29.10.2012 · Der Kritiker Fritz J. Raddatz gilt als stilvolle Persönlichkeit. Mit Timo Frasch spricht er über Kunst als Dekor, die Verwüstung der Sprache und Stil als Korsett für Unsichere.
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sehr unterhaltsam, der alte Fritz. Allerdings auch sehr nachtragend - die von Robert Gernhardt veröffentlichte Frage, was denn das 'J' zwischen Vor- und Nachname bedeute ('Joethe wird er doch wohl nicht heißen':) hat er augenscheinlich (oder heisst es offensichtlich?;) nicht vergessen. Und die Aussage, Erziehung habe immer etwas mit Zwang zu tun, ordnet ihn deutlich (zum Glück) vergangenen Zeiten zu.
ist eine dem Mangel geschuldete Einsparhilfe.
Es erspart dem Gastgeber die vollständige Darreichung
höfischen Bestecks in einer Menüfolge, weil es bereits
gebrauchtes Besteck - "garder le couvert!" - der Einfachheit
halber für den nächsten Gang recyclet.
Wer nun bei fehlenden Messerbänkchen statt mit wortlosem
Lüpfen des Bestecks zur Schonung der Tischdecke des Gastgebers mit
Worten nicht spart, stellt vor allen Dingen eins unter Beweis: Mangel an Stil.
Eine zutreffende Charakterisierung des Alt-Kanzlers. Das ist wirklich
zum Schmunzeln.
Aber daß Selbstmord stilvoll sei, würde ich bezweifeln.
Stilvoll (wenn das Wort einen Sinn haben soll) ist das Gegenteil: sich
selbst mit seinen Schwächen anzunehmen und eben nicht weglaufen.
Aber bitte mit Stil; eine von Zimmerli (swiss made) sollte es schon
sein. Zu Hemden: Ob mit oder ohne Manschettenknöpfe, auf jeden Fall
doppelte Manschette. Wenn schon von der Stange, dann aber bittschön
wenigstens von Van Laack, besser noch Lorenzini. Das ganze wird
selbstverständlich von Hand gewaschen, gestärkt (nur Brust und
Manschetten) und gebügelt von der 25-jährigen 400,-
€-Jobberin aus Polen (nicht bei der Sozialversicherung angemeldet),
dafür aber für die Ästhetik des im Flur hängenden
Otto Dix noch zugängig. Messerbänkchen ade, bei so viel
Schwund nach Einladungen an Stil bewusste Freunde. Zur Messerablage
für´s Christofle de Paris oder Robbe & Berking reicht der
Tellerrand eines Meißener Services (Schwerter) vollkommen aus.
Notfalls tut´s auch das Royal Kopenhagen.
P.S.: Das Zeugs von Versace kommt bei uns nicht auf den Tisch und nicht
in den Salon. Zufrieden, Herr Raddatz?
... doch! ...
"400,- €-Jobberin aus Polen (nicht bei der Sozialversicherung
angemeldet), "
400-Euro-Jobber ("Geringfügig Beschäftigte",
"Minijob") sind durchaus angemeldet. Schauen Sie mal bei Wiki
nach, wie das funktioniert. Sie könnten was lernen.
Katachrese – aber Feingeist-Elite versagt dennoch
Im Forum entdeckt: Katachrese, Wort und Bedeutung habe ich jetzt auch
gelernt, kann ich jetzt auch. Aber morgen habe ich es bestimmt –
wie ein Turnbeutelvergesser (katachresenhaft) – wieder verdruselt,
und ich kann wieder von vorn anfangen (wie Schäuble bei seinen
täglich drei Rettungsversuchen Europas). Das stimmt mich schon
jetzt, in dieser Sekunde, in diesem unserem Lande des vergeblichen
Rettungswahns, traurig. Fällt mir gerade auf: Fritzchen J. R. setzt
sich weder für den Erhalt des Euro noch für die
Europazwangsunion ein – trotz linker Raddatz-Schwingungen damals,
als die Knaben noch schön waren am Thomas-Mann-Strand, trotz
elitemahnenden Friedens-Nobelpreises. Mannomann – mit der
Feingeist-Elite in D ist auch nicht mehr viel was los...
