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Veröffentlicht: 15.10.2012, 17:00 Uhr

Felix Baumgartners Sprung Ein Fall für die Ewigkeit

Ganz reibungslos verlief der Weltrekordsprung des Österreichers Felix Baumgartner aus fast 40 Kilometer nicht. Zehn Fragen und zehn Antworten zum Projekt Stratos.

von und , Wien
© dapd Stimmen zum Sprung: „Jetzt komm ich nach Hause“

Seine Fußballspieler kehren torlos aus der kasachischen Steppe zurück, die Null-Medaillen-Ausbeute seiner Olympioniken sitzt immer noch bohrend im Hinterkopf, und die Wintersportsaison hat noch nicht begonnen – da hat Österreich seinen Sohn Felix Baumgartner nach seiner Rückkehr auf die Erde innig umarmt, wenn auch aus der Ferne. Bundespräsident, Bundeskanzler, Landeshauptfrau und Bürgermeister gratulierten und bekundeten Stolz auf den Mann, der vor 43 Jahren in Salzburg geboren wurde.

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Die Politiker durften sicher sein, dass ihre Wähler wissen, wovon die Rede ist. Gut jeder dritte Österreicher hat sich den freien Fall aus dem nahezu luftleeren Raum im Fernsehen angeschaut. Nur drei Sendungen sind in der Geschichte des ORF von mehr Zuschauern gesehen worden, eine Wahlsendung 2002, das erste Interview mit dem Entführungsopfer Natascha Kampusch und die „Peter Alexander Show“.

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Am Montag erschien auch kaum eine Zeitung, die nicht Baumgartners Bild auf der Titelseite getragen hätte. Die „Kronen-Zeitung“, das verbreitetste Boulevardblatt, machte sogar den „lieben Gott höchstpersönlich“ für den windfreien Aufstieg verantwortlich. Aus der Ferne grüßten auch Vater und Mutter des Helden dieser Geschichte, die ebenso wie Bruder und Freundin nach New Mexico gereist waren. Machtvoll ist die Werbemaschinerie angelaufen. Sie will nicht nur zum Trinken der herzschlagsteigernden Brause anregen, deren Hersteller das Unterfangen bezahlt hat, sondern auch zum Kauf originaler Leibchen und Kappen. Wer weiß, vielleicht kann Baumgartner auch als Werbeträger für das Bundesheer dienen, denn dort hat er als junger Mann gedient, natürlich unterm Fallschirm. Allerdings hielt es ihn dort kürzer als geplant. Er reparierte dann Motorräder und machte nebenher spektakuläre Absprünge, bis ihn „Red Bull“ vor fünfzehn Jahren als Werbeträger entdeckte und finanzierte.

Seither sprang er von Brücken, Wolkenkratzern oder der Christusstatue in Rio, ließ sich in eine tiefe Höhle fallen und segelte im freien Fall über den Ärmelkanal. Nun solle damit aber Schluss sein, tat er nach dem Stratosphärenfall kund; das habe er seiner Freundin versprochen. Ob er aber wieder in Österreich heimisch wird, ist offen, hat er doch bei anderer Gelegenheit gesagt: „Eigentlich bin ich in der Luft zu Hause.“

Zehn Fragen und zehn Antworten

Wie viele neue Weltrekorde hat Felix Baumgartner aufgestellt?

Baumgartner schaffte am Sonntag in der Luft fünf neue Weltrekorde:

  1. höchste bemannte Ballonfahrt: 39045 Meter, geplant waren 36576Meter, bisheriger Rekord 34668Meter, aufgestellt 1961 von Malcolm D. Ross und Victor E. Prather;
  2. höchster Absprung: 39045 Meter, geplant waren 36576 Meter, bisheriger Rekord 31332 Meter am 16. August 1960 von Joseph Kittinger;
  3. größte im freien Fall erreichte Geschwindigkeit: 1342,8 Stundenkilometer (Mach 1,24), geplant waren 1100 Stundenkilometer, bisheriger Rekord 988Stundenkilometer aufgestellt am 16. August 1960 von Joseph Kittinger;
  4. längster freier Fall (Höhenunterschied): 36529 Meter, geplant waren 34500 Meter, bisheriger Rekord 24500 Meter am 1.November 1962 von Jewgenij Nikolajewitsch Andrejew;
  5. längster freier Fall ohne Stabilisierungsfallschirme (Dauer): vier Minuten 20 Sekunden, Joseph Kittinger stellte am 16.August 1960 einen Rekord von vier Minuten 36 Sekunden auf, jedoch mit einem stabilisierenden Bremsschirm, der ihn langsamer fliegen ließ. Baumgartner blieb mit seiner Zeit trotzdem klar hinter seinen Erwartungen zurück: Geplant waren fünf Minuten und 35Sekunden.

Darüber hinaus hat der freie Fall des Österreichers auch medial etliche neue Rekorde auch in Deutschland aufgestellt.

Konnte Baumgartner spüren, als er die Schallmauer durchbrach?

Nein. Auch nach seiner Landung wusste er zunächst nicht, ob er die nötige Geschwindigkeit erreicht hatte. Die Daten in seinem Brustpack mussten erst ausgewertet werden. Schallwellen breiten sich normalerweise in der Luft mit einer Geschwindigkeit von etwa 1234Stundenkilometern aus. In der Stratosphäre, wo die Luft wesentlich kälter ist als am Boden, bewegt sich der Schall langsamer - ungefähr mit 1100Stundenkilometern, was in dieser Höhe dann Mach 1 entspricht. Baumgartner lag mit Mach 1,24 klar darüber, er war „überschallschnell“.

Warum war kein Knall zu hören?

Tatsächlich löste Felix Baumgartner einen Überschallknall aus, der aber nur in seiner direkten Umgebung zu hören war. Dass er den „Knall“ selbst nicht hörte, wie er nach seiner Landung bestätigte, ist klar: Er war ja schneller als der Schall.

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