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Genetische Studie : Der Europäer kommt aus dem Nahen Osten

  • -Aktualisiert am

Ein weibliches Skelett aus der Zeit der Bandkeramischen Kultur Bild: dpa

Eine Studie zur Besiedlungsdichte beweist, dass die genetische Zusammensetzung des „heutigen Europäers“ zum wesentliche Teil auf Einwanderungen aus dem Nahen Osten beruht.

          Deutsche und australische Forscher haben in Halle die Ergebnisse einer Studie bekanntgegeben, nach denen die genetische Zusammensetzung des „heutigen Europäers“ zum wesentlichen Teil auf Einwanderung aus dem Nahen Osten sowie aus Nord-, Ost- und Westeuropa beruht. Sie beantworteten eine der Kernfragen der Jungsteinzeitforschung: Der kulturelle Wandel während des Neolithikums habe sich mehr über (ein)wandernde Bauernpopulationen denn über die Ideenvermittlung zwischen örtlich ansässigen Bevölkerungsgruppen vollzogen.

          Der Mainzer Anthropologe Guido Brandt sprach von der bislang größten und detailreichsten genetischen Studie zur Besiedlungsdichte Europas. Die Forscher aus Sachsen-Anhalt, Mainz und Australien stellen ihre Ergebnisse zudem in der Zeitschrift „Science“ vor. Die Untersuchungen an DNA und stabilen Isotopen von 364 Skeletten und Zähnen wurden an 25 Fundplätzen im Mittelelbe-Saale-Gebiet vorgenommen; im Braunkohlegebiet Mitteldeutschlands sind die Erhaltungsbedingungen besonders günstig.

          Vier Migrationsschübe

          Im südlichen Sachsen-Anhalt trafen in den ersten 4000 Jahren bäuerlicher Sesshaftigkeit zwischen 5500 und 1500 vor Christus eine Vielzahl von Kulturgruppen auf engem Gebiet zusammen, die sich anhand ihrer materiellen Hinterlassenschaften – Haustiere und Pflanzen, Keramik und Steinwerkzeuge – und ihrer Bestattungsriten unterscheiden lassen. Hier kamen etwa die Schnurkeramik Osteuropas, die Glockenbecher Westeuropas und die Trichterbecher Nordeuropas zusammen.

          Da bei den Forschungen Archäologen und Anthropologen zusammenwirkten, konnten die Wissenschaftler laut Susanne Friederich vom Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle ausgedehnte Interaktionen von Kulturen über „sehr große Distanzen“ nachweisen. Die genetische Vielfalt Mitteleuropas entwickelte sich in vier Migrationsschüben. Im ersten ersetzten vor 7500 Jahren eingewanderte Bauern aus dem Nahen Osten große Teile der ansässigen Jäger-und-Sammler-Bevölkerung.

          Sie brachten die linearbandkeramische Kultur, die sie gut 4000 Jahre zuvor im Nahen Osten entwickelt hatten. Nach der ersten Neolithisierungswelle folgten 2500 Jahre genetischer Stabilität, in denen es kaum Wanderungsbewegungen gab. Dann folgten Bevölkerungsverschiebungen aus dem Norden, Westen und Osten Europas. Begünstigt wurde das, weil Metalle verfügbar wurden und sich die Landwirtschaft veränderte.

          Die Veränderungen in der materiellen Kultur stimmen überein mit Brüchen in den genetischen Linien. Schnurkeramik, Glockenbecher und manches andere verdanken die Mitteleuropäer also Einwanderern, wie die am Freitag erschienene „Science“ – neben „Nature“ die wichtigste naturwissenschaftliche Zeitschrift der Welt – in ihrer Rekonstruktion der Besiedlungsgeschichte Europas darlegt.

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