http://www.faz.net/-gum-87iiz

Elyas M’Barek im Interview : „Hätte auch blöd laufen können“

Schaffte sein Abitur selbst nur über Umwege - Schauspieler Elyas M’Barek Bild: Kühfuss, Patricia

Die Lehrerrolle in „Fack ju Göhte“ machte ihn zum Superstar. Dabei hat er selbst nur nach Umwegen das Abitur geschafft. Jetzt kehrt Elyas M’Barek an seine alte Schule zurück – für ein Gespräch über das Versagen, Nacktfotos und den Rausch des Ruhms.

          Und?“, fragt Elyas M’Barek und lacht das gewinnende, freche Kracherlachen, das sein Markenzeichen geworden ist. „Wie läuft’s hier so an der Schule ohne mich? Alles unter Kontrolle?“ Ein Donnerstag in den Sommerferien, der Schauspieler steht im gleißenden Sonnenlicht vor der Robert-Bosch-Fachoberschule in München. „Schlecht“, witzelt Schulleiter Johann Denk, der extra für dieses Interview das Gebäude aufschließt: „Wir hatten so ein paar Tricks nicht drauf.“ Seit das Kollegium aber „Fack ju Göhte“ gesehen habe, ergänzt Christopher Andres, Lehrer für Deutsch und Sozialkunde, seien Disziplinschwierigkeiten vom Tisch: „Wir haben uns so Farbpistolen angeschafft.“

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eine Anspielung auf den Film, in dem M’Barek als Hilfslehrer Zeki Müller mit unkonventionellen Methoden eine Chaotenklasse bändigt. Die Komödie hat ihn 2013 zum Superstar gemacht: 7,3 Millionen Zuschauer im Kino, 2,3 Millionen Freunde bei Facebook. Der Dreiunddreißigjährige ziert das Cover von Frauenzeitschriften und Kindermagazinen. Wo er über den roten Teppich geht, herrscht Kreischalarm. Am Donnerstag startet „Fack ju Göhte 2“.

          Jetzt läuft der Filmlehrer alias M’Barek durch die Flure der Schule, an der er 2004 nach Umwegen sein Fachabitur gemacht hat. „Ich hätte mir das alles sparen können“, scherzt er, „ich habe mein Zeugnis seitdem nie wieder gebraucht.“ Dann erzählt er, dass Deutsch sein Lieblingsfach gewesen sei und er sich in Mathe beim Schulleiter von einer 6 auf eine 2 hochgearbeitet habe. Christopher Andres sagt, dass er sich gut an seinen einstigen Schüler erinnere, den er als offenen und nachdenklichen Menschen kennengelernt habe. M’Barek habe gelegentlich auch noch nach dem Unterricht Fragen gestellt und die Diskussion gesucht. „Das fand ich gut. So was gefällt mir.“ Auch im Vieraugengespräch in seinem ehemaligen Klassenzimmer zeigt sich der Schauspieler mit dem Kracherlachen ungewohnt ernst.

          Und, Herr M’Barek? Wie finden Sie das jetzt, wieder in Ihrer alten Schule zu sein?

          Es ist ja nicht so, dass ich hier meine Jugend verbracht hätte. Ich bin öfter sitzengeblieben und war auf mehreren Schulen. Insofern werde ich da nicht besonders emotional. Das war eine Episode. Und ich bin froh, nicht mehr zur Schule gehen zu müssen.

          Hier haben Sie immerhin Ihren Abschluss geschafft. War das keine besondere Zeit?

          Nö. Ich habe auch hier ein Jahr lang nichts gemacht und dann wiederholt. Dabei bin ich immer wieder gern zur Schule gegangen. Wenn es lief, wenn ich mich angestrengt habe, hat es auch Spaß gemacht. Ich habe bloß relativ schnell die Lust verloren und hatte Besseres zu tun. Das war so ein Auf und Ab.

          Sie sind vom Gymnasium geflogen, vom katholischen Internat geflüchtet, auf der Realschule sitzengeblieben. Am Ende wollte Sie nicht einmal mehr die Hauptschule nehmen.

          Ich hätte gar keinen Schulabschluss gehabt, weil meine Pflichtschulzeit vorbei war. Aber meine Mutter hat die Direktorin einer Hauptschule bekniet, dass sie mir eine letzte Chance gibt. Daraufhin habe ich mich zusammengerissen. Es war mir fast peinlich, mich auf der Hauptschule wiederzufinden.

          Warum?

          Weitere Themen

          Anita, Yoko und me, too

          Marianne Faithfull im Gespräch : Anita, Yoko und me, too

          Marianne Faithfull ist einundsiebzig Jahre alt. Mit siebzehn wurde sie ein Star, jetzt erscheint „Negative Capability“, ihr 21. Album. „Es war furchtbar“, sagt sie über die sechziger Jahre im Pop. Ein Gespräch.

          Topmeldungen

          Brexit-Entwurf gebilligt : Das Jüngste Gericht ist gnädig

          Dramatische Stunden in der Downing Street 10. Das britische Kabinett stimmt dem Entwurf für das Abkommen zum EU-Austritt zu. Doch die Kritik an Premierministerin Theresa May hält an.

          Konkurrenten : Fox News hilft CNN im Rechtsstreit mit Weißem Haus

          Der amerikanische Sender Fox News ist strikt konservativ und Donald Trump freundlich gesinnt – ganz im Gegenteil zu CNN. Wieso gehen die beiden Konkurrenten nun gemeinsam gerichtlich gegen eine Weisung des Präsidenten vor?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.