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Interview Harrison Ford : „Ich bereue den Verlust der Anonymität“

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Harrison Ford (rechts) mit Ryan Gosling in „Blade Runner 2049“ Bild: AP

Harrison Ford über das Berühmtsein, die schwierigen Dreharbeiten von „Blade Runner“ und wie man sich als Pilot fühlt, wenn ein Triebwerk seinen Geist aufgibt.

          Hat man eigentlich als Hauptdarsteller schon eine Ahnung davon, dass man gerade Filmgeschichte schreibt, wenn man für einen Film wie „Blade Runner“ vor der Kamera steht?

          Filmgeschichte interessiert mich nicht.

          Was interessiert Sie dann?

          Ich will eine Geschichte erzählen. Ich will meinen Job so gut wie möglich machen, die Herausforderung meistern, auf die ich mich eingelassen habe. Denn ich habe mich ja mit der Unterschrift auf dem Vertrag verpflichtet zu liefern. Mein Teil muss in das Puzzle passen.

          Und ob ein Publikum das am Ende honoriert, ist erst einmal nebensächlich?

          Natürlich möchte ich, dass unsere vereinten Bemühungen erfolgreich sind. Denn das bedeutet, dass eine Form von Kommunikation stattfindet, zwischen uns, den Geschichtenerzählern und den Zuschauern. Und ich will auch deswegen den Erfolg meiner Filme, weil ich dadurch potentiell die Möglichkeit habe, einen Beruf weiter auszuüben, den ich liebe. Wenn meine Filme floppen, bin ich ja irgendwann weg vom Fenster.

          Kritiker verreißen immer wieder Filme, die dann später Kultstatus erreichen. Vielleicht geht es Ihnen als Schauspieler ja ähnlich.

          Wie meinen Sie das?

          Vielleicht sind Sie zunächst mit dem Resultat Ihrer Arbeit unzufrieden und wissen einen Film erst später zu schätzen?

          Das passiert sehr selten.

          Mochten Sie „Blade Runner“, so wie der Film 1982 in den Kinos gestartet ist?

          Ich mochte den Erzähler aus dem Off nicht, genauso wenig gefiel mir das Happy End. Aber ich habe die eigenartige Kraft in dieser Übung erkannt. Ich habe die Ambition des Regisseurs gesehen, seine einzigartige Vision, das Talent und die Professionalität aller Beteiligten, die Ridley Scott zusammengebracht hatte. Letztendlich ist es auch völlig egal, was ich über einen Film denke. Es geht um das Publikum. Das muss unsere Arbeit akzeptieren.

          Sie sollen bei den Dreharbeiten nicht immer einer Meinung mit Ridley Scott gewesen sein.

          Ich formuliere es einmal so: Es gab Punkte, in denen wir einer Meinung waren. Und dann hatten wir uns darauf geeinigt, in anderen Punkten uneinig zu sein.

          Welche Punkte waren das?

          Unsere zentrale Diskussion drehte sich vor allem darum, ob die Hauptfigur Rick Deckard nun ein „Replikant“ ist, also ein künstlich geschaffener Mensch, oder nicht. Wir haben uns aber bei den Dreharbeiten nicht so heftig darüber gestritten, wie bis heute kolportiert wird. Wir hatten schließlich einen Job zu erledigen, dafür hatten wir gar keine Zeit. Und letztlich musste ich ihn auch gar nicht von meiner Meinung überzeugen. Denn meine Aufgabe war es, mit meiner Figur eine emotionale Projektionsfläche für das Publikum zu schaffen, mit der man sich identifizieren kann. Und deswegen war ich im Gegensatz zu Ridley der Meinung, dass Deckard ein Mensch ist.

          Was war 1982 wichtig für Sie, als Sie „Blade Runner“ gedreht haben?

          Überleben.

          Können Sie das etwas genauer erklären?

          Es ging um mein künstlerisches Überleben. Ich wollte demonstrieren, dass ich die Kapazitäten besitze, als Schauspieler auch in unterschiedlichen Genres für unterschiedliche Arten von Publikum zu funktionieren. Ich wollte mich als Charakterdarsteller etablieren. Mein Erfolg basierte nur auf einem bestimmten Genre, auf Filmen, die sehr erfolgreich waren. Aber ich wollte nicht, dass diese Filme mich als Schauspieler definieren.

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