17.10.2008 · Der Fernsehpreis, den Marcel Reich-Ranicki verschmähte, landete erst bei Thomas Gottschalk, dann bei Katharina Trebitsch. Doch wo ist er jetzt? Er scheint verschollen.
Von Jochen StahnkeAlles rennet, rettet, suchet: Wo ist der Fernsehpreis? Am Tage des Fernseh-Eklats am vergangenen Wochenende hat Marcel Reich-Ranicki ihn verschmäht und nicht mitgenommen. Thomas Gottschalk, Moderator des Deutschen Fernsehpreises, der den Wutausbruch des Kritikers moderierte, nahm den gläsernen Obelisken vom Pult. Eilfertig drückte er ihn der verdutzten Katharina Trebitsch in die Hand, der, wie einige Medien verkündeten, Tochter des großen Literaturkritikers.
In Wahrheit ist Katharina Trebitsch Fernsehproduzentin und mit dem wütenden Gewinner, der nur einen Sohn hat, nicht verwandt. Dafür allerdings hat Trebitsch die Autobiographie von Marcel Reich-Ranicki verfilmt: „Mein Leben“. Ausstrahlungstermin soll im April 2009 sein. Vielleicht gibt es dafür einen Fernsehpreis. Doch die wichtigere Frage zunächst: Wo ist eigentlich der Obelisk?
Auf dem Beistelltisch
Anruf bei Marcel Reich-Ranicki. Zum Fernsehpreis habe er keine Lust mehr, etwas zu sagen, teilt seine Sekretärin mit. Nach der Sendung in der vergangenen Woche habe er den Preis jedenfalls nie wieder gesehen. Er wolle ihn auch nie wiedersehen. Es interessiere ihn nicht. Es reiche. Frau Trebitsch solle damit machen, was sie möchte.
Anruf bei Katharina Trebitsch. Sie hat einen Termin, besitzt den Preis aber ohnehin nicht mehr. Aus ihrer Hamburger Wohnung habe das ZDF die ungeliebte Trophäe nämlich abholen lassen für das abermalige Gespräch zwischen dem 88 Jahre alten Literaturkritiker und Gottschalk, das am Mittwoch aufgezeichnet wurde. Bei der Aufzeichnung der Sendung im Wiesbadener Kurhaus stand der gläserne Obelisk weithin sichtbar auf dem Beistelltisch, alles bildlich festgehalten. Reich-Ranicki war es offenkundig egal. Er hat das Glasgebilde nicht einmal wahrnehmen wollen.
Wertvolles Stück Kunst
Dabei ist der Obelisk ein wertvolles Stück Kunst, mindestens jedenfalls ein Produkt des gehobenen Geschmacks. Entworfen wurde die Trophäe vom welt bekannten Designer Peter Schmidt aus Hamburg. Sie ist 2,8 Kilogramm schwer und aus Plexiglas, in das innen etwas eingelasert ist. Der Name des Preisträgers sollte während der Verleihung per Laser eingraviert werden, heißt es. Schmidt-Produkte veschwinden nicht so leicht. Schon gar nicht aus dem schönen Kurhaus.
Anruf beim Wiesbadener Kurhaus. „Das ZDF hatte alles abgeschirmt. Niemand durfte während und direkt nach der Sendung in die Nähe des Podiums“, sagt Robert Frohwein, der etwas gehetzt wirkende Projektmanager des feinen Veranstaltungsortes. Man habe ständig Veranstaltungen und dauernd Stress. Viel Zeit zum Nachschauen bleibt da nicht. Aber solch ein Preis? Immerhin kommt es bei so vielen Produktionen ja vor, dass mal etwas vergessen wird.
Man gibt sich genervt
„Niemand hat hier irgendetwas liegenlassen“, sagt Frohwein. Frohwein weiß aber, dass Reich-Ranicki und Gottschalk nach dem Interview im Restaurant Käfers essen waren, direkt gegenüber. Und dass Gottschalk nach der Sendung gut aufgelegt war. Nur den Preis habe er nicht in der Hand gehabt. Aber wenn nicht er, wer dann?
Anruf beim ZDF. So ein Obelisk kann doch nicht einfach verschwinden? „Das werden Sie doch in der Sendung sehen, dort wird es dann aufgeklärt.“ Man gibt sich genervt. Dann Warteschleife. Programmtipps werden verlesen. Eine andere Dame der Presseabteilung hebt ab. Was man denn eigentlich wolle? Es sei doch alles gesagt! Wo der Obelisk sei? Diese Information gebe man nicht preis!
Chance liegt bei 50 Prozent
Noch ein Anruf beim ZDF, Pressestelle, Abteilungsleitung. Gibt es nicht Berichte, nach denen Reich-Ranicki den Preis auch jetzt wieder nicht mitgenommen hat? Pressesprecher Thomas Hagedorn versucht es zunächst mit einem Trick. Die Chance, dass Reich-Ranicki den Obelisken mitgenommen haben könnte, liege bei 50 Prozent. Er lacht nicht. Gibt es nicht das Gerücht, Reich-Ranicki habe den Preis nun schon wieder stehen lassen? Hagedorn meint: „Das geht in die richtige Richtung.“
Letzter Anruf, das Büro Gottschalk. Vielleicht hat er ihn. Gottschalk ist nicht da. Aber seine persönliche Referentin: „Ach, hören Sie, nein, wenn der Gottschalk den Preis mitgenommen hätte, dann hätte er es mir gesagt.“ Man solle es bei der Produktionsfirma Werner Kimmig versuchen, sie hat die Sendung produziert. Allerletzter Anruf, Kimmig. Nein, man räume zwar auf nach der Sendung. Aber der Herr Kimmig sei doch schon vor der Aufzeichnung gefahren.
Da, eine Mail, Herr Hagedorn vom ZDF: „Der Obelisk ist in sicheren Händen.“ Als ob man je daran hätte zweifeln können. Das Fernsehen vergisst nie etwas.
Uiuiui
Thomas Minnich (tmin260872)
- 17.10.2008, 21:16 Uhr
Shakespeare
Hans-Helge Hansen (Nordmensch)
- 17.10.2008, 21:26 Uhr
und ich dachte immer....
YIN YANG (YANGI)
- 18.10.2008, 07:58 Uhr
Finanzkrise, Klimadebatte, Energiekrise...und der Obelisk
Stefan G. (hawaisurf)
- 18.10.2008, 12:37 Uhr
höhö
Holger Steffen (kaengo)
- 19.10.2008, 13:48 Uhr