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Film über Prinzessin Diana „Ich bin auf ein Schlachtfest vorbereitet“

Der deutsche Regisseur Oliver Hirschbiegel hat sich in Großbritannien an den emotionalsten Stoff getraut, den das Königreich zu bieten hat. Am Donnerstag feiert sein Film „Diana“ in London Premiere.

© dpa Vergrößern Mal wieder auf der Flucht: Naomi Watts läuft als „Diana“ vor Paparazzi davon.

Viele erinnern sich noch, wo sie gewesen sind, als sie vom Tod Prinzessin Dianas erfuhren. Oliver Hirschbiegel gehört nicht zu ihnen. „Ich habe mich eigentlich nie besonders für sie interessiert“, sagt er. Als die Prinzessin von Wales 1997 bei einem Autounfall in Paris ums Leben kam, drehte der Regisseur Fernsehkrimis in Deutschland und suchte nach dem großen politischen Filmprojekt, zu dem später „Der Untergang“ werden sollte. 16 Jahre später legt ausgerechnet er - der Royalismusignorant, der Provokateur, der Deutsche! - den ersten Kinofilm über Englands emotionalsten Stoff vor.

Hirschbiegel sitzt auf einer Londoner Dachterrasse mit herrlichem Blick und genießt einen der letzten ruhigen Momente vor dem Sturm. Seit Wochen wirft der Film, der an diesem Donnerstag in London Premiere hat, in Deutschland aber erst im Januar anläuft, seine Schatten voraus. Als im Juni ein 60 Sekunden langer Trailer von „Diana“ vorgestellt wurde, griffen allerorten die Kritiker in die Tasten. Abweichende Trailer, die in Japan und anderswo auftauchen, wurden neugierig verglichen. Naomi Watts, Hirschbiegels Besetzung für Diana, hat erste Interviews gegeben. Das kommt nun auch auf den deutschen Regisseur zu. An diesem Montag bucht ihn die Produktionsfirma in ein Hotel ein, wo ihm rund um die Uhr Journalisten zugeführt werden: 200 in drei Tagen.

Kritiker wetzen ihre Messer

Hirschbiegel, der, wie er sagt, im Ausland mehr Wertschätzung für seine Arbeit erfährt als zuhause, steht vor Wochen, die sein Leben verändern könnten. Der Filmstoff hat das Zeug zum Blockbuster und könnte dem 55 Jahre alten Hamburger das Tor nach Hollywood aufstoßen. Weil der Stoff so groß und so gefühlsbesetzt ist, könnte er ihn aber auch unter sich begraben. „I am ready to get slaughtered“, sagt er lachend auf Englisch und blickt über die Londoner Skyline, als wüsste er, in welchen Häusern die Kritiker schon ihre Messer wetzen. „Sie haben mich in Deutschland für den ,Untergang’ geschlachtet - sie könnten es hier für ,Diana’ tun.“

Der „Untergang“ ist Hirschbiegels bislang bekanntester Film. Manche warfen ihm vor, in seiner Schilderung der letzten Führerbunkertage ein zu menschliches Bild von Adolf Hitler entworfen zu haben. Hirschbiegel tröstet sich damit, dass sich mehr als fünf Millionen Deutsche von der Kritik nicht haben abschrecken lassen; hinzu kam eine Oscar-Nominierung für den besten ausländischen Film. Ein Sommerspaziergang steht ihm auch diesmal nicht bevor, wenn auch aus anderen Gründen. Fast jeder hat eine Vorstellung von Diana, der „Prinzessin der Herzen“, und das Risiko, sie in einem Film enttäuscht zu sehen, ist gewaltig.

Drehbuch von Stephen Jeffreys

Erstes Ungemach hat schon begonnen. Ausgerechnet Dr. Hasnat Khan, dessen Liebesaffäre mit Diana im Mittelpunkt des Films steht, distanzierte sich öffentlich von dem Projekt. Und wie! Die Darstellung sei „völlig falsch“ und basiere auf „Hypothesen und Klatsch“, sagte der Arzt, den die Prinzessin einst als „Mr. Wonderful“ liebkoste. Schon der Trailer habe ihm gezeigt, dass der Film nichts tauge, weshalb er ihn auch gar nicht ansehen werde. Hirschbiegel „tut das leid“ - und hütet sich davor, zurückzuschießen. „Ich bin sicher, dass ihm der Film gefallen würde“, sagt er nur. Khan sei von Naveen Andrews als ernsthafter Charakter porträtiert worden, als Gentleman.

Mangelnde Vorbereitung lässt sich Hirschbiegel ungern vorwerfen. Das Drehbuch stammt von Stephen Jeffreys, der die beiden letzten Lebensjahre Prinzessin Dianas recherchiert hat. Hirschbiegel selbst arbeitete sich nicht nur durch Interviews, Filmaufnahmen und Artikel, sondern durch Stapel britischer Gerichtsakten, die der mysteriöse Unfalltod produziert hat. Er traf Freunde Dianas und - weil Khan seine Anfragen freundlich abgelehnt hatte - die Familie des Arztes. „Es gibt genügend Anhaltspunkte, um eine wahre Liebesgeschichte zu erzählen“, versichert Hirschbiegel.

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