Chinas neues Raumschiff „Shenzhou 9“ („Göttliches Schiff“) ist nach seinem erfolgreichen Start am Samstag unterwegs zur chinesischen Raumstation „Tiangong 2“ („Himmelspalast“). An Bord befinden sich drei Taikonauten, unter ihnen erstmals eine Frau. Die drei Raumfahrer Liu Yang, Liu Wang und Jing Haipeng werden 13 Tage im Weltraum bleiben, davon zehn Tage im Labor-Modul des Raumschiffs.
Chinas erste Raumfahrerin, die 33 Jahre alte Liu Yang, gehört wie alle anderen chinesischen Raumfahrer der Volksbefreiungsarmee an und fliegt als Luftwaffenpilotin im Range eines Majors Kampfjets. Die Entscheidung, eine Frau in den Weltraum zu schicken, wurde anscheinend erst spät getroffen, da Liu und eine weitere Taikonautin, die dann nicht zum Einsatz kam, nur ein zwei Jahre langes Training zu durchlaufen hatten. Die anderen Taikonauten wurden viel länger auf ihren Flug ins All vorbereitet. Lius Aufgabe bei diesem Flug sind medizinische Experimente.
Liu, die 49 Jahre nach dem ersten Raumflug einer Frau, der Russin Walentina Tereschkowa, ins All geschickt wurde, dankte vor dem Start ihrem Vaterland und Volk für das ihr entgegengebrachte Vertrauen. Es erfülle sie mit „grenzenlosem Stolz“, Hunderte Millionen chinesischer Frauen im Weltall vertreten zu dürfen. Sie versprach, deren Hoffnungen nicht zu enttäuschen: „Wir werden die uns übertragenen Aufgaben voll erfüllen und noch mehr Ruhm an unser Militärbanner heften.“ An diesem Montag soll das erste bemannte Andockmanöver des chinesischen Raumfahrtprogramms stattfinden, zuerst automatisch und dann manuell. Ebenfalls erstmals werden zwei Taikonauten nach dem Rendezvous in 343 Kilometern Höhe in den „Himmelspalast“ wechseln.
Die Trägerrakete des Typs „Langer Marsch“ hob am Samstag vom Raumfahrtbahnhof in Jiuquan in der Wüste Gobi pünktlich um 18.37 Uhr Ortszeit ab. Im vergangenen Jahr hatte die unbemannte „Shenzhou 8“ bereits Andockmanöver geübt. Peking hofft, bis zum Jahr 2020 eine ständig bemannte Raumstation betreiben zu können. China will auch einen neuen Weltraumbahnhof im Süden des Landes auf der Insel Hainan bauen.
Die Taikonauten wurden vor dem Start von der Nummer zwei der Parteihierarchie, dem Politbüromitglied und Parlamentspräsidenten Wu Bangguo verabschiedet. China müsse seine strategischen Erfolge der vergangenen Jahre zementieren, dazu gehöre auch das Raumfahrtprogramm, schrieb die chinesische „Global Times“ am Sonntag. Die drei Taikonauten personifizieren Chinas langfristige Planungen für die Raumfahrt. „Shenzhou 9“ unternimmt erst den vierten bemannten Raumflug in der Geschichte des Landes.