http://www.faz.net/-gum-6u7ea

Gespräch mit Juliette Binoche : „Gefühle sind wie Wolken am Himmel“

  • Aktualisiert am

„Man muss offen sein, alles andere ist ein Desaster“ Bild: Reuters

Sie war die Verführerin in „Chocolat“ und die Pflegerin des „Englischen Patienten“: Schauspielerin Juliette Binoche spricht über das Leben, die Liebe und das Spiel.

          Madame Binoche, Ihr neuer Film wuchs aus Gesprächen mit dem Regisseur Abbas Kiarostami, den Sie zu Hause in Teheran besuchten - Gespräche darüber, was Männer von Frauen wollen und Frauen von Männern . . .

          Ja, in unseren Gesprächen ging es um Beziehungen. Immer wenn ich mich mit Abbas treffe, sprechen wir recht offen über unser Leben. Eines Abends erzählte er mir diese Geschichte, aus der "Die Liebesfälscher" werden würde . . .

          Im Film treffen sich in der Toskana eine Frau und ein Mann, die sich offenbar nicht kennen, werden für ein Ehepaar gehalten - und plötzlich scheinen sie eines zu sein, seit 15 Jahren verheiratet. Die beiden gehen durch die Gassen, reden, treffen ein Hochzeitspaar, solche Dinge.

          Ja, Abbas erzählte mir diese Geschichte, als sei sie ihm selbst zugestoßen. Am Ende sagte er zu mir: Glaubst du mir? Ich antwortete: Natürlich. Und er sagte: Die Geschichte ist erfunden. Ich lachte, wie Sie jetzt lachen.

          Die Schauspielerin bei der Premiere ihres aktuellen Films Bilderstrecke
          Die Schauspielerin bei der Premiere ihres aktuellen Films :

          Sie hatten ihm geglaubt?

          Völlig. (lacht)

          Zu welchem Schluss waren Sie gekommen? Was wollen Männer von Frauen und umgekehrt?

          Eine seltsame Frage. (lacht) Will man etwas vom anderen? Ich glaube, wenn man liebt, will man nichts vom anderen. Es geht darum, dass man etwas teilt. Mir gefällt der Satz: Liebe macht uns jungfräulich, wie unberührt. Wenn man jemanden liebt, wenn man dieses Gefühl der Leichtigkeit im Herzen hat - Liebe zu erfahren ist ein Gefühl, das über einen selbst hinausgeht. Man sieht die Dinge im Licht der Ewigkeit. Vermutlich will man genau deshalb heiraten, sich jemandem verbunden fühlen für den Rest des Lebens.

          Wie ist es im Film?

          Ich weiß nicht, ob zwischen dieser Frau und diesem Mann Liebe existiert. Es gibt sicher das Bedürfnis nach Liebe. Ob es wirklich Liebe ist, das ist eine andere Geschichte.

          Gut, dass Sie das sagen. Ich hatte mir vorgenommen, Sie um Hilfe zu fragen, weil ich den Film nicht ganz verstanden habe. Diese Unsicherheit, ob die beiden sich tatsächlich kennen: Was soll uns das sagen? Dass Gefühle im Fluss sind?

          Ja. Gefühle sind keine Fakten. Sie ändern sich ständig, wie Wolken am Himmel. Was zu Beginn des Tages noch wahr ist, ist am Abend schon wieder anders. Aber was Abbas sagen wollte, und es ist ja sein Film: Frauen sind näher dran an ihren eigenen Gefühlen, Männer betrachten sich auf eher intellektuelle Weise. Zwischen den beiden Figuren, so sagte er mir, gibt es ein Art Wettbewerb - den am Ende die Frau gewinnt, weil sie ein Risiko eingeht, Gefühle offenbart, sich verletzbar macht, ihr Bedürfnis so deutlich zeigt. Während er sich abschirmt, Angst hat vor dem Gefühl und dem Bedürfnis. Er sieht sie nicht - und das verletzt sie sehr.

          Ist das generell so zwischen Männern und Frauen?

          Man kann das nicht verallgemeinern. Ich hatte das Glück, vielen sensiblen Männern begegnet zu sein.

          Ich habe gelesen, als Sie Abbas zum ersten Mal besuchten, saßen Sie in seiner Küche und sagten zu ihm: Verlieb dich nicht in mich.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Cyber Valley : Warum Amazon ins Schwäbische zieht

          Bei Stuttgart entsteht eine große Forschungskooperation für schlaue Computer. Angesagte Unternehmen machen mit – nun auch der weltgrößte Internethändler. Und nicht nur mit einer jährlichen Millionen-Überweisung.

          Streamingdienst : So analysiert Netflix seine Nutzer

          Die Online-Videothek gibt Milliarden für Eigenproduktionen wie „Stranger Things“ aus. Deshalb wird der Erfolg dieser Serien minutiös geplant. Und der Geschmack der Zuschauer ganz genau durchleuchtet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.