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Fotograf Guido Mangold : Die perfekte Achse im besten Licht

Die Hinterbliebenen Rose, Robert und Jackie Kennedy Bild: Guido Mangold

Guido Mangold aus München fotografierte vor 50 Jahren die Kennedy-Beerdigung. Danach musste er mit seiner Ausrüstung rennen, bis ihm die Puste ausging.

          Die Flagge war gerade gefaltet und an Jackie Kennedy übergeben, da rannte Guido Mangold los. Er wusste, fotografieren ist eine Sache, die Filme über den Atlantik zu schaffen eine weitaus wichtigere. Denn war die Beerdigung und damit auch das Protokoll erst einmal beendet, würden sich 600 Fotografen und Tausende Trauergäste ins Chaos stürzen. Er wühlte sich also durch Kollegen, Stative und Kamerataschen, sprang von der Tribüne und rannte los. Das hatte er schon am Tag zuvor geübt, als Testlauf. „Wie weit schaffe ich es mit Ausrüstung, bis mir die Puste ausgeht?“ Genau da musste er sein Auto parken, so weit, wie die Kondition reichte. Denn je weiter weg vom Chaos das Auto stand, um so größer die Chance, das letzte Flugzeug nach New York zu erwischen.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Den Biss verdankte Guido Mangold nicht zuletzt seiner schwäbischen Bodenständigkeit. Sie trägt ihn durchs Leben, das nicht erst aufregend wurde, als er mit 29 Jahren den Auftrag bekam, die Beerdigung des Präsidenten John F. Kennedy zu fotografieren. Als er 14 Jahre alt war, 1948, eröffneten ihm die Eltern beim Mittagessen, dass sie ihn von der Schule abgemeldet hatten, damit er nun eine Bäckerlehre beginne. Er habe erst mal geheult, sagt Guido Mangold heute, und dann das beste daraus gemacht – also Konditor gelernt. Als er in einem Schweizer Grandhotel als Patisseur zwölf Stunden am Tag arbeitete, wusste Mangold, dass das Schuften ihn einem Ziel näherbrachte, das er seit Monaten verfolgte: auszuwandern. Dass ihn sein Schweizer Küchenchef von dem Moment an triezte, als er 1954 in der Küche jubelte, weil das dritte Tor fiel, erschwerte seine Entscheidung nicht.

          „Ich werde für meine Augen bezahlt“

          Mangold, 20 Jahre alt, kratzte sein Erspartes zusammen für die Überfahrt von Bremerhaven nach Quebec: 20 Mann in Stockbetten, neben dem Maschinenraum. Von den sieben Tagen auf hoher See waren fünf Tage Sturm, mehr tot als lebendig kam er in Kanada an, erinnert sich Mangold. Es musste Kanada sein, weil dort kein Militärdienst drohte, und es musste Vancouver sein – weit genug weg von zu Hause, dass man nicht einfach die Flucht ergreifen konnte, wenn das Heimweh zuschlug. Das traf ihn schon, als er nach stundenlanger Zugfahrt in Vancouver ankam. 16 Passagiere vom Schiff hatten den Zug nach Vancouver genommen, 14 wurden am Bahnhof mit Küssen begrüßt, zwei standen mit ihren Koffern auf dem Bahnsteig im Regen, einer von ihnen Guido Mangold. Bis heute sei er dem Land tief verbunden, sagt er, nicht zuletzt, weil man eben nicht im Regen stehen gelassen wurde. Eine Sozialarbeiterin brachte ihn in ein Hotel, gab ihm etwas zu essen und die wichtigsten Formulare – und sagte ihm, wann der Englisch-Kurs beginnen werde.

          Am Sarg unter dem Sternenbanner: Die Witwe, die Kinder, Trauergäste

          In Kanada blieb Mangold knapp drei Jahre, arbeitete in einem Hotel und gewann die ersten Preise mit seinen Fotografien. Er hatte ein Art-Deco-Hochhaus fotografiert und war dafür 20 Stockwerke über Leitern hochgeklettert. „Fotografiert habe ich schon in Deutschland, mit einer Boxkamera und einer Agfa Silhouette.“ Nach den Preisen habe er gewusst: „Ich werde für meine Augen bezahlt.“ Als Schwabe habe er sich jedoch gedacht, es kann nicht ganz ohne Ausbildung gehen. So bewarb er sich von Kanada aus bei Otto Steinert, studierte bei ihm dann an der Essener Folkwangschule. Dort lernte er auch seine Frau kennen, die Textilkünstlerin Marta Mangold, mit der er bis heute verheiratet ist. Einer der ersten Jobs führte ihn 1961 in amerikanische Dienste, als Fotograf beim United States Information Service in Bad Godesberg. Als seine Schwester schwer erkrankte, bat ihn die Mutter um Nachtwachen in dem von Nonnen geführten Krankenhaus. Die Schwester überstand die Krankheit, und Mangold war so beeindruckt von der Arbeit der Nonnen, dass er sie fotografierte. Willy Fleckhaus, Chef-Layouter der „Quick“, sah die Bilder in der Zeitschrift „Kontraste“ und holte Mangold nach München.

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