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Heiligabend am Sonntag : Shoppen am heiligen Abend

Adventseinkäufe: auch noch an Heiligabend? Bild: dpa

Soll man am 24. Dezember einkaufen dürfen? Die meisten Deutschen sind dagegen. Doch es gibt Hoffnung für Spätzünder des Weihnachtseinkaufs.

          Knapp sieben Wochen vor dem Fest fiel dieser Tage öffentlich auf, dass Heiligabend in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt. Heiliger Bimbam! Auf einmal sahen nicht nur diejenigen, die stets erst auf den letzten Drücker Geschenke Einkaufen gehen, schwarz, sondern auch jener Menschenschlag, der ohne den täglichen Besuch im Supermarkt nicht mehr auskommt, sondern felsenfest davon überzeugt ist, bei drei aufeinander folgenden Tagen ohne regulär geöffnete Geschäfte schlichtweg den Hungertod zu sterben. Und das selbst zu Weihnachten!

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Allerdings gibt es Hoffnung, denn in Deutschland sind die Ladenöffnungszeiten Ländersache. Laut einer Umfrage des Evangelischen Pressedienstes haben zahlreiche Landesregierungen – offenbar aus Furcht vor Unruhen – Sonderregelungen erlassen, wonach zumindest Supermärkte, Tankstellen, Blumenläden und Weihnachtsbaum-Verkaufsstellen am Heiligabend-Sonntag öffnen dürfen. Allerdings müssen sich Spät-Geschenkkäufer und Lebensmittelshopper sputen, denn die Mehrzahl der Länder gestattet an diesem Tag Öffnungszeiten von höchstens drei Stunden, und das höchstens bis 14 Uhr. Danach ist in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt vor allem aus Rücksicht auf Gottesdienste Ladenschluss. Nur Rheinland-Pfalz nimmt es ganz genau und erlaubt die Ladenöffnung generell nur zwischen elf und 14Uhr.

          Eine Stunde mehr Zeit haben dagegen die Menschen in Nordrhein-Westfalen, die von zehn bis 14 Uhr Einkaufen dürfen. Noch eine Stunde legt das Saarland drauf, wo Geschäfte zwischen neun und 14 Uhr öffnen können. Die längsten Öffnungszeiten freilich gelten mal wieder in Berlin, wo Lebensmittelgeschäfte, Weihnachtsbaumverkäufer und Blumenläden zwischen sieben und 14 Uhr öffnen dürfen sowie – gute Nachricht für Last-Minute-Shopper – Kunst- und Gebrauchtwarenmärkte bis 18 Uhr geöffnet bleiben dürfen. Einzig die Hessen gucken in die Röhre, weil ihre Landesregierung verfügte, dass Supermärkte am 24. Dezember generell geschlossen bleiben müssen.

          Allerdings wollen nicht alle Unternehmen die Möglichkeit zur Ladenöffnung nutzen. So kündigten die Discounter Aldi und Lidl (inklusive Kaufland) bereits an, in diesem Jahr an Heiligabend in ganz Deutschland nicht zu öffnen. „Am Heiligabend denken wir vor allem an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nach einer langen, intensiven Woche in Ruhe das Weihnachtsfest begehen sollen“, teilte der Handelskonzern Aldi mit. Auch aus der Lidl-Zentrale in Neckarsulm hieß es, die Mitarbeiter sollten am 24. Dezember „eine entspannte Zeit im Kreise ihrer Liebsten verbringen“ dürfen. Anders ist die Lage bei Rewe, Penny und Edeka, die es ihren selbständigen Filialisten überlassen, ob sie am 24. Dezember öffnen wollen. Von den 5000 Rewe-Märkten in Deutschland werden rund 1200 von selbständigen Kaufleuten geführt.

          Die Gewerkschaft Verdi hat bereits dazu aufgerufen, in diesem Jahr an Heiligabend darauf zu verzichten, Einkaufen zu gehen. In Sachsen wiederum plädierte der Handelsverband dafür, es den Einzelhändlern zu überlassen, ob und wie lange sie öffnen wollen. „Natürlich sollte dies in Abstimmung mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geschehen“, sagte Hauptgeschäftsführer Eberhard Lucas, doch hätten manche Angestellte womöglich „kein Problem damit, an Heiligabend drei Stunden zu arbeiten“.

          Die Mehrheit der Deutschen wiederum lehnt die Ladenöffnungen an Heiligabend ab. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der „Welt“ sprachen sich 87 Prozent der 5000 Befragten dagegen aus, die Läden in diesem Jahr am 24. Dezember zu öffnen; lediglich zehn Prozent plädierten dafür. Die Zustimmung zu geöffneten Läden war dabei unter Männern doppelt so hoch wie unter Frauen. Na dann: Frohes Fest!

          Quelle: F.A.Z.

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