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Veröffentlicht: 26.10.2016, 12:49 Uhr

Umstrittene Facebook-Posts Der Absturz des Felix Baumgartner

Er sprang aus der Stratosphäre auf die Erde – seitdem sorgt der Österreicher Felix Baumgartner hauptsächlich für Negativ-Schlagzeilen. Einen neuen Tiefpunkt hat er am Sonntag gesetzt. Auch sein alter Sponsor Red Bull gerät in die Kritik.

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© dpa Auf dem Boden angekommen: Felix Baumgartner.

Seine Familie kann man sich bekanntlich nicht aussuchen, die Repräsentanten seiner Marke allerdings schon. Auf der Homepage des Brauseproduzenten Red Bull wird der Österreicher Felix Baumgartner bis heute gefeiert: „Am 14. Oktober 2012 ist Felix Baumgartner endgültig zur Legende geworden.“ Damals war der Extremsportler  mit einem Heliumballon in einer Druckkapsel  in die Stratosphäre aufgestiegen, um mit Schutzanzug und Fallschirm aus über 38 Kilometer Höhe abzuspringen. Er durchbrach als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer und stellte zwei Weltrekorde auf, den für die höchste bemannte Ballonfahrt und den für den höchsten Absprung.

Aufwärts mit Ballon, abwärts im freien Fall Große Freude nach dem gelungenen Sprung: Felix Baumgartner (l.) mit Art Thompson, dem Technischen Direktor des Projekts © dapd Bilderstrecke 

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Seitdem fiel Baumgartner nicht mehr durch sportliche Leistungen, sondern vor allem durch abstruse Facebook-Einträge auf. Das jüngste Kapitel in dieser fragwürdigen Geschichte schrieb er am Sonntag. In dem Netzwerk veröffentlichte er einen Post, in dem er die rechte Bewegung „Die Identitären“ bejubelte. In Deutschland werden die Identitären vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet. Eine Sprecherin der Behörde sagte dazu: „Wir haben Anhaltspunkte, dass Aktivitäten (der Identitären) sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung richten.“ In der Flüchtlingskrise habe der Nachrichtendienst in der Agitation der Gruppe eine weitere Radikalisierung festgestellt. „Zudem hat ein erheblicher Anteil der Aktivisten einen rechtsextremistischen Hintergrund.“

Red-Bull-Sender „Servus TV“ lädt Rechtsextremen ein

Auch in Österreich ist die Bewegung umstritten, deswegen sorgte es für Empörung, dass der Red Bull-Sender „Servus TV“ Martin Sellner, den Chef der österreichischen Identitären, zu einer Talkrunde über „radikale Muslime" eingeladen hatte. Als sie von der Einladung des Rechtsextremen erfuhren, sagten drei der Gäste die Teilnahme an der Show wieder ab. Der Red Bull-Sender ließ sich davon nicht beirren – und nahm die Sendung trotzdem mit dem Gast auf, der eine lange rechtsextreme Geschichte hat.

© Twitter

Während viele von diesem Vorgang irritiert waren, zeigte sich Felix Baumgartner begeistert und schrieb auf Facebook: „Ein HISTORISCHER TAG in der deutschsprachigen TV Geschichte! Der Privat Sender ServusTV traut sich als ERSTES Medium europaweit einen „Identitären“ ins Hauptabendprogramm einzuladen.“ Nicht nur vom dem „Mut“ des Brause-Produzenten war er aber angetan, auch der „Identitäre“ selbst erntete Lob: „Martin Sellner hat mich in dieser Sendung MEHR überzeugt, als die meisten Politiker zusammen in den vergangenen Jahren. Ein junger, intelligenter Gesprächspartner, der durch Eloquenz, Höflichkeit und mit guten Argumenten besticht – vom Rechtsradikalen KEINE Spur!“

Auch Red Bull gerät in Kritik

In den sozialen Netzwerken war die Entrüstung groß, auf Twitter schrieb eine Nutzerin: „Einen Sturz aus 39km Höhe überlebt man also doch nicht ganz so unbeschadet wie gedacht.“ Überraschend kam der Skandal aber nicht; Baumgartner ist mittlerweile schon berüchtigt für seine Ausfälle, die nicht nur im Internet zu beobachten sind: Im September 2010 schlug er einen Lastwagenfahrer und wurde zu einer Geldstrafe von 1.500 Euro verurteilt. Im Oktober 2012 sagte er in einem Interview: „Wir würden eine gemäßigte Diktatur brauchen.“ Im Gespräch mit FAZ.NET sagte er dazu 2014, das sei völlig „aus dem Zusammenhang gerissen“. Bei der „gesunden Ohrfeige“, die er in der Erziehung befürwortet hatte, sei es genau das Gleiche gewesen: „Da hat es geheißen, der Baumgartner plädiert für Gewalt gegen Kinder. Jeder, der mich kennt, weiß, wie gut ich mit Kindern kann.“

© Twitter

Auch bei einer anderen Geschichte sah er sich zu Unrecht kritisiert: Im Juli 2014 hatte er in einem Hubschrauber den Luftraum des Münchner Flughafens verletzt und wurde deswegen von einem Polizeihubschrauber verfolgt. Baumgartner dazu:  „So eine Luftraumverletzung, wie das heißt, passiert 250 Mal im Jahr. Nur wenn es dem Baumgartner passiert, dann ist es eine Riesengeschichte.“ Im August 2015 postete Baumgartner dann ein Foto davon, wie er seine Freundin beim Grillen als Tisch benutzte. Im Januar schrieb er auf Facebook: „Ein Land, in dem Angeln ohne Angelschein bestraft wird und Menschen ohne Pass die Grenze überqueren, können nur Idioten regieren.“

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Die Shitstorms, in denen Baumgartner regelmäßig nach seinen Entgleisungen landet, scheinen ihn nicht zu beirren. Jetzt gerät allerdings auch Red Bull in die Kritik. Ein Nutzer schrieb auf Twitter: „@RedBull Werdet ihr langsam der Sponosor der Neonazis in Europa? #Baumgartner und #ServusTV gehören euch und von RB kommt kein Wort dazu?“ FAZ.NET hat eine Anfrage an den Konzern zu den Vorwürfen gestellt.

© Twitter

Es kann allerdings nicht die Rede davon sein, dass dem Sponsor „alles scheißegal“ ist, wie es Satiriker Jan Böhmermann in einem Beitrag über Baumgartner Anfang des Jahres formulierte. Im Gegenteil ist man bei Red Bull offenbar nicht mehr gut auf Baumgartner zu sprechen. Die britische „The Sun“ veröffentlichte am Mittwoch einen Artikel, in dem es heißt, dass Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz nicht mehr mit dem Extremsportler spreche. Allerdings nicht wegen seiner Entgleisungen auf Facebook, sondern weil Baumgartner vor seinem Absprung aus der Stratosphäre 2012 gesagt habe: „I am going home now”. Und nicht, wie vereinbart: „This is the world of Red Bull.”

Korrektur

In einer früheren Version des Textes hieß es, dass Martin Sellner der einzige Gast in der „Servus TV“-Sendung war. Das ist falsch und wurde korrigiert.

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