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Andy Serkis im Gespräch : „Den Ehren-Oscar würde ich ablehnen“

Der doppelte Andy Serkis: Als reale Person und als Schimpanse „Caesar“ in „Planet der Affen“ Bild: EPA

Er war Gollum, King Kong und spielt Caesar im „Planet der Affen“: Andy Serkis über Tiere, besondere Stimmen, Menschen, Außenseiter – und sein Gesicht.

          Andy Serkis ist das noch recht seltene Exemplar eines Schauspielers, der zwar schon zahlreiche Hauptrollen und prägnante Nebenrollen gespielt hat, dessen Gesicht dabei aber häufig gar nicht zu sehen ist. Der Brite gilt als Großmeister des Performance-Capture-Schauspiels: Hierbei trägt der Darsteller hautenge Anzüge, die wie sein Gesicht mit punktförmigen Markern versehen sind. Diese zeichnen seine Bewegungen und Mimik auf, um damit eine digitale Figur zu täuschend echtem Leben zu erwecken. Serkis hat Tiere gespielt, Comicwesen, bizarre Gestalten, die meist zur Hauptattraktion des Films werden, darunter King Kong oder Gollum aus dem „Herrn der Ringe“. Als Schimpansen-Anführer Caesar, den er nun im Film „Planet der Affen: Survival“ zum dritten Mal spielt, wirkt er allerdings menschlicher als die dort auftretenden Exemplare des Homo sapiens. Es ist eine echte Charakterrolle.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Willkommen in Berlin, Mr. Serkis. Hatten Sie schon Gelegenheit, Fatou zu treffen?

          Fatou? Wer ist Fatou?

          Fatou lebt im Berliner Zoo und ist mit ihren sechzig Jahren einer der zwei ältesten Gorillas der Welt, möglicherweise sogar der älteste.

          Oh, großartig! Nein, ich habe sie noch nicht getroffen.

          Die Gorillas im Londoner Zoo sind Ihnen hingegen sehr vertraut. Bevor Sie 2005 für Peter Jackson King Kong spielten, hatten Sie mehrere Monate lang dort hospitiert.

          Das stimmt, und ich reiste auch nach Ruanda, um zu studieren, wie sich die Berggorillas in der Wildnis von jenen in Gefangenschaft unterscheiden. Das war eine unglaubliche Erfahrung, und mit einem der Gorillas, Zaire, entwickelte sich eine besonders enge Beziehung.

          Lebt Zaire noch, sehen Sie sich ab und zu?

          Ja, sie lebt noch. Vor etwa drei Jahren habe ich sie besucht, aber mir fehlt inzwischen leider die Zeit, das regelmäßig zu tun.

          Können Sie unseren Lesern erklären, was genau ein Affen-Camp ist?

          In den „Planet der Affen“-Filmen ändern sich die Gesellschaften der Affen, sie entwickeln sich weiter. Wir fanden es wichtig, dass vor dem Drehbeginn jedes neuen Films die unterschiedlichen Charaktere, die alten wie die neuen, zusammenkommen und ausgiebige Improvisationen vollziehen, um die Hierarchie der Gruppe und die verschiedenen Kommunikationsformen von Zeichensprache bis zu den Affenlauten verstehen zu können. Mit dabei sind auch all die Stuntleute, die trainieren mussten, sich wie Affen zu bewegen und zu kämpfen.

          Im engen Anzug und mit Markern im Gesicht: Serkis beim Dreh vom „Planet der Affen“; dank der Hilfe des Computers wird aus dem Schauspieler der Schimpansen-Anführer Caesar. Bilderstrecke
          Im engen Anzug und mit Markern im Gesicht: Serkis beim Dreh vom „Planet der Affen“; dank der Hilfe des Computers wird aus dem Schauspieler der Schimpansen-Anführer Caesar. :

          In diesem Camp laufen und klettern dann alle Darsteller wie Affen.

          Ja, genau. Und wir üben, uns als Gruppe zu bewegen und auf die anderen achtzugeben. Das dauert ein paar Tage.

          Und Sie alle tragen dabei kleine Krücken, um die Arme zu verlängern und wie ein Affe laufen zu können.

          So ist es.

          Dass der von Ihnen gespielte Schimpansen-Anführer Caesar im neuen Film mehr und mehr aufrecht geht, dürfte die Rolle für Sie wesentlich komfortabler gemacht haben.

          Körperlich auf jeden Fall. Andererseits trug ich an meinen Armen und Beinen sehr schwere Gewichte, weil ich wollte, dass er die Spannung in seinem Körper spürte und die Ermüdung, sich seit drei Jahren in einem Krieg zu befinden.

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