Selbstzweifel sind nicht sein Ding
Mit diesem Herrn kann ich nichts anfangen. Überheblichkeit ist auch Stilbruch. Über andere öffentlich zu lästern, ebenso. Herrn Sloterdijk wegen seiner Haare zu kritisieren und selbst die Haare in alle Richtungen zu stellen: na, na. Da fällt mir nur der Satz ein: Einbildung ist auch eine Bildung. Einem Sechzigjährigen das Werk von Otto Dix nicht mehr erklären zu wollen: Auf welchem Orbit kreisen Sie denn, Herr Raddatz? Haben Sie darüber mal mit Herrn Dix gesprochen? Nehmen Sie bitte Ihr Spargelbesteck mit auf Ihre Wolke und verschonen Sie Ihre Mitmenschen!
Rumpelstilzchen mit Sti(e)lbruch
Ich kann meinen erlauchten Mitforisten nur beipflichten und bezweifle,
ob derartige Manier intelligenten Zeitgenossen die Freude an Manieren,
Wissen, Bildung und schoepferischer Selbstgestaltung nahebringen kann.
Zu viel Beschaeftigung mit dem Stilbruch der anderen zu Zwecken der
Selbst-befriedigung, zu viel Lust an den Wonnen der Gewoehnlichkeit
zeigt dieser Herr, um selbst zu einem wahren Stilisten avancieren zu
koennen. Zu viel Katachrese fuehrt in die Malaise.
Stiellose Katechese
Es heißt Katechese, für alle erlauchten, stiellosen Mitfloristen. Auch Lauch ist eine Stielpflanze, jetzt reicht es aber !!!!!!!!
Menno, Prof. Koentges!
SIE können aber schwere Wörter und jonglieren sogar
lürisch damit. Nachdem ich aber nachgeschaut habe, kann ich
»Katachrese« auch. Als Erstes stelle ich indes fest, dass
Sie das Wort max. halbrichtig verwenden, wenn Sie schreiben »Zu
viel Katachrese fuehrt in die Malaise.«.
Da schlägt doch wohl das Fass der Krone den steten Tropfen ins
Gesicht, Prof. Koentges! Andererseits: Wer reimt, hat recht. So sei
Ihnen noch einmal verziehen. (o;
ps. besonders seiner beschreibung von h.schmidt ist nicht
hinzuzufügen. sie ist dermaßen treffend auch in ihrer gemeinheit.
das hat sich der selbsternannte weltökonom schmidt, der nie mehr
war als ökonomisches mittelmaß , selbst zuzuschreiben.
ich muß gestehen, ich mußte die bedeutung von
"monitum" nachschlagen.
wie auch immer, immer ein vergnügen diesen klatsch und trasch und
die bosheiten von raddatz zulesen. ich habe mehrfach laut lachen müssen.
Die Ausführungen zu Kunst und Geschmack erscheinen etwas arg
verkürzt und laienphilosophisch. Durch Geschmach lässt sich
gerade nicht ermitteln, was Kunst ist und was nicht. Eine Definition von
Kunst im klassifikatorischen Sinn hat mit persönlichem Geschmack
nichts zu tun. Es lässt sich sicher darüber streiten, ob die
Arbeiten von Hirst gute oder schlechte Kunst sind. Das ist dann aber
eine evaluatorische Aussage. Man kann die Texte von Frau Hegemann
anspruchslos, redundant oder handwerklich schlecht finden, aber die
Anwendung solcher Prädikationen macht nur Sinn, wenn man die Texte
zuvor als Literatur erkennt. Oder einfacher: Ob Herr Raddatz ein Buch
von Frau Hegemann lesen oder sich ein Werk von Hirst ins Wohnzimmer
hängen würde, hat vielleicht etwas mit Geschmack zu tun, aber
nicht damit, ob etwas Kunst ist.
Sein Unterhaltungswert ist ungeheuer, aber...
... noch mehr davon ginge mir auf die Nerven. Auch das geistvollste
Geschwätz läuft sich irgendwann tot.
Mir ist der bäuerische, unbeholfene, kauzige, oftmals peinliche und
"unmöglich" gekleidete Anton Bruckner tausend Mal lieber!
