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Gespräch mit Heimatforscher Müller „Victoria Beckhams Vorfahre war Frühkommunist“

06.08.2008 ·  Victoria Beckham ist eine Schwäbin: Ihr Ur-Ur-Uropa lebte in Heilbronn. Der Heimatforscher Hans Müller entdeckte die verwandtschaftlichen Verstrickungen und berichtet im Gespräch über die Vorfahren von Posh-Spice.

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Victoria Beckham ist eine Schwäbin: Ihr Ur-Ur-Uropa lebte in Heilbronn. Der Heimatforscher Hans Müller entdeckte die verwandtschaftlichen Verstrickungen und berichtet im Gespräch mit der F.A.Z. über die Vorfahren von Posh-Spice.

Herr Müller, wie haben Sie herausgefunden, dass Victoria Beckhams Ur-Ur-Ur-Großvater aus Heilbronn stammt?

Ich forsche seit vielen Jahren über das Leben des Malers Carl Heinrich Pfänder und sein Wirken in London. Ausgangspunkt meiner Recherchen war Pfänders Bruder Wilhelm, der 1826 geboren wurde und Mitgründer der Heilbronner Turngemeinde war. Die Geschichte dieses Vereins war zunächst mein Thema. 2001 habe ich dann einen ersten Aufsatz über Carl Heinrich Pfänder veröffentlicht.

Und wie entdeckten Sie die verwandtschaftliche Verbindung zu den Adams, also den Eltern Victoria Beckhams?

Irgendwann fragte ich mich, welche lebenden Nachfahren es geben könnte. Deshalb reiste ich drei Mal nach London. Ich fand heraus, dass Pfänders Urenkelin Lilian erst kürzlich gestorben war. Ich habe dann gefragt, wer ihren Tod gemeldet hat. Nach einiger Zeit schrieb mir der Sohn des Nachbarn von Lilian, es gebe Nachfahren, nämlich Jaqueline Adams. Das ist die Mutter von Victoria, der berühmten Ehefrau des Fußballstars David Beckham. Dann stellte sich für mich die Frage: Was mache ich mit dieser Information? Eine ‚nasty headline’ in der britischen Boulevardpresse wollte ich vermeiden. Die Adams sollten von meinen Recherchen möglichst nicht aus der Zeitung erfahren. Dann bestätigte Jaqueline Adams meine Recherchen. Danach bin ich zur Lokalzeitung gegangen. Seitdem mache ich den ganzen Tag Pressearbeit.

Victoria Beckham stammt also aus einer Heilbronner Familie – und ihr Vorfahr Carl Heinrich Pfänder war Kommunist!

Genauer: Frühkommunist! Er war mit Karl Marx und Friedrich Engels bekannt. Pfänder war auch dabei, als der Bund der Kommunisten 1847 in London gegründet wurde, später war er Generalrat der ersten Internationale.

Die Konsumistin Beckham hat also kommunistische Vorfahren.

Das stimmt. Carl Heinrich Pfänder konnte sich seine Nachfahren nicht auswählen. Vielleicht hätte er aber eine Freude an seiner Ur-Ur-Ur-Enkelin gehabt. Denn er war Künstler und hat, was für die damalige Zeit ungewöhnlich war, die von seiner Familie vorgegebenen Pfade verlassen. Seine Großeltern und Eltern waren Küfer, Kübler und Böttcher. Er wollte aber Maler werden. Der Ausstieg aus dem bürgerlichen Leben war ihm nicht fremd. Vielleicht hätte er sich deshalb über Victorias Lebensweg gefreut.

Woher kannte Carl Heinrich Pfänder Karl Marx und Friedrich Engels?

Das weiß ich nicht genau. Sicher ist: Er ging 1844 nach London. Dort war der deutsche Arbeiterbildungsverein ziemlich aktiv, in dem er Mitglied war. Das war die Keimzelle des Bundes der Kommunisten. Dort war er seit 1850 Vorstandsmitglied, dort bekam er vermutlich Kontakt zu Marx und Engels.

Gibt es Gemälde von Carl Heinrich Pfänder?

Er soll Joseph Moll gemalt haben, einen der ersten Kommunisten in London. Das Bild wird in der Marx-Engels-Gesamtausgabe, der MEGA, erwähnt. Moll und Pfänder waren an der badischen 1849er Revolution beteiligt. Pfänder nahm sogar an der Waghäusel-Schlacht teil.

Mehrere Mitglieder der Familie Pfänder sind im 19. Jahrhundert ausgewandert. Welche sozialhistorische Erklärung haben Sie dafür?

Wilhelm Pfänder, Carl Heinrichs Bruder, ging 1848. Deshalb habe ich mich immer gefragt, ob er ein 1848er war. Jedenfalls war er stark in der Turnerbewegung engagiert, das waren Republikaner. Sicher spielte auch die Wirtschaftskrise der Jahre 1846/47 eine Rolle.

Wilhelm Pfänder soll Abraham Lincoln bei der Präsidentenwahl unterstützt haben.

Er gehörte zum Wahlmännergremium von Minnesota und unterstützte Lincoln. Er nahm 1862 im Bürgerkrieg auch in der Schlacht von Shiloh teil. Darüber lohnte es sich, einen Roman zu schreiben.

Wann haben Sie zum ersten Mal von Victoria Beckham gehört?

Ach, dass der Fußballer David Beckham eine Frau haben sollte, die manchmal kompliziert ist, hat mich früher nicht interessiert.

Haben denn wenigstens Ihre Kinder oder Enkelkinder Interesse an ihr?

Die kennen Victorias Musik besser als ich. Aber ich will nun auch mal in eine der CDs der „Spice Girls“ reinhören.

Manche spotten schon: Erst das „Käthchen von Heilbronn“, nun „Viktoria von Heilbronn“, „das Beckhämle“. Was bedeutet Ihre Ahnenforschung für die Stadt?

Oberbürgermeister Himmelsbach hat Frau Beckham einen Brief geschrieben: Sie sei bei uns willkommen.

Passt „Posh-Spice“ nicht besser zur Stuttgarter Halbhöhenlage als zum beschaulichen Heilbronner Unterland?

Da müssen Sie Frau Beckham fragen. Ich möchte sie persönlich kennen lernen, bevor ich mir ein Urteil erlaube. Sie ist auch in einer kleineren Stadt aufgewachsen, in der Nähe Londons.

Die Fragen stellte Rüdiger Soldt.

Quelle: F.A.Z.
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