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„Feuchtgebiete“-Darstellerin Carla Juri Man muss da sein

In der Verfilmung von Charlotte Roches Skandalroman „Feuchtgebiete“ zeigt die junge Schauspielerin Carla Juri alles. Wer ist die Frau, die sich an diese Rolle herantraut?

© Gyarmaty, Jens Selbstbewusst, frech, eigensinnig, unschuldig, verletzlich: Carla Juri beim Interview in einem Berliner Hotel.

Frau Juri, haben Sie Angst vor dem Start von „Feuchtgebiete“?

Julia Schaaf Folgen:

Meinen Sie davor, wie die Leute den Film auffassen?

Ich dachte vor allem an die Überschriften und Fotos in den Boulevardmedien.

Das ist schon ein bisschen einschüchternd. Bisher war es immer mein Beruf, Filme zu drehen. Anscheinend gehört jetzt auch dazu, Fotos zu machen und Interviews zu geben. Das ist für mich neu.

Und das Skandalgetöse? Wie wollen Sie mit den Schlagzeilen zum Thema Sex und Tabubruch umgehen?

Ich fühle mich nicht als Tabubrecherin. Ich finde, der Film hat eine andere Ebene, und das ist die, die mir für die Figur der Helen wichtiger ist.

Für alle, die sich nicht mehr an die aufgewühlte Debatte aus dem Frühjahr 2008 erinnern: Die achtzehn Jahre alte Helen, Hauptfigur in dem Debütroman der Moderatorin Charlotte Roche, liegt mit einer Analfissur und Hämorrhoiden im Krankenhaus. Dort monologisiert sie über nachlässige Intimhygiene, sexuelle Vorlieben und Selbstbefriedigung. Und sie vertreibt ihre Langeweile mit Einfällen, die man in ihrer Überzogenheit lustig, aber auch ekelerregend finden kann. Nur den Fernseher schaltet sie nicht an, weil es sie ärgert, dass Fernsehsex meist prüde endet, indem der Mann von hinten zu sehen ist, während die Frau ihre Brüste bedeckt. Originalton Helen/Charlotte Roche: „Die einzige Ausnahme beim Tittenzeigen im Fernsehen stellen unbekannte Schauspielerinnen dar. Wenn eine obenrum nackt zu sehen ist, kannst du sicher sein, dass sie unbekannt ist. Die Stars zeigen nie was her.“

Die 28 Jahre alte Schweizerin Carla Juri ist so eine unbekannte Schauspielerin, und wenn sie von Donnerstag an im Kino als Helen zu sehen ist, zeigt sie alles her. Man sieht ihre Brüste und ihren Po, man sieht sie beim Oralsex und bei der Selbstbefriedigung, man sieht sie mit der Hand in der Unterhose und wie sie sich anschließend den Finger in den Mund steckt. Für „Schoßgebete“, die Verfilmung des zweiten Charlotte-Roche-Romans, die nächstes Jahr ins Kino kommen soll, ist mit Lavinia Wilson eine namhaftere Kollegin verpflichtet worden. Im Fall von „Feuchtgebiete“ fragt man sich, ob renommierte Darstellerinnen mit diesem Part etwa so viel zu tun haben wollten wie - sagen wir - mit Hämorrhoiden.

Haben Sie je darüber nachgedacht, dass so eine Rolle auch ein Risiko sein könnte? Weniger der Durchbruch für Ihre Karriere als eine Sackgasse?

Carla Juri sitzt kerzengerade auf einem Sofa in einem Berliner Hotel. Sie trägt schwarze enge Jeans und flache Schuhe, in ihr Streifenjäckchen ist, passend zum Schmuck, ein Goldfaden eingewebt. Sie ist hübsch, aber auf die eher markante, rätselhafte Weise, und wenn sie redet, wechselt ihr Gesichtsausdruck zwischen Belustigung, Irritation und Ernst. Sie spricht langsam, aber das mag ihrem eigentümlichen Akzent geschuldet sein, der auch ihre Helen auf angenehme Art als fremdartig markiert. Juri stammt aus einem Bergdorf in der italienischen Schweiz.

Sie sagt, dass sie bei der Entscheidung für „Feuchtgebiete“ weder auf ihre Karriere noch auf ihren Bekanntheitsgrad geschielt habe. Vielmehr habe ihre Agentur ihr die Einladung zum Casting mit spitzen Fingern überreicht - „die wollten mich natürlich auch schützen“. Sie aber habe 2008 nicht in Europa gelebt, deshalb den Hype um „Feuchtgebiete“ verpasst und neugierig zugegriffen. „Mich hat der Stoff einfach interessiert, die Komplexität dieser Figur“, sagt Juri schlicht.

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