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Flüchtling aus Eritrea : Ein neues Zuhause – und eine zweite Familie

  • -Aktualisiert am

„They are lovely people“: Theresa beim Spaziergang durch ihre neue Heimat Bild: Rebecca Erken

7644 Kilometer Odyssee: Auf ihrer Flucht von Eritrea übers Mittelmeer hat Theresa Entsetzliches erlebt. In einem Dorf im Sauerland ist sie nun „dezentral“ untergebracht. Und endlich frei.

          „Ich lebe ja“: Diesen Satz sagt Theresa immer wieder, als könnte sie ihn selbst kaum glauben. Als müsste sie sich bewusst machen, dass er wirklich wahr ist. Auch jetzt noch. Und auch noch innerhalb der nächsten paar Minuten und Stunden, in denen sie ihn mehrfach wiederholt. Als würde er seine Gültigkeit verlieren, sobald sie verstummt.

          Ihre Flucht aus Asmara, der Hauptstadt Eritreas, hat sie in ein Dorf im Sauerland geführt. Hierher kommen am Wochenende die Ausflügler, um einen Sonntagsspaziergang zu machen oder um im Winter einen Hügel mit Skiern herunterzurutschen. Theresa ist hierhergekommen, um ihr Leben zu retten.

          Zwischen Asmara und dem Ort, an dem sie jetzt lebt, liegen 7644 Kilometer - und eine Odyssee: Theresas Weg führte aus dem Hochland Eritreas durch die Savanne des Sudans, durch die Sahel-Zone, die Wüste Libyens, über das Mittelmeer, durch zahllose italienische und schließlich deutsche Städte.

          In dem kleinen Ort im Rothaargebirge lernt Theresa, was es bedeutet, „zu spazieren“, einen Schritt vor den anderen zu setzen, ohne auf der Flucht zu sein, ohne große Angst zu haben. Sie läuft an Fachwerkhäusern vorbei, durch kleine Gassen, vorbei an Jägerzäunen, Gasthöfen, Beeten mit Buchsbaumkugeln, akkurat gepflegten Vorgärten. Auf dem Weg von Eritrea musste sie ihre Schuhe zurücklassen, einen Großteil der Strecke war sie barfuß unterwegs. Jetzt stapft sie in warmen Stiefeln durch das Dorf, umgeben von dichtem Wald und hohen Bergen.

          Ein Leben für das Militär

          Theresa ist ein Mensch, der einen Fremden umarmt zur Begrüßung und ihm ihr herzlichstes Lachen schenkt. Sie ist jung, 28 Jahre alt, schlau, eine studierte Elektrotechnik-Ingenieurin, eine Frau mit dunklen Locken und ausdrucksstarken Augen. Wäre sie in Deutschland geboren worden, wäre sie womöglich die Chefin eines ambitionierten ökologischen Start-up-Unternehmens. Naturwissenschaften liegen ihr, Mathematik, Chemie und ganz besonders Physik.

          Dieser Artikel ist aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
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          Sie könnte eines dieser Alphamädchen sein, das alle abhängt, das in Berlin-Kreuzberg wohnt oder in einem anderen hippen Viertel einer Großstadt, das seine Mittagspausen in veganen Restaurants und seine Abende mit Electro Beats verbringt. Aber Theresa wächst als Jüngste von acht Geschwistern in Asmara auf. Damit ist sie ein Kind der eritreischen Militärdiktatur. Ihr Leben gehört dem Militär, so sehen das die Machthaber in Eritrea.

          Sie erzählt, wie sie in ihrem Beruf bei einer Telekommunikationsfirma kaum arbeiten durfte, wie sie sechs Jahre lang zum Militärdienst gezwungen wurde, für ein Land, das sie nicht verlassen darf, das sie einsperrt. „In Eritrea beherrscht das Militär alles“, sagt sie.

          Kein Platz für ein Leben

          Theresa äußerte sich öffentlich kritisch, in einem Land, in dem keine Meinungsfreiheit existiert, das in der Pressefreiheits-Rangliste der „Reporter ohne Grenzen“ regelmäßig auf dem letzten Platz landet. Sie berichtet, wie sie immer wieder als Grenzposten eingesetzt wurde, wie die eritreischen Befehlshaber ihr Waffen gaben, um die Grenzen zu bewachen, die sie schließlich selbst übertrat - weil ihr Heimatland keinen Platz ließ für ein Leben.

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