http://www.faz.net/-gum-77v5e

Harald Schmidt im Gespräch : „Ich bin eine Charaktermaske“

„Ich habe mal gelesen, Elfriede Jelinek habe über mich gesagt, ich sei eine Charaktermaske“, sagt Harald Schmidt. „Da habe ich gleich eine Flasche Jahrgangs-Cuvée aufgemacht und das Wort nachgeschlagen.“ Bild: Daniel Pilar

Er ist einer der letzten Heterosexuellen, die noch Kinder adoptieren würden, er fordert uneingeschränkte Solidarität mit Rainer Brüderle und würde seine Show selbst dann weitermachen, wenn niemand sie mehr sähe: Ein Gespräch mit Entertainer Harald Schmidt.

          Herr Schmidt, der Literaturkritiker Fritz J. Raddatz hat sich an dieser Stelle vor ein paar Monaten über die angebliche Unsitte meiner Generation aufgeregt, „die Jeans auf den nackten Arsch zu ziehen“. Ist Ihnen das auch schon unangenehm aufgefallen?

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Ich weiß nicht, welcher Lebensmensch das dem legitimen Erben Tucholskys erzählt hat. Ich habe das noch nicht beobachtet, aber ich bin ja auch heterosexuell, sozusagen einer der wenigen, die noch traditionell adoptieren. Oder es gleich selbst machen. Ich kann aber erahnen, wovon Fritz J. Raddatz spricht, weil ich ja im Showgeschäft bin. Mir sagen homosexuelle Mitarbeiter, man wird heutzutage gegen vier Uhr morgens im Darkroom mit dem Satz begrüßt: „Ich bin unterhalb der Nachweisgrenze, lass uns feiern.“ Wer da Jeans oder auch nur Unterhose trägt, der ist so was von Eighties, der liest auch noch Günter Grass.

          Über welche stilistischen Absonderlichkeiten regen Sie sich auf?

          Aufregen hat so etwas Bemühtes. Wenn mir einer Kirschsaft aufs Kaschmirjackett kippt, dann rege ich mich nicht auf, sondern schmeiße das Jackett weg und nehme ein anderes aus dem Schrank.

          Fanden Sie es stillos, dass sich Ihre früheren Mitarbeiter Herbert Feuerstein und Manuel Andrack vor einiger Zeit im „Spiegel“ über Sie ausgelassen haben?

          Da greift der Satz von Tocotronic: „Was Du auch machst, mach es nicht selbst.“ Das heißt in dem Fall: Das Interview führten Andrack und Feuerstein für mich, und zwar unentgeltlich. Ich hab’ nämlich gar nicht die Zeit, mit den Lohnschreibern vom „Spiegel“ zu reden, die ja eigentlich ein Interview mit mir und Gottschalk machen wollten.

          Sie sind den beiden also nicht böse?

          Überhaupt nicht. Feuerstein darf sowieso alles. Er ist sozusagen mein Mastermind, durch den ich Late Night überhaupt erst kennengelernt habe. Dass er mich in dem Interview mit afrikanischen Diktatoren verglichen hat, hat mir geschmeichelt, denn Feuerstein kennt Afrika sehr gut.

          Andrack sagte, Sie träten Leute, die auf dem Boden liegen, nicht, sondern sprängen auf sie drauf.

          Das ist, wie wenn Sie über einen Erfolgstrainer sagen: Der ist so brutal. Mich interessiert das nur, wenn es einer sagt, während er Tag für Tag mit am Tisch sitzt. Andrack saß acht Jahre mit am Tisch, er hat nur davon profitiert und nie geklagt. Er hat aber auch Pech gehabt, weil er in dem Interview quasi groß ankündigte, dass es das für mich gewesen sei, und zwei Tage später kam ich dann mit dem neuen Sky-Deal um die Ecke.

          Feuerstein sagte, Sie seien kein Mensch.

          Das kann er nur nietzscheanisch gemeint haben. Drunter würde Feuerstein nie gehen, obwohl er mir gegenüber mal die Vermutung geäußert hat, er sei der uneheliche Sohn von Hitler. Zeitlich könnte es hinkommen – und er stammt ja auch aus der Nähe des Obersalzberges.

          Ihren früheren Partner Oliver Pocher haben Sie als „adipöses Ex-Talent“ bezeichnet, auch Gottschalk haben Sie in letzter Zeit nicht immer nett behandelt. Ist das nicht unter Ihrem Niveau?

          Weitere Themen

          Der Attentäter von New York Video-Seite öffnen

          Suche nach Motiven : Der Attentäter von New York

          Der Verdächtige ist identifiziert: der 27-jährige Akayed Ullah soll aus Bangladesch stammen und als Taxifahrer gearbeitet haben. Den Ermittlern sagte Ullah, er habe die Luftangriffe auf die IS-Miliz rächen wollen.

          Das bringt der Freitag

          Die Agenda : Das bringt der Freitag

          Theresa May trifft sich mit EU-Kommissionspräsident Juncker. Die SPD wählt einen neuen Generalsekretär. Das Landgericht Tübingen verhandelt über Strafzinsen für Kleinsparer. Das „Wort des Jahres“ wird gekürt

          „Jamaika“-Kompromisse nicht Verhandlungsgrundlage Video-Seite öffnen

          Maybrit Illner : „Jamaika“-Kompromisse nicht Verhandlungsgrundlage

          SPD-Vize Manuela Schwesig zweifelt an der Zukunftsfähigkeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Schwesig sagte am Donnerstag in der ZDF-Sendung „maybrit illner“: „Dieses Land braucht Führung.“ Die Bürger vermissten jemanden, der ihnen sage, wie es in den nächsten fünf bis zehn Jahren weiter geht in Deutschland, Europa und der Welt.

          Topmeldungen

          Senats-Wahl in Alabama : Amerika ist so gespalten wie nie zuvor

          In Alabama haben fast drei Viertel der weißen Männer und rund zwei Drittel der weißen Frauen für den umstrittenen Roy Moore gestimmt – die Afroamerikaner gaben zu 90 Prozent dem Demokraten Jones ihre Stimme. Nie war der Graben tiefer, der mitten durch Amerika geht.
           Nur nicht durch die Decke gehen: Die Wintersport-Experten des ZDF für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang.

          ARD und ZDF haben Geld : Steigt der Rundfunkbeitrag doch nicht?

          Die Finanzkommission Kef hat die Finanzen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für die Jahre 2017 bis 2020 unter die Lupe genommen. Sie kommt zu dem Schluss: Da lässt sich einiges sparen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.