(mit Ausrufungszeichen).
noch ein Nachtrag...
man beachte, dass die feinsinnige FAZ das Interview nicht im Feuilleton, sondern unter "Gesellschaft" eingeordnet hat.
Jetzt weiß ich warum Fashion und Fashism den selben Wortstamm haben. Ich sollte eine Wiederstandsgruppe gründen. Wie wär "Die weiße Hose... mit Bremsspur"?
Antworten (4) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 31.10.2012 11:30 UhrWatt ihr Volt
hallo, Herr Ohm,
Mußte schmunzeln. Loriot würde sagen, sie seien ordinär.
Er hatte, wie wir alle(da menschlich)den Hang zum Ordinären.
Er würde den "dirty young men" im Schwimmbad
"schlitzverstärkte Feinrippware" empfehlen, damit sie
ihren "Kosakenzipfel" und die Jeans schonen.
Er ist halt immer noch der Größte, da wirklich stilvoll.
zum Korrrekktor tauche ich übrigenz überhaut nicht. diese
kradwanderung haut den stärksten Raddatz um.
Ja, richtig.
Als Hobbyelektroniker sollte ich eigentlich wissen, wie man Widerstand schreibt. Aber Ihr Hinweis, ich sei ordinär, bringt mich auf ganz andere Ideen: Statt eine Widerstandsgruppe zu gründen, sollte ich das Thema Bremsspur auf ein paar hundert Seiten saftig ausbreiten und veröffentlichen! Das wird bestimmt 'n Bestseller! Sofern Ihnen nicht schlecht wird, dürfen Sie gern Korrektur lesen. Und während Herr Raddatz vor Ärger über soviel geballte Stillosigkeit sein Messerbänkchen verschluckt, schwimme ich eine morgentliche Runde in meinen frisch verdienten Milliönchen.
Das Interview ist köstlich und kurzweilig. Eine große
Inszenierung mit vielen bösen Hieben und Widersprüchen. Die
Kritik an Gernhardt ärgert mich auch, aber R. ist ja ein Schelm:
Mit diesem Satz eröffne sich ihm keine neue Welt: Das heißt
nichts anderes, als dass er die durch Gernhardt Beschriebene wohl gut
kennt. Auch eine Offenbarung.
Wie wohl überhaupt: R. liefert den Schlüssel für seine
Entlarvung in jeder Antwort - ehrlich, wenn auch nicht ganz offen. Er
ist ein frühes Marketingtalent. Wie Bill Gates und andere zumindest
wirtschaftlich wesentlich Erfolgreichere als er.
Die Welt ist bunt, möge er uns noch lange erhalten bleiben.
Gernhardts Kritik an seinem Schreib-"Stil" muß ihn
schwer getroffen haben, wenn er ihn "Herr" Gernhardt nennt.
Dabei hat Gernhardt in mehreren lesenswerten Artikeln die Inkompetenz
Raddatz´ herausgearbeitet. Da ist seine mit Fehlern gespickte
Tucholsky-Biographie, da sind seine sinnlosen Wortschöpfungen.
"Erbitternis", "zersieben", lauter Lachnummern,
für die er von Gernhardt zurecht verspottet wurde. Von den reinen
Grammatikfehlern sollte man lieber schweigen, sonst wird es nur noch peinlich.
Die Frage bleibt, wie ein so kenntnisloser Stümper wie Raddatz so
einen Bekanntheitsgrad erreichen konnte. Bezeichnend für das
deutsche Feuilleton ist das hoffentlich nicht.
Gernhardts Kritik an seinem Schreib-"Stil" muß ihn
schwer getroffen haben, wenn er ihn "Herr" Gernhardt nennt.
Dabei hat Gernhardt in mehreren lesenswerten Artikeln die Inkompetenz
Raddatz´ herausgearbeitet. Da ist seine mit Fehlern gespickte
Tucholsky-Biographie, da sind seine sinnlosen Wortschöpfungen.
"Erbitternis", "zersieben", lauter Lachnummern,
für die er von Gernhardt zurecht verspottet wurde. Von den reinen
Grammatikfehlern sollte man lieber schweigen, sonst wird es nur noch peinlich.
Die Frage bleibt, wie ein so kenntnisloser Stümper wie Raddatz so
einen Bekanntheitsgrad erreichen konnte. Bezeichnend für das
deutsche Feuilleton ist das hoffentlich nicht.
