26.05.2006 · In ihrer Heimat Finnland sind sie Helden, seit die Rocker von Lordi den Eurovision Song Contest gewonnen haben. Wer ihren Wunsch nach Privatheit nicht respektiert, bekommt es mit Hunderttausenden Fans zu tun.
Es ist knapp eine Woche her, daß die Rockband Lordi den Eurovision Song Contest gewann, aber die Begeisterung ihrer Landsleute schraubt sich weiter in die Höhe. Für ein Begrüßungskonzert der Band am Freitag auf dem Marktplatz von Helsinki müssen Busse und Bahnen ihre Routen ändern, denn mehr als 50.000 Zuhörer wollen den Weltrekord im „Karaoke-Singen“ brechen, wenn sie gemeinsam das Siegerlied „Hard Rock Hallelujah“ grölen werden. Die Band wird außerdem mit einer Sondermünze geehrt. Die Finnische Münze wird das Sammlerstück für die ersten finnischen Sieger beim Eurovisions-Wettbewerb in Athen rechtzeitig vor dem nächsten Gesangswettbewerb im kommenden Frühsommer prägen.
Wehe dem, der den neuen Helden der Nation, die nach ihrem Sieg vom Premierminister des Landes am Flughafen empfangen wurden, zu nahe tritt. So geschehen durch die Redaktion des Wochenblattes „7päivää“, weil es ein sieben Jahre altes Bild des Lordi-Sängers Tomi Putansuu veröffentlicht hatte, das ihn ohne die typische Teufelsmaske aus Latex zeigt. „Die Masken, das sind wir. Die Personen dahinter interessieren nicht“, hatte der Sänger vor und nach dem Sensationssieg in Athen immer wieder begründet, warum weder er noch sein Zombie-Gitarrist Amen, die Walküre Awa an den Keyboards, die trommelnde Mumie Kita oder Horror-Bassist Ox sich je ohne Maske öffentlich zeigen wollen.
Protest von 200.000 Finnen
Ausländische Zeitungen hatten schon Bilder der unverhüllten Gesichtern gedruckt, aber in Finnland bedeutet das einen Tabubruch. Knapp 200.000 der 4,5 Millionen Bürger im Land der tausend Seen unterzeichneten bis Freitag im Internet einen Boykottaufruf gegen das Wochenblatt „7päivää“. Es mußte seine Internetseite vorübergehend schließen, weil es mit Protestschreiben überflutet wurde. Viele Bezieher kündigten ihr Abonnement. Die Chefredakteurin des Bildheftes begründete den Abdruck damit, daß eine Wochenbeilage schon 1999 Putansuus Foto druckte, bei dem er seine Tätowierungen mit Bildern der amerikanischen Rockband „Kiss“ zeigte. Die Band Lordi bat auf ihrer Webseite ihre Fans, beim vierstündigen Konzert am Freitag abend Aggressionen gegenüber Journalisten zu zügeln.
Bis zum 6. Dezember, dem finnischen Unabhängigkeitstag, kann die Band sich dann entscheiden, ob ihnen ihre Privatsphäre oder ein Besuch bei der finnischen Präsidentin wichtiger ist. Tarja Halonen wolle die Gruppe zu einem offiziellen Empfang laden, aber nur, wenn sie ohne ihre Latex-Masken ins Präsidentpalais kommen. Doch wenn Lordis Popularität weiter wächst wie bisher, gibt bis dahin vielleicht auch die „Rote Tarja“, wie die Präsidentin wegen ihrer knalligen Haarfarbe gerne genannt wird, nach.
Wie kann man nur...
Etienne Corbeille (Etienne6)
- 27.05.2006, 06:34 Uhr
Re: Wie kann man nur...
Richard Scholl (scholli1961)
- 27.05.2006, 13:50 Uhr
Einfach nur lächerlich. . .
Tobias NYSE (TobiasNYSE)
- 27.05.2006, 19:21 Uhr
Fraglich...
Andreas Wessels (PhunkyData)
- 28.05.2006, 17:59 Uhr