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FAZ.NET Spezial Fürst Rainier III.: Der „Märchen-Monarch“ ist tot

06.04.2005 ·  In seinem Fürstentum regierten Glanz und Glamour: Fürst Rainier III. von Monaco nach schwerer Krankheit gestorben. Der dienstälteste Monarch Europas hatte bereits am Donnerstag die Regentschaft an seinen Sohn Albert übergeben. Ein FAZ.NET-Spezial.

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Fürst Rainier III. von Monaco ist seinem langen Todeskampf erlegen. Der dienstälteste Monarch Europas starb nach Angaben des monegassischen Fürstenpalastes am Mittwoch morgen um 6.35 Uhr in der Herz-Lungen-Klinik des Fürstentums am Mittelmeer. Der 81 Jahre alte Rainier erholte sich nicht mehr von einer schweren Lungenentzündung, wegen der er seit dem 7. März im Krankenhaus gelegen hatte. Beigesetzt werden soll der Fürst am Freitag kommender Woche in der Kathedrale von Monaco beigesetzt werden. Erzbischof Bernard Barsi wird die Trauermesse halten.

Bundespräsident Horst Köhler erklärte, Rainier habe „mit bewundernswerter Willenskraft bis zuletzt seine Pflichten als Staatsoberhaupt wahrgenommen“. "Rainier III. ist nicht mehr“, erklärte Staatsminister Patrick Leclerq, der Regierungschef von Monaco. „Es ist die Stunde des Schmerzes, jeder hier fühlt sich als Waise, so sehr hat er das Fürstentum geprägt.“ „Mit seinem Unternehmungsgeist hatte Fürst Rainier maßgeblichen Anteil an der Wandlung des Fürstentums in den letzten Jahrzehnten“, erklärte Bundespräsident Köhler in seinem Beileidstelegramm an Albert.

Erbprinz Albert hatte bereits am vergangenen Donnerstag die Regentschaft über das Fürstentum übernommen, nachdem er schon in den vergangenen Jahren zahlreiche Aufgaben von seinem Vater übertragen bekam. Dieser hatte das Fürstentum mehr als 50 Jahre lang regiert, seine Familie herrscht in dem zweieinhalb Quadratkilometer großen Kleinstaat (kleiner als der Central Park in New York) an der Riviera seit 1297.

Fürst Rainier III.: Der „Märchen-Monarch“ ist tot

Monacos fürstliche Tradition

Rainier Louis Henri Maxena Bertrand de Grimaldi wurde am 31. Mai 1923 in Monaco geboren. Er war der einzige Sohn von Pierre Grimaldi, Duc de Valentinois (vorher Graf von Polignac aus dem Hause der Herzöge von Polignac), und der Erbprinzessin Charlotte von Monaco (geborene Louvet).

Seine Traumhochzeit mit der amerikanischen Schauspielerin Grace Kelly im Jahr 1956, deren tragischer Unfalltod 1982 sowie das muntere Liebesleben der Töchter Caroline und Stéphanie füllten jahrzehntelang die Klatschspalten. Der graumelierte Grimaldi-Fürst verstand sich dagegen eher als „Aufsichtsratsvorsitzender“ des „Unternehmens Monaco“ statt nach dem Tod seiner in aller Welt bewunderten Frau in der Welt des Glamours für Schlagzeilen zu sorgen.

Mit 26 Jahren übernahm Rainier den Thron

Im Alter von 26 Jahren bestieg Rainier im Mai 1949 den Thron, nachdem sein Großvater Louis II. abgedankt hatte. Der junge Monarch war für seine Aufgabe in Schulen und Universitäten der Schweiz, Englands und Frankreichs ausgebildet worden. Im Krieg kämpfte er an der Seite der Franzosen gegen die deutschen Besatzer.

Geschickt bemühte sich der 33. Fürst von Monaco, seinen eng mit Frankreich verbundenen Ministaat auf eine feste wirtschaftliche Grundlage zu stellen. Rainier siedelte Unternehmen der Chemie-, Kosmetik und Pharmabrache an, baute ein Kultur- und Kongreßzentrum und kurbelte den Tourismus an. Während nach dem Zweiten Weltkrieg das Glücksspiel noch 70 Prozent der Staatseinnahmen ausmachte, waren es zuletzt weniger als vier Prozent. Rainier vergrößerte sein Fürstentum auch um 195 Hektar, unter anderem durch neue Deiche.

