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Marokkanisches Königspaar : Wo ist Prinzessin Lalla Salma?

Prinzessin Lalla Salma mit Uruguays Präsident Tabaré Vázquez im Oktober auf einer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation in Montevideo Bild: EPA

König Mohamed VI. ist ohne seine Frau in Paris. Das befördert Gerüchte über eine Ehekrise im Königshaus von Marokko.

          Das Foto halten viele für den letzten Beweis. Umringt von seinen Geschwistern und seinen beiden Kindern, zeigt es Mohamed VI. im Bett einer Pariser Klinik. Dort ließ er sich Ende Februar wegen einer akuten Herzrhythmusstörung operieren. Nur eine fehlte: die Ehefrau des marokkanischen Königs. Seit Monaten waren beide nicht mehr zusammen öffentlich aufgetreten.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Früher reiste Lalla Salma Bennani alleine durch die Welt. Seit November ist die 39 Jahre einstige Bürgerliche, die durch ihre Hochzeit zu einer Prinzessin wurde, praktisch von der Bildfläche verschwunden. Jetzt mehren sich in Marokko und Spanien die unbestätigten Berichte, nach denen sich der Monarch kurz nach dem 16. Hochzeitstag von der Mutter des Thronfolgers Moulay Hassan und der Prinzessin Lalla Khadija getrennt haben soll.

          Die Heirat von „M 6“, wie in Marokko der Spitzname Mohameds lautet, mit der jungen Informatikerin aus Fez war eine Sensation. Sie ließ bei vielen die Hoffnung wachsen, dass mit dem neuen König, der nicht nur weltliches, sondern als „Anführer der Gläubigen“ auch geistiges Staatsoberhaupt ist, endlich die Moderne Einzug im Land hält. Revolutionär war schon, dass es 2002 ein Hochzeitsfoto gab von ihm und der 24 Jahre alten bürgerlichen Frau mit langem lockigem, kastanienbraunen Haar. Mohameds Mutter war nie öffentlich aufgetreten, von ihr durften keine Bilder verbreitet werden. Den Harem seines Vaters löste der Thronfolger erst nach dessen Tod 1999 auf.

          Das Vorzeigepaar schien den Wandel in der arabischen Welt zu verkörpern – so wie der jordanische König mit seiner aufgeschlossenen Gattin Rania, die aus einer palästinensischen Familie stammt, und vor dem Bürgerkrieg in Syrien Präsident Baschar al Assad mit seiner Frau Asma, einer in London geborenen Finanzfachfrau, die früher auch für die Deutsche Bank arbeitete.

          Marokkos König Mohamed VI. (Mitte rechts) mit seinem Sohn Hassan (links hinter ihm) und dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron in Paris

          Die Halbwaise aus Fez hatte studiert und bei einem Unternehmen gearbeitet, das dem Königshaus gehört. Sie spricht Englisch, Französisch und etwas Spanisch. Ihre Vorliebe für französische Mode ist unverkennbar. Der marokkanischen Presse verriet die „Mutter des Thronfolgers“, so ihr Titel, ungewöhnlich viel über ihr Privatleben: dass sie am liebsten spät aufsteht, selbst Auto fährt und im Palast oft barfuß herumläuft.

          Kleine Revolution im marokkanischen Königshaus

          In Marokko und darüber hinaus erregte Prinzessin Lalla Salma Aufmerksamkeit, weil sie sich für Frauenrechte einsetzte und eine eigene Stiftung gründete, die sich um Krebspatienten kümmert. Auf einer Konferenz der Kulturorganisation der Vereinten Nationen hielt sie eine Rede über Gleichberechtigung. Dass sie alleine im Ausland auftrat, war eine weitere kleine Revolution im marokkanischen Königshaus.

          Doch ihr selbstbewusstes Auftreten ging offenbar einigen in der Familie des Königs zu weit. In März beschrieb die Zeitung „Le Crapouillot marocain“ sie als „verächtlich, herablassend und cholerisch“. Ihr sei ihr glamouröser Lebensstil offenbar wichtiger als die Sorge um den kranken Ehemann. Angeblich machte sie in Marrakesch Urlaub, als ihr Mann in Paris im Krankenhaus lag. Der spanische Marokko-Kenner Ignacio Cembrero ist der Ansicht, dass keine marokkanische Publikation solche Breitseiten auf ein Mitglied des Königshauses abfeuern würde, wenn es dafür keine Unterstützung aus höheren Kreisen gebe.

          Gesundheit des Königs ist Gesprächsthema

          Der König selbst zeigt sich in Frankreich häufig in der Öffentlichkeit. Es heißt, seit Ende vergangenen Jahres sei er nur eine Woche in Marokko gewesen. In Paris, wo er in der Nähe ein kleines Schloss besitzt, lässt er sich bereitwillig von Passanten fotografieren – in extravaganten Hemden und ganz leger in Jeans. Ein längerer Frankreich-Aufenthalt im Herbst war mit der Erholung von einer Augenoperation begründet worden. Die Gesundheit des Königs ist schon seit längerem ein Gesprächsthema. Ein französischer Politiker berichtete von einer ernsthaften Erkrankung, die jedoch offiziell nie bestätigt wurde.

          Mohamed VI. sagt immer wieder wichtige Termine und Reisen ab, im Januar kurzfristig einen seit langem geplanten Staatsbesuch des spanischen Königspaars. In Spanien riefen jetzt Aufnahmen Verärgerung hervor, die ihn zu dieser Zeit in Paris neben der blonden Teilnehmerin einer Fernsehshow zeigten.

          Dabei gäbe es für den Monarchen, der vor fast 19 Jahren den Thron bestieg, zu Hause jede Menge zu tun. Zunächst war es dem heute 54 Jahre alten Mohamed nach der Arabellion gelungen, mit vorsichtigen Reformen seinen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Doch seit mehr als einem Jahr dauern besonders im Norden des Landes die Unruhen an. Die Berber im Rif-Gebirge konnten die Sicherheitskräfte nur mit einem massiven Einsatz zur Ruhe bringen; im verarmten Nordosten kommt es immer wieder zu neuen Protesten. Auch die Zahl der jungen Marokkaner nimmt wieder zu, die auf der Suche nach einem besseren Leben das Mittelmeer überqueren und nicht länger auf Mohamed VI. bauen, den anfangs einige hoffnungsvoll „den König der Armen“ nannten.

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