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Dienstag, 18. Juni 2013
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Großbritannien Bekenntnisse eines Beamtenknechts

 ·  Der Blog einer britischen Ministeriumsmitarbeiterin, die Details über den Arbeitsalltag in Whitehall ausplauderte, hat den britischen Premier auf den Plan gerufen. Sein Kabinettschef kündigte einen Verhaltenskodex für Verwaltungsbedienstete an.

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Die britische Lust am Geheimnisverrat hat im Internet ein neues Medium gefunden. Während Kim Philby und Guy Burgess noch tote Briefkästen oder geheime Kuriere verwenden mussten, um im Kalten Krieg ihre Neuigkeiten an die Sowjetunion zu übermitteln, genügen heute ein Computer und Grundkenntnisse der Netzwerk-Kommunikation. Nur das Gebot eines Decknamens ist gleich geblieben: "Civil Serf" (etwa "Beamtenknecht") nannte sich eine 33 Jahre alte Mitarbeiterin in der Londoner Ministerialbürokratie, die seit November Indiskretionen aus der Welt von Whitehall preisgab.

Die begeisterten Leser ihres Internet-Tagebuches erfuhren Dienstliches, Privates und Belangloses: dass Minister ihre Akten mit nach Hause nähmen und bloß am Wochenende Entscheidungen träfen, weil das wahrscheinlich dort ihre Frauen oder ihre politischen Berater für sie erledigten; dass im Ministerium eine Besprechung angesetzt worden sei, die den Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde verdiene: "Es geht um etwas, das die Bezeichnung ,Bürger-Aktions-Team' trägt (fragt lieber nicht) und das atemberaubende sieben Stunden dauern soll - es gibt wirklich keinen Gott." Nicht erst aus dem Internet erfuhr die Öffentlichkeit allerdings, dass Premierminister Brown "Velcro" ("Klettband") genannt wird, weil schlechte Nachrichten im Gegensatz zu seinem Vorgänger Blair ("Teflon") stets an ihm hängenbleiben.

Verhaltenskodex angekündigt

Trotzdem mag es Anlass für die Whitehall-Bürokratie gewesen sein, "Civil Serf" jetzt aus dem Verkehr zu ziehen. Seit zwei Tagen ist ihr Blog aus dem Netz verschwunden. Der Kabinettschef des Premierministers, Gus O'Donnell (der auch im Blog vorkam), kündigte einen Verhaltenskodex für alle Verwaltungsbediensteten an. Auch auf Internetseiten wie Facebook oder Wikipedia sollen künftig jene Vertraulichkeitsregeln eingehalten werden, die für Beamte im Dienst Ihrer Majestät auch in der realen Welt gelten.

Unterdessen können sich jene Leser, die "Civil Serf" vor allem deswegen vermissen, weil sie so anschaulich zu schildern wusste, wie ihr ein junger Beamter aus dem Auswärtigen Amt nachstellte, mit zahllosen anderen Internet-Blogs trösten. Deren Indiskretionen stammen allerdings nicht aus der Welt der Politik, sondern nur aus der Sphäre des Zwischenmenschlichen. Da gibt es die "kleine Engländerin", die über ihre Erlebnisse in Paris berichtet (und die, als ihre Identität bekannt wurde, deswegen ihre Stelle verlor), oder die formulierungsbegabte Angestellte eines Callgirl-Rings, die ihre Eintragungen inzwischen in Buchform zusammengefasst und erfolgreich vermarktet hat.

Quelle: F.A.Z., 13.03.2008, Nr. 62 / Seite 9
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