18.11.2006 · Rund 1,3 Millionen Dollar hat er als anonymer Nikolaus im Lauf von 26 Jahren an Bedürftige verteilt. Jetzt ist „Secret Santa“ an Krebs erkrankt und lüftet seine Identität: Larry Stewart will andere inspirieren, ebenfalls Geld und Zeit zu schenken.
Mehr als ein Vierteljahrhundert lang hat er als anonymer Nikolaus viele Menschen in den Vereinigten Staaten glücklich gemacht. Jedes Jahr zog der „Secret Santa“ vor Weihnachten durch die Straßen und verteilte kleine Geldgeschenke - insgesamt rund 1,3 Millionen Dollar.
Weil er an Krebs erkrankt ist, hat der Wohltäter das Geheimnis um seine Identität jetzt gelüftet: Es handelt sich um Larry Stewart, einen 58jährigen Geschäftsmann aus Lee's Summit im US-Staat Missouri.
„Sie haben keine Ahnung, was das für mich bedeutet“
Alles begann im Dezember 1979. Stewart hatte gerade seine Arbeit verloren und fuhr zu einem Drive-in-Restaurant. „Es war kalt, und die Bedienung hatte keine dicke Jacke“, erinnert sich Stewart. Er gab ihr 20 Dollar und sagte, sie solle das Wechselgeld behalten. „Plötzlich begannen ihre Lippen zu zittern und Tränen rollten ihre Wangen herunter“, erzählt Stewart. Sie habe gesagt: „Sir, Sie haben keine Ahnung, was das für mich bedeutet.“
Noch am selben Tag ging Stewart zur Bank und hob 200 Dollar ab, um sie an Bedürftige zu verteilen. Das habe er sich selbst zu Weihnachten geschenkt, sagt er - auch in jedem folgenden Jahr. Das Schöne daran, Bargeld zu verschenken, sei, daß die Menschen nicht dafür betteln, anstehen oder sich bewerben müßten.
„Secret Santa“ erlaubte Recherchen
Denn Stewart weiß, wie schwer das sein kann. Anfang der 70er Jahre hatte er nichts zum Leben. Müde und hungrig nahm er all seinen Mut zusammen und bat eine junge Frau bei der Kirchengemeinde um Hilfe. Sie sagte, die zuständige Person sei nicht da, er solle morgen wiederkommen. „Als ich mich umdrehte, wußte ich, daß ich das nie wieder tun würde“, sagt er.
Im Laufe der Jahre nahm der Umfang seiner Geschenke zu - verteilte „Secret Santa“ anfangs noch Fünf- oder Zehn-Dollar-Noten, waren es später Hundert-Dollar-Scheine. „Assistenten“ halfen ihm bei seiner wohltätigen Arbeit. Stewart stellte eine Web-Site ins Internet und erlaubte Recherchen von Journalisten - in erster Linie, weil er etwas über die Leute wissen wollte, die er beschenkt hatte. Die Medien mußten sich allerdings verpflichten, seine Identität geheim zu halten.
„Sind hier um anderen zu helfen“
Im April konfrontierten die Ärzte Stewart mit einer bitteren Diagnose: Er leidet an Speiseröhrenkrebs, der sich auch in die Leber ausgebreitet hat. Wegen der Chemotherapie habe er bereits 45 Kilo abgenommen, erzählt er. Alle zwei Wochen müsse er nach Houston reisen und dort fünf bis sechs Tage bleiben. Die Behandlung verschlinge mehr als 16.000 Dollar im Monat, seine Versicherung habe eine Kostenübernahme abgelehnt.
Diese Situation hat Stewart veranlaßt, an die Öffentlichkeit zu gehen. Er möchte andere inspirieren, seinem Vorbild zu folgen und Geld und Zeit zu schenken. „Dafür sind wir hier“, sagt er, „um anderen zu helfen.“