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Foodsharing : Kein Fall für die Tonne

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Zurück vom Rettungseinsatz: Miriam Heil (vorn) und Maike Träm auf dem Weg zum Stützpunkt der Lebensmittelretter an der TU Darmstadt. Bild: Rainer Wohlfahrt

„Foodsaver“ bewahren Lebensmittel vor der Mülltonne. Sie wollen ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität setzen - und sind damit Teil einer wachsenden Bewegung. Ein Besuch bei Darmstädter Lebensmittelrettern.

          Der Raum im alten Hauptgebäude der Technischen Universität Darmstadt wirkt an diesem Nachmittag winzig. Auf den niedrigen Tischen und der verschlissenen Couch türmen sich 30 grüne Kisten, gefüllt mit Blatt- und Feldsalaten, Möhren, Auberginen, braun gesprenkelten Bananen, Paletten mit Schlagsahne, Joghurtbechern und Brotlaiben. Lebensmittel, die im Abfall gelandet wären, hätten Miriam Heil, Maike Träm und Natalie Hasenauer sie nicht abgeholt.

          Zweimal pro Woche fahren die drei Studentinnen Rettungseinsätze zu Supermärkten und Bäckereien. Meistens geht es um viel, so wie heute. „Doch wir kommen auch mal nur wegen eines Sacks Kartoffeln“, sagt Miriam Heil und sortiert Tüten mit Biovollmilch in den Kühlschrank ein.

          Die drei „Foodsaver“ sind Teil einer Bewegung, die immer größer wird. In Deutschland gibt es in mehr als 200 Städten schon etwa 80.000 „Lebensmittelretter“, die übriggebliebene Nahrungsmittel aus dem heimischen Kühlschrank kostenlos auf der Internetplattform „foodsharing.de“ anbieten und sie so vor dem Müll bewahren. Seit 2012 kann man sich dort registrieren und virtuell „Essenskörbe“ bereitstellen oder von anderen abholen, gefüllt etwa mit Birnen aus dem Garten oder dem frischen Gemüse, das den Urlaub nicht überstehen wird. Alle Teilnehmer bleiben anonym, Kontaktdaten werden erst ausgetauscht, wenn Anbieter und Abholer einen Termin vereinbart haben. Unter den Registrierten sind etwa 16.000 ehrenamtliche „Foodsaver“, die zudem regelmäßig übriggebliebene Lebensmittel von rund 2600 kooperierenden Betrieben einsammeln.

          Fast die Hälfte aller Lebensmittel wird weggeworfen

          So wie Miriam Heil und ihre beiden Kommilitoninnen. Aufgeschreckt hatte die 28 Jahre alte Magisterstudentin der Soziologie und Umweltwissenschaften 2011 der Dokumentarfilm „Taste the Waste“, in dem der Gründer des Vereins „Foodsharing“, Valentin Thurn, die Lebensmittelverschwendung ins öffentliche Bewusstsein rief.

          Dokumentarfilmer Thurn führte den Zuschauern drastisch das Ausmaß und die Folgen der globalen Nahrungsmittelvergeudung vor Augen, die den wenigsten präsent sind:  „Es ist absurd, wie viel Essen, das noch genießbar ist, einfach weggeworfen wird“, sagt er. Laut vorsichtigen Schätzungen eines Berichts der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen werden auf der Welt 1,3 bis zwei Milliarden Tonnen Lebensmittel im Jahr weggeworfen. „Das wäre fast die Hälfte aller Lebensmittel, genug, um drei Milliarden Menschen zu ernähren.“ In Deutschland sind es laut einer Studie der Universität Stuttgart rund elf Millionen Tonnen jährlich.

          Teilen statt Wegwerfen: Die „Foodsaver“ sortieren die geretteten Lebensmittel in den öffentlichen Kühlschrank ein, den „Fair-Teiler.“
          Teilen statt Wegwerfen: Die „Foodsaver“ sortieren die geretteten Lebensmittel in den öffentlichen Kühlschrank ein, den „Fair-Teiler.“ : Bild: Rainer Wohlfahrt

          Pro Kopf, schätzt wiederum das Verbraucherschutzministerium, entsorgt jeder Deutsche im Jahr etwa 82 Kilogramm Nahrungsmittel im Gegenwert von 235 Euro. „Diese Wegwerfmentalität ist fest in den Köpfen verankert und prägt unser Konsumverhalten“, sagt Thurn. Der angebrochene 300-Gramm-Becher Pudding, die braune Banane oder die Essensreste, die nach dem Urlaub noch im Kühlschrank stehen - „all das wird meist bedenkenlos entsorgt, ohne zu fragen, ob man es vielleicht nicht doch noch essen könnte.“

          Hartnäckig halte sich der Irrglaube, dass ein Joghurt mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum nicht mehr genießbar sei. „Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist nicht das Wegwerfdatum. Es gibt lediglich an, wie der Name schon sagt, wie lang ein Lebensmittel mindestens haltbar sein muss - und nicht, dass es nur bis zu diesem Zeitpunkt genießbar ist.“

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