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Fernsehinterview Papst warnt Christen vor Resignation

13.08.2006 ·  Vor seinem Besuch in Deutschland hat Papst Benedikt XVI. ein ausführliches Fernsehinterview gegeben. Das Interessante daran sind weniger die zum Teil vorhersehbaren Antworten des Pontifex, sondern daß er sich ohne Einschränkung von Themen den Journalisten stellte.

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Novum in der TV-Geschichte: Papst Benedikt XVI. hat erstmals mehreren deutschen Fernsehsendern ein ausführliches Interview gegeben. Mit Blick auf seinen bevorstehenden Besuch in Bayern (9.-14. September) warnte er die Gläubigen in Deutschland und Europa darin vor Resignation: Die christliche Botschaft „gehört nicht in die Mottenkiste der Geschichte“. Zwar erlebe der Westen derzeit „eine neue Welle einer drastischen Aufklärung“, die den Glauben schwierig mache. Gerade daher sei es aber „bedeutsam, daß wir nicht kapitulieren.“

Papst Benedikt XVI. hat seine strikte Haltung zu umstrittenen Themen wie Abtreibungen und Frauen im Priesteramt verteidigt. Das Kirchenoberhaupt betonte, daß das Christentum und der Katholizismus „nicht eine Ansammlung von Verboten, sondern eine positive Option“ seien. Diese wieder zu sehen, sei ganz wichtig. Es sei keine „katholische Erfindung“, daß Mann und Frau füreinander geschaffen seien, damit die Menschheit weiterlebe. Die Abtreibung gehöre ins fünfte Gebot: „Du sollst nicht töten!“

Nicht nur Know-how weitergeben

Benedikt XVI. kritisierte ferner, es gebe ein Ungleichgewicht zwischen den technischen Möglichkeiten des Menschen und seinem moralischen Vermögen. Mit Blick auf Afrika sagte er, „wenn man nur Know-how weitergibt, nur beibringt, wie man Maschinen macht und mit ihnen umgeht, und wie man Verhütungsmittel anwendet, dann braucht man sich nicht zu wundern, daß am Schluß Krieg herauskommt und Aids-Epidemien“.

Über mögliche höhere Positionen für Frauen in der Kirche werde „sehr nachgedacht“, sagte der Papst. In der Kirche sei aber nicht „nur jemand etwas, der ein Priester ist“. Man müsse gemeinsam mit den Frauen „den richtigen Platz für sie suchen“. Er glaube, daß die Frauen sich selbst mit „Schwung und ihrer Kraft“ ihren Platz zu verschaffen wüßten. Die katholische Kirche fühle sich jedoch nicht ermächtigt, Frauen die Priesterweihe zu erteilen.

Mit der Ökumene geht es nur langsam voran

Fortschritte in der Ökumene wird es offenbar erst eher langfristig geben. Benedikt XVI. sagte, die evangelische Kirche sei „ein vielstimmiges Gefüge, mit dem wir in Respekt vor den vielen Stimmen und in der Suche nach der Einheit in Dialog treten und in Zusammenarbeit kommen müssen“. Möglicherweise werde es aber „nicht so schnell zu äußeren Einheiten kommen“.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, hatte kritisiert, Papst Benedikt XVI. habe ausdrücklich gesagt, daß er sein Amt ökumenisch verstehe. Aus dem ersten Amtsjahr des Papstes könne man aber nicht ableiten, daß Fortschritte im ökumenischen Miteinander zu erwarten wären.

Reisepläne des Pontifex

Das einstündige Interview von ARD, ZDF, Deutscher Welle sowie Radio Vatikan war vor einer Woche in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo vor den Toren Roms geführt worden. Bislang gelten Papst-Interviews als Rarität, nie zuvor hatte sich ein Papst auf ein so ausführliches Gespräch mit den Medien eingelassen. „Ein Teil der Fragen wurde mit dem Vatikan abgestimmt“, berichtet das ZDF. Die Initiative zu dem Treffen sei vom Vatikan ausgegangen. Es habe keine Beschränkung der Themen gegeben.

Mehrfach ging Benedikt auf seinen Besuch in München, Regensburg und Altötting ein: Ein Motiv der Reise sei es, „daß ich noch einmal die Orte, die Menschen sehen wollte, wo ich groß geworden bin, die mich geprägt und mein Leben geformt haben“. Diesen Menschen wolle er durch den Besuch danken, sagte der 79jährige.

Zugleich äußerte der deutsche Papst den Wunsch, noch im kommenden Jahr nach Israel zu reisen: „Dann möchte ich ins Heilige Land gehen und hoffentlich es in Frieden betreten können.“ Zum Konflikt in Nahost meinte er: „Krieg ist die für alle schlechteste Lösung. Er bringt für niemanden etwas, auch für die scheinbaren Sieger nichts.“ Auch nach Mariazell in Österreich und nach Brasilien wolle er nächstes Jahr reisen.

Glaube als Brücke, nicht als Hindernis sehen

Ausführlich beschäftigte sich Benedikt mit der Lage des Christentums in der modernen Gesellschaft: „Glaube ist schwierig geworden, weil die Welt, die wir antreffen, ganz von uns selber gemacht ist und sozusagen Gott in ihr nicht mehr direkt vorkommt.“ Christen müßten ihr Anliegen aber mit mehr Elan und Dynamik verbreiten. So dürften sie etwa angesichts der Kirchenaustritte „nicht kapitulierten und sagen: 'Naja, wir sind nur noch eine Minderheit, schauen wir mal, daß wir wenigstens in der Zahl beieinander bleiben'.“

Zugleich fügte Benedikt hinzu: „Christentum und Katholizismus sind nicht eine Ansammlung von Verboten, sondern eine positive Option.“ Dies werde in der öffentlichen Diskussion mitunter übersehen. Mit Blick auf den Dialog mit dem Islam meinte das Oberhaupt der Katholiken, häufig seien die Menschen aus anderen Kulturen über die „kalte Rationalität“ im Westen und die „Kälte Gott gegenüber“ geradezu erschreckt.

„Für unsere laizistische Welt ist es wichtig zu sehen, daß für den Dialog mit den anderen Welten gerade auch der christliche Glaube nicht ein Hindernis, sondern eine Brücke ist. Man darf nicht meinen, die rein rationale Kultur, die hätte es auf Grund ihrer Toleranz leichter, mit den anderen Religionen zu Rande zu kommen.“

Auch eine Frage zu seinem Humor beantwortete der Papst: „Ich bin nicht ein Mensch, dem dauernd viele Witze einfallen. Aber sozusagen das Lustige im Leben zu sehen, und die fröhliche Seite daran und alles nicht ganz so tragisch zu nehmen, das ist mir schon sehr wichtig, und ich würde sagen: für mein Amt auch notwendig.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, AP
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