http://www.faz.net/-gum-74cr8

Friedhofsstreit : Echte Liebe über den Tod hinaus

Trainer Jürgen Klopp mit Jens Pascal im Dezember 2011. Bild: dapd

Als die Eltern für ihren verstorbenen Sohn einen Grabstein mit Borussia-Dortmund-Logo aufstellen wollen, sperrt sich die katholische Gemeinde dagegen. Nach einem Shitstorm im Netz und Gesprächen zwischen den Beteiligten wird ein Konsens gefunden.

          Als er wusste, dass der Krebs ihn besiegen würde, nahm Jens Pascal Schmidt seiner Mutter ein Versprechen ab. „Wenn ich gestorben bin, dann möchte ich einen Grabstein mit dem Club-Logo.“ Der neun Jahre alte Jens Pascal war ein glühender Anhänger von Borussia Dortmund 09. Und die Profis vom BVB wiederum ließen sich vom Schicksal ihres kleinen Fans anrühren. Im Dezember vor einem Jahr besuchten Marcel Schmelzer, Roman Weidenfeller und der als Weihnachtsmann verkleidete Trainer Jürgen Klopp den Jungen in der Dortmunder Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Im Mai starb Jens Pascal an einem Hirntumor.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Seine Eltern ließen mit Zustimmung des Vereins einen Grabstein mit einem eingravierten BVB-Logo und dem Vereinsspruch „Echte Liebe“ entwerfen. Obendrauf sollte ein steinerner Fußball montiert werden. Doch als die Schmidts den Stein im Juli auf dem Grab ihres Sohnes aufstellen wollten, verweigerte die zuständige katholische Kirchengemeinde Mariä Heimsuchung im Dortmunder Stadtteil Bodelschwingh ihre Zustimmung. Der Entwurf sei „dem Ort eines katholischen Friedhofs nicht angemessen“, urteilte der Kirchenvorstand. Auch seien Inschriften und Darstellungen, die der christlichen Religion nicht entsprechen, laut Friedhofsordnung verboten. Seit dieser Entscheidung fegte über Mariä Heimsuchung die Heimsuchung des digitalen Zeitalters hinweg: Im Internet organisierten Fußballfans einen sogenannten Shitstorm, an dem sich nicht nur BVB-Anhänger, sondern erstaunlicherweise selbst Fans des Erzrivalen Schalke 04 beteiligten. Sogar einen Protestzug erwogen die Fußballfreunde.

          Kirchensprecher Michael Bodin empfindet den Sturm der Entrüstung als ungerechtfertigt. Das Klärungsgespräch, das am Dienstag mit den Schmidts stattgefunden habe, wäre nach Bodins Einschätzung auch ohne die große Medienaufmerksamkeit möglich gewesen. Jedenfalls habe man nun zu einem Ausgleich der Interessen gefunden. Der Kompromiss sieht vor, dass der steinerne Fußball nicht mehr auf der Spitze des Grabsteins, sondern davor angebracht wird. Zudem soll der Grabstein leicht gedreht werden, damit an seiner Seite „ein christliches Symbol, beispielsweise eine Taube, Platz findet“. Kirchenmann Bodin findet, dass damit der Fußball nicht mehr als das dominierende Element auf dem Friedhof erscheine. Außerdem werde durch ein christliches Symbol zum Ausdruck gebracht, dass sich die Aussage „Echte Liebe“ nicht nur auf den Fußball bezieht.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Ohne Aubameyang ist Dortmund zu harmlos

          1:1 bei Hertha BSC : Ohne Aubameyang ist Dortmund zu harmlos

          Der bockige Stürmerstar fehlt der Borussia in Berlin. Dann geht Hertha durch ein Blitztor nach der Pause auch noch in Führung. Der BVB gleicht später aus – und hat dann doppeltes Pech.

          Papst begeistert- mit Ausnahmen Video-Seite öffnen

          Franziskus in Chile : Papst begeistert- mit Ausnahmen

          Mit rund 400.000 Gläubigen feierte das Oberhaupt der katholischen Kirche einen Gottesdienst in Santiago de Chile. Zuvor wurde er von Zehntausenden frenetisch bejubelt, aber auch Kirchenkritiker säumten den Weg.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Per Hammelsprung ließ die AfD nachzählen, ob genug Abgeordnete gegen waren. Die Sitzung wurde abgebrochen.

          Union und AfD : In der Klemme

          Besonders die Union tut sich schwer im Umgang mit der AfD. Gemeinsame Sache will man zwar nicht machen, eine Ausgrenzung aber nutzt den Rechten.

          Regierungsbildung : Lindner schließt Jamaika-Neustart aus

          Der FDP-Chef rechnet im Fall eines SPD-Neins zur großen Koalition mit schnellen Neuwahlen. Angela Merkel scheue eine Minderheitsregierung. Er selbst will nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.