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Fragen an Reinhard Witte „Das passiert regelmäßig“

 ·  Heinrich Schliemann, der Entdecker Trojas, ist vor 121 Jahren gestorben. Trotzdem bekommt er Frauenzeitschriften zugeschickt und ist „taz“-Genossenschaftsmitglied.

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© Privat Reinhard Witte, Museumsleiter Schliemann-Museum Ankershagen

Herr Witte, Sie leiten in Ankershagen das Museum über Heinrich Schliemann, den Entdecker Trojas. Der ist vor 121 Jahren gestorben, hat aber jetzt von einer Frauenzeitschrift eine Rechnung für sein Abo bekommen, adressiert ans Museum. Wie haben Sie reagiert?

Sehr überrascht war ich nicht. Ich hatte am Samstag mein 111. Vortrag gehalten, sie verstehen: Schnapszahl, da dachte ich mir schon, dass wieder etwas kommt.

Wieder?

Ja, Heinrich Schliemann bekommt regelmäßig Post. Die Zeitung „taz“ hatte mal geschrieben, dass er jetzt Genossenschaftsmitglied ist, auch ein „Bader“-Katalog kommt immer, da hat er sogar eine Kundennummer. Dieses Mal dachte ich, es ist wieder so ein Gag, dann kam aber tatsächlich eine Zeitschrift, und ich musste reagieren.

Was haben Sie gemacht?

Ich habe denen geschrieben, dass es mir sehr leid tut, aber Herr Schliemann wird das nicht mehr lesen können, weil er seit geraumer Zeit tot ist. Und für alle Fälle habe ich denen die richtige Adresse gegeben: Schliemann-Mausoleum, Athen. Ein bisschen lustig eben. Wissenschaftler müssen ja nicht immer ernst sein.

Haben Sie denn die Zeitschrift wenigstens gelesen?

Nein, ich hab mir nur die Titelseite angesehen.

Was ist drauf?

„Kate und William, hurra bald Zwillingsmama.“ Und noch jemand, den ich nicht kenne. Und etwas über Markus Lanz. Nichts für mich, ich lese seriöse Zeitschriften.

Wäre doch mal eine seichte Abwechslung zur Wissenschaft.

Meinen Sie? Naja, vielleicht werde ich es mir am Wochenende mal vornehmen.

Und danach ab in die Tonne?

Nein, das wird aufgehoben. Ich habe schon einen ganzen Aktenordner voll. Den zeige ich bei meinen Vorträgen.

Die Fragen stellte Andreas Nefzger.

Quelle: F.A.Z.
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