Ein geckenhafter Vouyeur, aber ein schönes Interview, das auf
eigene Weise eine Lektion über Stil erteilt.
Wie lächerlich die Empörung über den geschenkten Pilz!
Nahezu ekelhaft ist die Passage über Uriniergewohnheiten des
kranken Rühmkorf.
Wie beglückend dagegen ist es, alte Menschen mit Lebenserfahrung
und -weisheit kennenlernen zu dürfen, die sich Aufgaben suchen und
gebraucht werden.
Die haben Stil - jenseits aller Socken und Messerbänkchen.
"... dann war die Tür eben wieder auf."
Sehr geehrter Herr Raddatz,
muss es nicht "offen" heißen?
MfG, Hillebrandt
Aufklärung, Herr Walter
In richtigem Deutsch heißt es: Die Treppe hinauf (oder herauf, je
nach Standpunkt).
Übrigens spricht man hochdeutsch dort, wo Deutschland hoch ist (im
Süden). Das Gegenteil von hochdeutsch ist niederdeutsch ;)
Wohl wahr, Herr Marvin Parsons!
Wenn ich schreibe »die Treppe hoch« – was sollte das Anderes sein als Hochdeutsch? Niederdeutsch? Da schriebe ich doch »de Trepp runner«, odrr. Dabei lassen wir mal »treppauf/treppab« außen vor. Beachten Sie aber die im Norddeutschen obligate Selbstdehnung zu »selber«.
Norddeutsche
halten ihre sprachlichen Marotten für hochdeutsch (vg. "die Treppe hoch" und "außen vor").
die Nichtigkeit der Reeperbahn
Zeit seines Lebens,nun wieder in seinem Erscheinen in der FAZ,hat Herr
Raddatz sich in eine Maske gefluechtet. Peinlich ist nicht,dass er sich
aller Welt bedient, um Bedeutung zu gewinnen, schlimm ist und ,darf ich
sagen,erschuetternd,dass er weiss, und obendrein feiert, was schlechthin
nichtig ist.
Wie,so ist zu fragen, ist einem zu helfen,der so verwegen seine
geistlosen Gebaerden zu zelebrieren, das Nichts seiner selbst,versucht.
Maske ??
Ich flüchte mich in eine Gesichtsmaske, gefällt mir.
Kommt ein Wanderer des Weges ...
Kommt ein Wanderer des Weges und singt »Auf der Reeperbahn nichts um halb Eins ...«
Fritz Raddatz, immer ein bißchen tipsy - nie langweilig
Und wenn ich der einzige bin, der ihn gern hat – ich liebe Fritz Raddatz zum Beispiel für diese Sätze: „Zunächst ist Walter Jens, der kein Wort Französisch konnte, ein schlechter Zeuge für diesen Vorgang. Er beherrschte ja keine lebende Sprache, knapp Deutsch.“ Über Damien Hirst: „Das ist Masche, nicht Kunst.“ Und zur Gegenwartsmusik: „Stampfmusik (...), dann denke ich: Sind da Bauarbeiten im Gange?“ Trefflich Helmut Schmidt charakterisiert: „Dieser an Geschwätz-Diarrhoe leidende Ersatz-Hindenburg benutzt den Apparat des Bundeskanzleramtes, immerhin steuerbezahlte Leute, als seien sie seine persönlichen Domestiken. (...) Warum nimmt er sich das also heraus? Ist er was Besseres als die anderen? Nein. Er ist ein gescheiterter Politiker und ein Angestellter eines Zeitungsverlages. Nichts anderes.“ Fritz Raddatz, immer ein bißchen tipsy, nie langweilig - ich liebe ihn. Sein Sozialismus-Gehabe von einst: stilvoll vergessen. Raddatz ist einfach großartig! Und er ist keine Seerose!
Herr Raddatz sagte:
"Auch da erschöpft sich für mich Stil nicht in der Frage,
welche Hemden jemand trägt, ob mit Manschettenknöpfen oder
ohne, wenngleich ich darauf Wert lege."
Das erinnert mich an Seneca (Epistolae Morales):
Goldene Zügel machen ein Pferd nicht besser.
Mit guten Segenswünschen
Claus F. Dieterle