Waffenkult, alltäglichen Sexismus und die eigenen Ängste.

          Frau Mirren, in Ihrem neuen Film spielen Sie die Witwe des Waffenherstellers William Winchester.Sarah Winchester lebt in einem großen Anwesen, in dem ihrem Empfinden nach auch die wütenden Geister der Opfer der Winchester- Gewehre hausen...

          Und Sie wollen mich jetzt, wie viele Ihrer Kollegen fragen, ob ich an Geister glaube?

          Nicht an Geister. Aber ich spreche zum Beispiel manchmal mit meiner verstorbenen Großmutter. Reden Sie mit ihren Vorfahren?

          Das ist interessant. Meine Mutter hat ihren Körper der Wissenschaft vermacht. Mein Vater wurde eingeäschert. Beide waren unreligiös. Es existiert kein Grab oder irgendetwas in der Art, was ich besuchen könnte, um mit ihnen zu sprechen.

          Vermissen Sie so einen Ort des Gedenkens?

          Nein, das finde ich nicht schlimm. Denn meine Eltern leben in meiner Erinnerung weiter. Und das ist alles, was ich brauche. Ich habe allerdings das Grab meiner Urgroßmutter in Russland besucht. Allein deswegen, weil es einem Wunder gleicht, dass wir es überhaupt gefunden haben. Und das war ein ganz besonderes Erlebnis für mich.

          Was haben Sie dort empfunden?

          All meine Verbindungen zu meiner russischen Herkunft waren eigentlich mein Leben lang verloren. Und als ich dann nach Russland gereist bin und dieses Grab auf einem sehr großen und sehr berühmten Friedhof in Moskau entdeckt hatte, war das ein ganz außergewöhnlicher Moment. Ich habe auch die Ländereien meiner Familie in Kuryanovo besucht, auf denen mein Großvater zur Welt gekommen und aufgewachsen ist. Es ist ein kleines Dorf, das kein Mensch kennt. Auch das hat mich tief berührt: dieselbe Luft zu atmen, die Düfte zu riechen, die er als Kind gerochen hat, denselben Wind auf der Haut zu spüren. Aber um noch einmal auf Ihre erste Frage zurückzukommen. Ich glaube, ich trage die Verbindung zu meinen verstorbenen Vorfahren immer in mir, wohin ich auch gehe. Und das natürlich nicht nur im spirituellen Sinne, sondern ganz konkret, in meiner DNA. Ich empfinde: Ich bin die Summe all der Familienmitglieder, die vor mir gelebt haben. Ich stelle mir das aber vor allem physisch, nicht metaphysisch vor.

          An die metaphysische Präsenz glauben Sie nicht?

          Ich habe das für mich noch nicht so genau ausformuliert. Aber doch, metaphysisch sind meine Ahnen auch bei mir. Ich hatte darüber hinaus auch schon Erlebnisse dieser Art. Ich glaube schon, dass man die Präsenz von Verstorbenen spüren kann. Wenn ich ein Haus betrete, fühle ich mich entweder wohl oder unwohl. Einen Geist habe ich noch nie gesehen. Aber ich habe diesen Sinn für Orte, die für mich persönlich gutartig sind oder eine negative Ausstrahlung haben. Am nächsten war ich der Welt der Geister wahrscheinlich, wenn ich beinahe unmögliche Zufälle erlebt habe.

          Was ist so ein unmöglicher Zufall?

          Davon gab es einige. Und in solchen Momenten dachte ich: Das muss ja wohl mehr als ein Zufall gewesen sein. Ich will jetzt nicht zu weit ausholen und versuche, die Geschichte auf den Punkt zu bringen. Ich war einmal vor vielen Jahren mit meinem damaligen Freund in London-Hampstead unterwegs. Und auf dem Müll haben wir eine coole grüne Jacke gefunden. Ein außergewöhnliches Teil. Wir waren ganz begeistert, und sie passte meinem Freund wie angegossen, als ob man sie für ihn maßgeschneidert hätte. Und sie stand ihm wirklich gut. Wir sind dann in eine Bar gegangen, um zwei Bier zu trinken. Und da saß diese Frau, die uns die ganze Zeit so seltsam ansah. Schließlich kam sie zu uns an den Tisch und sagte: Tut mir leid, dass ich Sie so anstarre. Aber Sie tragen die Jacke meines kürzlich verstorbenen Mannes. Und er hat dieses Wandbild gemalt, vor dem Sie gerade sitzen. Das war unheimlich. Das wäre schon ein ziemlich extremer Zufall, oder?

          Helen Mirren auf einem Fototermin für den Film „Winchester: Haus der Verdammten“

          Macht Ihnen so etwas Angst?

          Nein, ich empfinde es eher als Wunder. Das sind die Wunder der Mysterien dieser Welt.

          In dem Film „Winchester: Haus der Verdammten“ geht es auch darum, sich seiner Angst zu stellen...

          Und seiner Schuld.

          Wann haben Sie so etwas aus therapeutischen Gründen getan?

          Der ganze Prozess des Schauspielens ist eine permanente Auseinandersetzung mit meinen Ängsten. Allein der Moment, jeden Abend auf die Bühne zu gehen. Viele Schauspieler fühlen sich in diesem Augenblick richtig krank vor Angst. Früher hatte ich Angst vor der Dunkelheit, aber heute nicht mehr.

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