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Frankfurt : Orchester probt für den Weltrekord

  • Aktualisiert am

Violinisten allein reichen für den Weltrekord nicht aus. Alle Instrumente müssen mit einer Mindestanzahl im Orchester vertreten sein. Bild: dpa

8000 Musiker haben sich am Samstag in der Frankfurter Commerzbank-Arena zu einem Konzert verabredet. Sie wollen einen Weltrekord aufstellen.

          Diesmal ist es kein EM-Jubel, der vom Public Viewing aus der Commerzbank-Arena dringt. Eher ein polyphones Blasen und Streichen, Trommeln und Flöten. Draußen schaut ein Junge im Fußballtrikot verwundert auf. Drinnen versucht Michael Reiss sein Tenorhorn zu stimmen. Neben ihm ertönen Tubas, Posaunen und Fagotte. Der Darmstädter sitzt in der Bläsersektion eines riesigen Orchesters. Unmöglich, hier akkurat zu stimmen. Reiss entscheidet: „Ein Laie wird es nicht hören.“

          Tausende Musiker aus Deutschland sind am Samstag in die Frankfurter Commerzbank-Arena gekommen. Als größtes Orchester der Welt wollen sie sich mit der Aktion „Wir füllen das Stadion“ ins Guinness-Buch der Rekorde spielen. Beim Rekordhalter, einem 2013 im australischen Brisbane aufgetretenen Orchester, wurden laut Guinness-Redaktion 7224 Musiker gezählt. Für den Versuch in Frankfurt haben sich mehr als 8000 Teilnehmer akkreditiert.

          Bei der Generalprobe am späten Samstagvormittag sind viele der auf dem Fußballfeld der Arena aufgestellten Plastikstühle schon besetzt. Jens Illemann, der das Spektakel initiiert hat, läuft von den Tontechnikern zur Bühne und klärt die letzten Fragen. Der Trompeter aus Hamburg hatte die Idee, das weltgrößte Orchester zusammenzustellen. Dabei ging es Illemann gar nicht nur um den Rekord: „Wir wollen ein Zeichen setzen, wie sehr Musik verbinden kann und wie wichtig sie für Deutschland ist.“ Und Spaß mache es eben auch, mit so vielen Menschen zu musizieren.

          „Musikmeile“ vor dem Stadion

          Illemann hatte Glück, mit Stadionchef Patrik Meyer einen großen Musikfan zu treffen. Lange war der Rekordversuch in Hamburg geplant, dann sagte ihm der dortige Veranstalter ab. Meyer dagegen, der selbst Schlagzeug spielt, sei sofort von der Idee begeistert gewesen. Und er bot gute Bedingungen: Frankfurt liegt zentral in Deutschland und das Stadion schützt die Instrumente mit seinem Zeltdach vor Regen. Auf einer „Musikmeile“ vor dem Stadion spielen vor dem Rekordversuch Orchester und Bands, es gibt Workshops und Buden mit Essensangeboten. Am Abend wollen verschiedene Musiker gemeinsam mit der Neuen Philharmonie Frankfurt auftreten.

          Voraussetzung für den Weltrekord ist den Guinnes-Regeln zufolge, dass alle Orchester-Instrumente mit einer Mindestanzahl vertreten sind. Das ist laut Veranstalter gelungen. Sogar Gruppen aus Österreich und den Niederlanden seien gekommen. Viele Musiker haben sich zu ihrer Instrumentengruppe gesellt, einige sitzen bei ihrem Heimat-Orchester. „Es soll sich für das Publikum gut anhören“, sagt Illemann. „Aber so wie das HR-Rundfunkorchester wird es wohl nicht klingen.“

          Vorne auf der Bühne steht Wolf Kerschek, Dirigent und Komponist aus Hamburg, der die schwierige Aufgabe hat, das Riesenorchester zusammenzuhalten. „Sehen mich alle?“, ruft er, als er auf der großen Leinwand erscheint. Vier Stücke, Auszüge aus Sinfonien von Dvorák und Beethoven, einen Song aus dem Musical „Starlight Express“ und die Hymne „Music was my first love“ soll das Orchester spielen. Die Noten haben die Musiker vorher zum Üben zugeschickt bekommen. Sie wurden neu arrangiert, damit sie jeder Teilnehmer spielen kann.

          Als bei der Generalprobe die ersten Takte von Beethovens „Ode an die Freude“ erklingen, wird es auf einmal ganz ruhig, nur die zarte Melodie der Geigen erfüllt das Stadion. Dann schwillt die Musik an und die Bläser setzen ein. Wolf Kerschek stoppt die Menge mit einer Handbewegung. „So etwas Gigantisches“, sagt er, „habe ich in meinem Leben noch nicht gehört.“ Zum Rekordversuch am Abend werden 30.000 Zuschauer erwartet.

          Quelle: dpa

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