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Väter bei Geburt : „Einige Männer sind hilflos“

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Die Geburt des Kindes gemeinsam zu erleben, kann die Beziehung der Eltern stärken. Bild: Science Photo Library

Bei einer Geburt erleben Männer ihre Partnerin in einer Ausnahmesituation. Das kann verstörend sein. Gute Vorbereitung ist deshalb wichtig.

          Dabei sein ist alles. Diesen olympischen Gedanken kennen viele aus dem Sport. Und in gewisser Weise lässt er sich, aus der Sicht der Väter, auf ein Ereignis übertragen, das zu den emotionalsten und elementarsten im Leben eines Menschen gehört: die Geburt eines Kindes. Die Natur hat es so vorgesehen, dass es Frauen sind, die dabei den aktiven Part leisten, während die Männer zum Passivsein verdammt sind. Das macht es für viele Männer nicht leichter, vor allem, wenn sie sich als „Macher“ verstehen. Aber das ist nur eine der Unwägbarkeiten, wenn es im Kreißsaal zur Sache geht.

          Seit etwa vierzig Jahren sind Väter in Deutschland bei der Geburt anwesend. „Früher war es ein Novum, heute ist es fast selbstverständlich, dass der Partner bei der Geburt mit dabei ist“, sagt Professor Kai J. Bühling, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Hamburg. Er geht davon aus, dass knapp 95 Prozent der werdenden Väter ihre Frauen in den Kreißsaal begleiten. „Der Wunsch der Frauen, dass der Mann bei der Geburt anwesend ist, kam in den siebziger und achtziger Jahren mit der Frauenbewegung auf. Dabei ging es zu Beginn darum, dass der Mann die Frau während der Geburt vertreten kann und ihre Wünsche den Ärzten mitteilt, wie ein Anwalt im Kreißsaal“, berichtet Hebamme Susanne Steppat aus Aachen. Wichtig sei heute allerdings, dass das Paar im Vorfeld über seine Wünsche und Erwartungen ehrlich spreche, so Steppat.

          „Einige Männer tun mir leid“

          Schwangere stellen sich oft Fragen wie: Möchte ich meinen Mann dabeihaben? Wie werde ich mich während der Geburt verhalten? Wie werde ich aussehen? Was macht dieses Erlebnis mit unserer Beziehung? Macht es uns zu besseren Eltern? Männer fragen sich dagegen, ob sie überhaupt dabei sein wollen. Was werde ich alles sehen? Kann ich danach wieder Sex haben? Viele werdende Väter denken aber auch, dass sie eigentlich nicht kneifen können, da es fast schon gesellschaftlich erwartet wird. „Über diese Sorgen und Ängste sollten Paare offen sprechen, aber diese Unterhaltungen finden nur selten statt“, weiß Steppat.

          Im Kreißsaal, so erzählt die Hebamme, gebe es immer zwei Sorten von Männern: Partner, die mitkommen, aber eigentlich nicht dabei sein wollen. Diese interessierten sich dann sehr für die Technik, versuchten sich mit dem männlichen Personal zu verbrüdern oder spielten mit dem Handy. Und dann gebe es Männer, die sich sehr um die Frau kümmerten und schauten, wo und wie sie sie am besten unterstützen könnten. Hebammen versuchen dabei im Kreißsaal immer aufzupassen, dass der Vater nicht frontal die Geburt miterlebt und Sachen sieht, die er vielleicht nicht sehen möchte.

          „Einige Männer tun mir leid“, sagt Gynäkologe Bühling. „Sie sind hilflos oder können kein Blut sehen. Den Männern sollte man das Erlebnis ersparen.“ Sie fühlten sich nutzlos, es werde kaum mit ihnen geredet, und der Fokus liege auf der Frau. Männer sollten darauf gut vorbereitet werden, was alles passieren kann und was man alles zu sehen bekommt, so Bühling. „Ich habe schon erlebt, dass die eigene Mutter oder Schwester, die eine solche Situation selbst schon einmal erlebt hat, beruhigender für die Gebärende ist als der Mann.“

          Sozialer Druck dabei sein zu müssen

          „Für mich war klar, ich bin bei der Geburt dabei“, erzählt Dirk Wilhelm, frischgebackener Vater. „Auch wenn man im Vorfeld häufig Horrorgeschichten von der Geburt erzählt bekommt oder damit kokettiert wird, ‚dass es so schlimm gewesen sei, dass man es fast nicht ausgehalten habe‘“, wie er von Freunden und Bekannten erzählt bekommen hatte. Wilhelm, der eigentlich anders heißt, hat kein Problem damit, Blut zu sehen. Im Vorfeld hat er sich vielmehr Gedanken darüber gemacht, ob Fruchtwasser oder Käseschmiere vielleicht komisch riechen werden. Sorgen hat er sich während der Geburt weniger um seine Frau gemacht als um sein Kind. „Ich hatte ständig das CTG im Auge und bin sofort nervös geworden, wenn auch Hebamme und Ärzte einen nervösen Eindruck gemacht haben“, sagt Wilhelm.

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