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Bei den Mädchen stehen Prinzessinnen- oder Eisköniginnen-Kostüme auf der Wunschliste. Bild: Colourbox.com

Gender-Diskussion an Fasching : Nie mehr Prinzessin?

Kinderfasching ist ein Gender-Albtraum. Ihr Kind will trotzdem als lebendes Klischee gehen? Bleiben Sie gelassen und bloß nichts verbieten!

          Na? Auch noch auf der Suche nach einem Faschingskostüm für die Kinder? Einfach mal bei Amazon „Kinderkostüm Jungen“ eingeben. Als Erstes der mehr als 3000 Kostüme wird ein Polizistenkostüm angezeigt, „inklusive Handschellen und Schlagstock, um Bankräuber und andere Schurken festzunehmen (kinderfreundliche Handschellen aus Kunststoff, Öffnen ohne Schlüssel möglich)“. Angebot Nummer zwei: ein S.W.A.T. Officer, die amerikanische Version eines SEK-Beamten, schwarz und komplett vermummt. Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch ein schwarzes Maschinengewehr mit Licht- und Soundeffekten, einen Helm mit beweglichem Visier und eine schusssichere Weste. Weiter im Angebot: Star-Wars-Figur, Pirat, Ritter, Ninja, Dämon, Harry Potter, Soldat.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie haben eine Tochter? www.amazon.de, „Faschingskostüm Mädchen“: Eiskönigin, Bauchtänzerin, Prinzessin, Cheerleaderin, Elfe, Cowgirl. Es gibt auch eine Polizistin, aber sie trägt keine schusssichere Weste, sondern ein kurzes schwarzes Röckchen. Es gibt 50 000 Polizistinnen in Deutschland, die allesamt Hosen tragen, aber an Fasching wird die Figur zum Püppchen degradiert.

          Nirgends sonst ist die Kinderwelt so eindeutig in Geschlechter eingeteilt wie zu Faschingszeiten. Selbst kleine Mädchen, die im Alltag meistens Hosen tragen und zu Hause „Feuerwehrmann Sam“ gucken, wollen im rosa Rüschenkleid zum Kinderkarneval. Umgekehrt ist das selten der Fall, und wenn doch, ist es gleich so spektakulär, dass es in den sozialen Netzwerken Aufsehen erregt. Wie bei dem dreijährigen Caiden aus Virginia, der sich vor gut zwei Jahren zu Halloween als Eiskönigin verkleidete. Sein Vater postete davon ein Foto auf Facebook und schrieb: „Bleibt ihr bei eurem maskulinen Mist und den ordinären Kinderkostümen. An Halloween geht es aber um Kinder, die sich als ihre Lieblingsfiguren verkleiden. Und diese Woche ist seine eine Prinzessin.“ Der Beitrag wurde binnen weniger Tage über 25 000 Mal geteilt, englischsprachige Fernsehsender und Zeitungen von MTV bis hin zur „Daily Mail“ berichteten über den Jungen.

          Kostümierung vorgeben?

          Die Realität in einem vierköpfigen Haushalt sieht so aus. Ich frage gegen Ende Januar meine Tochter, 6 Jahre: „Als was willst du gehen?“ „Ich weiß noch nicht. Prinzessin oder Eiskönigin.“ – „Du kannst doch auch als was anderes gehen. Fliegenpilz vielleicht.“ Meine Tochter denkt gerne über die Vorschläge ihrer Mutter nach. Das muss man ihr zugute- halten. Aber meistens macht sie dann doch, was sie will. Und sie will nun mal Prinzessin sein.

          Ist das schlimm? Muss man es ändern? Will man es ändern? Kann man es ändern?

          Sicher, man könnte die Dinge auch nicht einfach nur laufenlassen und es so machen wie bei Süßigkeiten: Um der Verführung zu entgehen, kauft man sie erst gar nicht. Wenn das Kind sagt: „Ich will Prinzessin werden!“, sagt man einfach, „Nein, wir haben kein Prinzessinnenkostüm, nimm das Drachenkostüm von deinem großen Bruder, das muss reichen.“ Gut möglich, dass es dann zum Faschingsboykott kommt.

          Jungskostüme haben bei Mädchen keine Chance

          Oder man liest dem Kind das Buch „Jonas wird Prinzessin“ vor. In der Geschichte will ein Junge als Prinzessin gehen, die Mutter rät davon ab, weil er gehänselt werden könnte. Doch dann tauscht Jonas im Kindergarten sein Kostüm mit seiner Zwillingsschwester, tritt als Prinzessin auf und die anderen lachen. Aber es wird doch noch alles gut, weil Basti, der coole Praktikant, Jonas’ Kostüm super findet und sich selbst als Pippi Langstrumpf verkleidet hat.

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