Home
http://www.faz.net/-gun-7id5r
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Genetische Studie Der Europäer kommt aus dem Nahen Osten

Eine Studie zur Besiedlungsdichte beweist, dass die genetische Zusammensetzung des „heutigen Europäers“ zum wesentliche Teil auf Einwanderungen aus dem Nahen Osten beruht.

© dpa Vergrößern Ein weibliches Skelett aus der Zeit der Bandkeramischen Kultur

Deutsche und australische Forscher haben in Halle die Ergebnisse einer Studie bekanntgegeben, nach denen die genetische Zusammensetzung des „heutigen Europäers“ zum wesentlichen Teil auf Einwanderung aus dem Nahen Osten sowie aus Nord-, Ost- und Westeuropa beruht. Sie beantworteten eine der Kernfragen der Jungsteinzeitforschung: Der kulturelle Wandel während des Neolithikums habe sich mehr über (ein)wandernde Bauernpopulationen denn über die Ideenvermittlung zwischen örtlich ansässigen Bevölkerungsgruppen vollzogen.

Der Mainzer Anthropologe Guido Brandt sprach von der bislang größten und detailreichsten genetischen Studie zur Besiedlungsdichte Europas. Die Forscher aus Sachsen-Anhalt, Mainz und Australien stellen ihre Ergebnisse zudem in der Zeitschrift „Science“ vor. Die Untersuchungen an DNA und stabilen Isotopen von 364 Skeletten und Zähnen wurden an 25 Fundplätzen im Mittelelbe-Saale-Gebiet vorgenommen; im Braunkohlegebiet Mitteldeutschlands sind die Erhaltungsbedingungen besonders günstig.

Vier Migrationsschübe

Im südlichen Sachsen-Anhalt trafen in den ersten 4000 Jahren bäuerlicher Sesshaftigkeit zwischen 5500 und 1500 vor Christus eine Vielzahl von Kulturgruppen auf engem Gebiet zusammen, die sich anhand ihrer materiellen Hinterlassenschaften – Haustiere und Pflanzen, Keramik und Steinwerkzeuge – und ihrer Bestattungsriten unterscheiden lassen. Hier kamen etwa die Schnurkeramik Osteuropas, die Glockenbecher Westeuropas und die Trichterbecher Nordeuropas zusammen.

Da bei den Forschungen Archäologen und Anthropologen zusammenwirkten, konnten die Wissenschaftler laut Susanne Friederich vom Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle ausgedehnte Interaktionen von Kulturen über „sehr große Distanzen“ nachweisen. Die genetische Vielfalt Mitteleuropas entwickelte sich in vier Migrationsschüben. Im ersten ersetzten vor 7500 Jahren eingewanderte Bauern aus dem Nahen Osten große Teile der ansässigen Jäger-und-Sammler-Bevölkerung.

Mehr zum Thema

Sie brachten die linearbandkeramische Kultur, die sie gut 4000 Jahre zuvor im Nahen Osten entwickelt hatten. Nach der ersten Neolithisierungswelle folgten 2500 Jahre genetischer Stabilität, in denen es kaum Wanderungsbewegungen gab. Dann folgten Bevölkerungsverschiebungen aus dem Norden, Westen und Osten Europas. Begünstigt wurde das, weil Metalle verfügbar wurden und sich die Landwirtschaft veränderte.

Die Veränderungen in der materiellen Kultur stimmen überein mit Brüchen in den genetischen Linien. Schnurkeramik, Glockenbecher und manches andere verdanken die Mitteleuropäer also Einwanderern, wie die am Freitag erschienene „Science“ – neben „Nature“ die wichtigste naturwissenschaftliche Zeitschrift der Welt – in ihrer Rekonstruktion der Besiedlungsgeschichte Europas darlegt.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Gesundheitsreport Im Osten sind die Deutschen kränker

Die Gesundheit ist in Deutschland ungleich verteilt. Im Osten fehlen die Arbeitnehmer öfter als im Westen - um die Hälfte. Am wenigsten häufig melden sich die Baden-Württemberger und Bayern krank. Mehr

09.12.2014, 11:35 Uhr | Wirtschaft
Glückliche Dänen

Warum sind die Menschen im Norden glücklicher als andere? - Weil sie eine genetische Mutation haben, sagen britische Forscher. Zahlreiche Studien und Untersuchungen legen die Vermutung nahe, das Länder, die weit weg sind von Dänemark, auch weiter weg sind vom Glück. Mehr

14.10.2014, 16:42 Uhr | Gesellschaft
Debatte über Protest-Märsche Gauck: Pegida nicht so viel Beachtung schenken

Bundespräsident Joachim Gauck spricht sich bei dem Besuch eines Flüchtlingshilfevereins in Magdeburg dafür aus, fremdenfeindlichen Chaoten und Strömungen, die wenig hilfreich sind, nicht so viel Beachtung zu schenken. Ähnlich äußert sich der Kölner Kardinal Woelki. Mehr

12.12.2014, 12:46 Uhr | Politik
Jubel bei der CDU in Sachsen

Trotz Verlusten bleibt die CDU von Ministerpräsident Tillich deutlich stärkste Kraft in Sachsen. Mehr

31.08.2014, 19:11 Uhr | Politik
Pegida-Demonstrationen Die neue Wut aus dem Osten

Die Bewegung nennt sich Pegida - und wehrt sich gegen die Islamisierung des Abendlandes. Jede Woche demonstrieren Tausende. Und es werden jedes Mal mehr. Mehr Von Stefan Locke

07.12.2014, 18:22 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 14.10.2013, 11:27 Uhr

Christoph Waltz Von Krampus und Freud

Schauspieler Christoph Waltz plaudert über gruselige österreichische Traditionen. Paul McCartney schreibt zwar die Musik für Videospiele, spielen möchte er sie aber nicht. Besonders bei Musikspielen versagt sein Talent - der Smalltalk. Mehr 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden