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Flüchtlinge in Kalifornien : Wenn Kirchenasyl das letzte Mittel ist

  • -Aktualisiert am

Bietet Unterschlupf: Pastor Fred Morris in seiner Kirche Bild: F.A.Z

Zehntausende Migranten aus Lateinamerika fürchten, von Donald Trump abgeschoben zu werden. Einige Pastoren in Kalifornien bieten ihnen Schutz – auch wenn dies illegal ist.

          North Hills könnte auch in Zentralamerika liegen. An schmucklosen Ladenzeilen werben Neonschilder in Spanisch für Tamales und Pasteles, an den Straßenecken stapeln sich Müllsäcke und zerbrochene Möbel. Die Fenster sind bis ins zweite Stockwerk vergittert, während sich das Leben auf der Straße abspielt. Junge Latinos stehen gelangweilt auf dem Gehweg, Hühner suchen in den Rissen der Betonplatten nach Futter. North Hills, wo sich Mitte des 19. Jahrhunderts Farmer und Rancher niederließen, um Zitrusfrüchte zu ziehen und Vieh zu züchten, zählt zu den trostlosen Flecken von Los Angeles. Die ländliche Region Mission Acres im Norden des San Fernando Valley wurde nach dem Krieg zu einem Vorort meist weißer Familien. Sepúlveda, wie das Viertel damals hieß, blieben aber nur wenige Jahre.

          Als Dealer und Gangs den Ruf des Viertels ruinierten, entschlossen sich die Bewohner zu einer Namensänderung. Vor etwa 25 Jahren wurde aus Sepúlveda der Stadtteil North Hills. Die sozialen Probleme des Viertels konnte der Name nicht heilen. Mehr als 60 Prozent der etwa 60.000 Bewohner haben hispanische Wurzeln. Fast jeder zweite Latino wurde nicht in den Vereinigten Staaten geboren. Ein Gemeinschaftsgefühl stellte sich unter den Einwanderern aus Ländern wie Mexiko, El Salvador, Honduras, Guatemala und Panama nicht ein.

          „Die Leute fürchten um ihr Leben.“

          „Als ich hier ankam, waren die Fenster der Kirche vernagelt. Die Gemeinde hatte aufgehört zu existieren“, erinnert sich Pastor Fred Morris. In den vergangenen drei Jahren hat der Geistliche die United Methodist Church wieder zum Leben erweckt. Jeden Sonntag kommen etwa 75 Familien in den schmucklosen Bau, um an Pastor Morris’ Gottesdiensten teilzunehmen. Die fast zehn Meter hohe Orgel erklingt aber nur selten. „Gläubige aus Zentralamerika haben für Orgelmusik nicht viel übrig“, sagt Pastor Morris. „Sie hören lieber Gitarre.“

          Die North Hills United Methodist Church ist für viele Einwanderer aber nicht nur ein Gotteshaus. Jeden Freitag kommen Dutzende Obdachlose für eine warme Mahlzeit und eine Dusche an die Rayen Street. Im Kindergarten der Kirche werden täglich Neugeborene und Vorschüler betreut, während ihre Mütter Englischkurse belegen. Vor einigen Monaten schloss sich die Gemeinde auch der amerikanischen Zufluchtsbewegung an, die illegale Einwanderer vor der Abschiebung schützt. In einem Seitenflügel des eingezäunten Gebäudekomplexes richtete Pastor Morris mit Freiwilligen eine Wohnung her, um Einwanderern auf der Flucht vor der Polizei- und Zollbehörde des Ministeriums für Innere Sicherheit (ICE) aufnehmen zu können.

          Kirche als Zufluchtsort: Pastoren und Gemeindemitglieder der Foundry United Methodist Church in Washington D.C. fordern Schutz und Sicherheit für Migranten.

          Schon während Barack Obamas Präsidentschaft, die im Januar mit dem Einzug des Republikaners Donald Trump in das Weiße Haus endete, stieg die Zahl der Razzien gegen Einwanderer. Zwischen 2009 und 2017 ließ Obama schätzungsweise 2,5 Millionen „Illegale“ deportieren – mehr als jeder amerikanische Präsident vor ihm. „Obama war fürchterlich. Er schickte jeden Tag durchschnittlich 1000 Menschen in arme Länder, die von Bandenkriminalität heimgesucht werden“, sagt Morris. Die Ankündigung Trumps, weitere Millionen zu verhaften und gen Süden abzuschieben, ließ Panik in Einwanderervierteln wie North Hills aufkommen. „Die Leute fürchten um ihr Leben.“

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