Glanz und Glamour im Steuerparadies

Glanz und Glamour brachten der griechische Reeder Aristoteles Onassis und vor allem Grace Kelly nach Monte-Carlo. Der Jet-Set traf sich im Kasino und die großzügigen Steuervorteile lockten zahlreiche Sportgrößen an, darunter Boris Becker und Michael Schumacher. Doch machte der zweifelhafte Ruf des Finanzplatzes Monaco dem Fürstentum zu schaffen. Frankreich drohte 2000 damit, die Beziehungen grundlegend zu überdenken. Rainier lenkte ein und verschärfte den Kampf gegen die Geldwäsche.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatte das Fürstentum zuvor auf einer Schwarzen Liste der Länder geführt, die zu Steuerflucht ermutigen und sich nicht kooperativ verhalten.

Skandalfreie Ehe eines Traumpaares

Am 14. September 1982 ereilte Rainier der wohl schwerste Schicksalsschlag seines Lebens. Seine Frau kam bei einem Autounfall ums Leben. „Sie war immer da und bereit, etwas mit mir zusammen zu machen oder etwas für mich zu tun, wenn ich es nicht konnte“, sagte der Fürst seinerzeit. „Wir waren ein Team, und das Team gibt es nicht mehr.“ Trotz posthumen Gerüchten über Affären von Gracia Patricia oder ihre angebliche Trunksucht führte das Traumpaar zumindest in der Öffentlichkeit eine skandalfreie Ehe.

Dafür machten die beiden Töchter umso mehr Schlagzeilen. Stéphanie versuchte sich im Musikgeschäft und heiratete 1985 ihren ehemaligen Leibwächter Daniel Ducruet. Die Ehe ging schon im Jahr darauf in die Brüche, nachdem Ducruet beim Liebesspiel mit einer belgischen Stripperin an einem Swimmingpool gefilmt worden war, und wurde wahrscheinlich auf Druck Rainiers gelöst. Später stürzte sie sich in eine Affäre mit dem Schweizer Zirkusdirektor Franco Knie und gab 2003 dem zehn Jahre jüngeren portugiesischen Zirkusartisten Adans Lopez Peres das Ja-Wort. Die geschiedene und verwitwete Caroline heiratete 1999 Prinz Ernst August von Hannover, dessen Eskapaden neben der eigenen Familie, den Welfen, auch das Haus Grimaldi im Gespräch hielten.

Schon lange gesundheitliche Probleme

Mit Rainiers Gesundheit ging es seit einer Bypaß-Operation 1994 bergab. Der Fürst übertrug Erbprinz Albert immer mehr Aufgaben, wollte den Junggesellen vor einer Thronbesteigung aber zunächst verheiratet sehen. Doch Heiratspläne sind bis heute nicht bekannt. In aller Stille änderte das 18köpfige Parlament 2002 die Verfassung. Nunmehr können auch Alberts Schwestern oder deren Kinder den Thron besteigen, falls der neue Monarch kinderlos stirbt. Ohne dies wäre Monaco in diesem Fall an Frankreich gefallen.

Im Februar 2000 wurde Rainier an der Lunge operiert, es war der dritte Eingriff innerhalb von zwei Monaten. Kurz vor seinem 79. Geburtstag mußte der Fürst im Mai 2003 erneut ins Krankenhaus, wegen eines „allgemeinen Erschöpfungszustands“ nach mehreren Bronchitis-Erkrankungen. Im Dezember 2003 zwang ihn eine Grippe zu einem Klinikaufenthalt, im Januar 2004 erneut ein Erschöpfungszustand, und im Februar letzten Jahres waren es Herzprobleme. Wegen einer Lungeninfektion wurde er noch einmal im Herbst 2004 und zuletzt am 7. März in die Herz-Lungen-Klinik seines Fürstentums eingeliefert.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, Reuters
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