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Legendärer Filmproduzent : Artur Brauner denkt vielleicht ans Aufhören

Artur Brauner, aufgenommen im September 2016 in Berlin. Da ist er 98 Jahre alt. Bild: dpa

Noch ein, zwei Großprojekte hat er in der Pipeline, anschließend soll Schluss sein – im August wird er 99 Jahre alt: Filmproduzent Artur Brauner hat überraschend seinen Rücktritt erklärt. Nicht ohne einen Appell an die Jugend loszuwerden.

          Wer lange leben will, sollte einfach immer weiter arbeiten. Das Rezept funktioniert jedenfalls bei Artur Brauner, den die Tatsache, dass er am 1. August läppische 99 Jahre alt wird, nicht davon abhält, langfristig zu planen. Sein Lebenswerk, die legendäre Berliner Filmproduktionsgesellschaft CCC, ist voriges Jahr 70 geworden, mehr als 700 Filme sind in den Studios in Haselhorst entstanden, wo die Stars vor allem der fünfziger und sechziger Jahre ein und aus gingen. So zwei, drei Großprojekte, sagt Brauner, habe er derzeit in der Pipeline. „Bis Ende 2019, Anfang 2020“ halten die ihn beschäftigt. „Dann höre ich wahrscheinlich auf“, kündigte der Filmproduzent nun an.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Eine überraschende Prognose, die das Publikum des Wiesbadener Filmfestivals Go East beinahe ebenso ungläubig zur Kenntnis nahm wie kurz zuvor seine Tochter und Ko-Geschäftsführerin Alice Brauner das Kompliment des Vaters, sie sei „schön und talentiert“. „Das habe ich noch nie gehört“, sagte sie. Der Jubiläums-Dokumentarfilm „Marina, Mabuse und Morituri“ über Brauners Lebenswerk CCC, der im Beisein von Brauner, seiner Frau Maria und der Familie seiner Tochter seine Uraufführung erlebte, zeigt durchaus, dass das Arbeiten mit ihm nicht immer Zuckerschlecken ist. „Wenn es um das Berufliche geht, wird es laut“, sagt auch die 1966 geborene Produzentin und Tochter Alice Brauner.

          Auf die Familie hingegen lassen die Brauners nichts kommen – auch das ein Rezept, das man lernen kann von dem unerschütterlichen Greis. Der mag im Gespräch nicht mehr so agil sein wie einst, aber sein Menjou-Bärtchen glänzt lackschwarz wie eh und je. Einst war es in jedem Illustriertenbericht von Filmbällen und Premieren zu sehen, Brauner und seine CCC, das sei „wie Hollywood“ gewesen, schwärmt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick im Film. Für Unterhaltungsfilme ist er bekannt, erst seit kurzem aber würdigen Filmwissenschaft und Kritik Brauners Einsatz auch für Filmkunst und vor allem für Filme, die an den Holocaust erinnern wie „Hitlerjunge Salomon“ und die er mit seinen Erfolgsfilmen allen Widrigkeiten zum Trotz querfinanzierte.

          Aus dem Archiv: Petra Schürmann und Artur Brauner auf dem 16. Mathäser-Filmball am 17.01.1974 in München.

          Als junger Mann konnte sich Artur Brauner, 1918 in Lodz geboren, in den Wäldern verstecken. Er hat den größten Teil seiner Familie im Holocaust verloren und nach dem Krieg in West-Berlin das Schweigen und die Verdrängung erlebt. Das, so zeigt sich auch im Gespräch mit der Direktorin des Deutschen Filminstituts, Claudia Dillmann, deren Haus in Frankfurt das Archiv der CCC verwahrt, ist wohl der innere Antrieb des Ausnahmeproduzenten: „Ich mache weiter Filme über Menschen, die umgebracht wurden, ohne dass sie wussten, warum.“ Die Welt sei auf Kommerz gebaut, sagt Brauner, selbst berühmt sowohl für seinen finanziellen Wagemut wie für seine Pfennigfuchserei. Sein Appell an die Jungen: „Menschlichkeit sollte eine größere Rolle spielen.“

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